Politiker im Übersetzungschaos "Mein Hintern ist zweigeteilt”

Können zwei Länder gleichzeitig Orgasmen haben? Sollten sich Botschafter dazu bekennen, glücklich in ihrer Frau zu sein? Wenn sich reisende Politiker in fremden Sprachen verheddern, kann das passieren. Der Ex-Diplomat Richard Woolcott hat die skurrilsten Sprachunfälle gesammelt.


Der Typ ist ja pervers, müssen die indonesischen Diplomaten und Politiker gedacht haben, als Richard Woolcott seine Stelle als Botschafter in Jakarta antrat. Und Woolcott hat sich vermutlich gewundert, warum alle verlegen an ihren Häppchen nibbeln oder nervös lächeln. Der Australier hatte nämlich bei seiner Antrittsrede in korrektem Englisch formuliert: "Auch im Namen meiner Frau möchte ich Ihnen sagen, wie froh wir sind, hier zu sein." Sein indonesischer Übersetzer hatte daraus gemacht: "Ich bin sehr froh, hier auf meiner Frau zu sein."

Ob diese topografische Verwirrung die Gemüter mehr erregt hat als das Lob der australisch-chinesischen Beziehungen, mit denen sich Kevin Rudd 1984 in die sprachlichen Nesseln setzte? Der Chef von Australiens Labour-Partei, eigentlich durchaus der chinesischen Sprache mächtig, schwärmte im fremden Idiom befremdend freizügig. Die bilateralen Kontakte seien exzellent, wollte er sagen. Heraus kam: "Australien und China genießen in ihrer Beziehung gleichzeitige Orgasmen."

Diesen und weitere Höhepunkte rhetorischer Über- und Ausfälle hat Woolcott in einem Buch versammelt. "Undiplomatic Activities" – undiplomatische Aktivitäten - heißt das Werk, das bei Penguin erscheinen wird, auszugsweise im australischen Magazin "Bulletin" vorabgedruckt und unter anderem vom englischen "Daily Telegraph" begeistert besprochen wurde.

Wie hochrangige Politiker zu Botschaftern des schlechten Geschmacks werden, das liest sich tatsächlich höchst amüsant und beweist zudem den Großmut von Regierungen und Journalisten gegenüber ausländischen Gästen. Da will der frühere australische Premier Bob Hawke einen japanischen Journalisten mit den Worten "Ich bin doch nicht hier, um den Hanswurst zu spielen" abbügeln, und der Übesetzer sagt: Ich bin nicht hier, um für euch den lachenden Schwulen zu spielen!"

Lobeshymne, hintenrum

Da schwärmt ein frisch gebackener australischer Frankreich-Botschafter von seinem neuen Job und will erklären: Sein Leben sei zweigeteilt, in eine langweilige Phase vor und eine spannende Phase nach seiner Versetzung. Tatsächlich verblüfft der Mann sein Publikum aber mit dem französischen Satz: "Wenn ich mein Hinterteil ansehe, stelle ich fest, dass es zwei Hälften hat."

Sitzfleisch brauchten auch die Teilnehmer eines Banketts in Seoul, wo ein asiatischer Minister die Runde mit einem nicht endenden wollenden Witz quälte. Der koreanische Übersetzer fasste den Gag in wenigen Worten zusammen, was sofort mit Applaus quittiert wurde. Als der Minister den Übersetzer anschließend lobte, servierte dieser die eigentliche Pointe: "Um ehrlich zu sein, Herr Minister, ich habe Ihren Witz nicht einmal verstanden. Alles, was ich dem Publikum gesagt habe, war, dass Sie jetzt ihren üblichen Witz erzählen und dass alle bitte lachen sollen.

Ein Witz, aber nicht komisch sind diese Situationen wohl für die Betroffenen, in der Zusammenschau aber belegen Woolcotts babylonische Vignetten, dass selbst hohe Würdenträger, ja ganze Nationen die eine oder andere Schmähung verkraften können. Und wenn sogar ein Orgasmus dabei herausspringt, ist man schon mal nachsichtig. Hinterher kann man ja drüber reden.

dan



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