Regimekritik in China: Ai Weiwei von Prozess ausgeschlossen

"Sie wollen mich einfach nur vernichten": Der chinesische Künstler Ai Weiwei beklagt Einschüchterungsversuche von Seiten der Polizei - Sicherheitskräfte hinderten ihn daran, das Gericht zu betreten, in dem seine angeblichen Steuervergehen verhandelt werden.

Chinesischer Regimekritiker Ai Weiwei: "Sie wollen mich einfach nur vernichten" Fotos
REUTERS

Peking - Kino-Doku, soziale Netzwerke, Medien: Ai Weiwei nutzt alle Kanäle, um sich gegen die Unterdrückung des chinesischen Regimes zu engagieren. Öffentlichkeitswirksam beklagt der Künstler auch aktuelle Einschüchterungsversuche der chinesischen Polizei: Sicherheitskräfte haben ihn am Mittwoch daran gehindert, an einem Prozess gegen seine Steuerstrafe teilzunehmen.

"Sie haben gesagt: 'Wenn du versuchst, ins Gericht zu kommen, wirst du dort niemals ankommen'", sagte Ai der Nachrichtenagentur AFP. "Obwohl ich ein Repräsentant der Anklage bin, ist es mir nicht erlaubt, dorthin zu gehen", schreibt Ai Weiwei im Kurznachrichtendienst Twitter.

Vor dem Gericht im Pekinger Bezirk Chaoyang wurde am Mittwochnachmittag eine Klage seiner Firma Fake gegen die Pekinger Steuerbehörde verhandelt. Ai Weiwei wurde vor Gericht von Anwalt Pu Zhiqiang und seiner Frau Lu Qing vertreten, die auch offizielle Repräsentantin der Firma ist. Der Künstler wirft der Behörde vor, ihn zu Unrecht zu einer Steuerstrafe in Höhe von 15,22 Millionen Yuan (rund 1,9 Millionen Euro) verurteilt zu haben.

Ai beklagt, dass seine Anwälte keinen Einblick in das gegen ihn angeblich vorliegende Beweismaterial hätten und die Anklage, die zu dem Bußgeld führte, von der Polizei selbst gegenüber den Steuerbehörden unter Verschluss gehalten werde. Die chinesischen Behörden arbeiteten "nicht professionell" und hätten auch nicht diesen Anspruch - "sie wollen mich einfach nur vernichten", sagte der Künstler.

Im April 2011 war Ai zunächst ohne Anklage drei Monate lang von Sicherheitskräften an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Er wurde am 22. Juni 2011 entlassen, allerdings unter der Auflage, ein Jahr lang Peking nicht zu verlassen. Dieses Verbot endet am Freitag. Es ist aber unklar, ob der Dissident danach frei reisen darf.

Aktuell läuft Ai Weiweis Kinoporträt "Never Sorry" in den Kinos. Darin wird deutlich, wie sehr sich aus seinem radikalen Individualismus auch sein Umgang mit den Medien speist.

bos/dpa/AFP

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Dann bleibt eigentlich nur noch eine Frage!
Litajao 20.06.2012
Zitat von sysop"Sie wollen mich einfach nur vernichten": Im Fall eines gegen ihn verhängten Steuerbußgelds in Millionenhöhe beklagt der chinesische Künstler Ai Weiwei Einschüchterungsversuche von Seiten der Polizei - Sicherheitskräfte hinderten ihn daran, das Gericht zu betreten. Polizei hindert chinesischen Künstler Ai Weiwei an Prozessteilnahme - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,839924,00.html)
Was hat den Air Weiwei in den letzten Jahren verdient und wieviel Steuern hat er bezahlt? Und dass er trotz massivster Einschücherungsversuchen der Polizei und der Sicherheitskräfte immer noch so schön Twittern kann, ist doch auch schön für ihn.
2. Tätlichkeiten
toskana2 20.06.2012
Zitat von sysop"Sie wollen mich einfach nur vernichten": (...)
So "einfach" ist die Sache, Herr Weiwei, nicht. Denn davor haben Sie das Regime durch ihre Aktivitäten - beabsichtigt oder nicht, begründet oder nicht - in Fage gestellt. Eine gravierendere "Tättlichkeit" gegen ein mächtiges Regime! Dass Sie damit nicht gerechnet haben, das wundert mich!
3. Griechenland
laosichuan 20.06.2012
Wieviele Steuerhinterzieher gibt es in Griechenland? Warum bekommt ein einzelner Steuerhinterzieher in China soviel Publizität?
4. Peinlich
snickerman 20.06.2012
Zitat von laosichuanWieviele Steuerhinterzieher gibt es in Griechenland? Warum bekommt ein einzelner Steuerhinterzieher in China soviel Publizität?
Ihre plumpe Propaganda ist nur peinlich. Haben Sie wirklich sowenig drauf?
5. ...
Ganaw09 20.06.2012
"Vor dem Gericht im Pekinger Bezirk Chaoyang wurde am Mittwochnachmittag eine Klage seiner Firma Fake gegen die Pekinger Steuerbehörde verhandelt. Ai Weiwei wurde vor Gericht von Anwalt Pu Zhiqiang und seiner Frau Lu Qing vertreten, die auch offizielle Repräsentantin der Firma ist." Lustiger Weise dreht hat Ai selbst früher immer betont, dass er doch gar nichts mit der Firma Fake Cultural Development zu tun habe, dass seine Frau Inhaberin dieser Firma sei und nicht er so weiter und so fort. Und nunsteht da oben so ganz selbstverständlich, dass es SEINE Firma sei und seine Frau eben nur eine Repräsentatin.
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