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"Popetown": CSU-Fraktionschef zeigt MTV an

Die Angriffe auf die Papstsatire "Popetown" werden immer schärfer. Die CSU stellte jetzt Strafanzeige gegen den Sender, das Erzbischöfliche Ordinariat München setzte MTV ein Ultimatum. Verzichte MTV nicht auf die Ausstrahlung, behalte man sich rechtliche Schritte vor.

München -  Der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hat bei der Berliner Staatsanwaltschaft gegen die Verantwortlichen des Musiksenders MTV Strafanzeige gestellt. Grund für die Anzeige ist die Werbung in Zeitschriften für die ab Mai geplante Papstsatire "Popetown", in der ein vom Kreuz herabgestiegener Jesus Christus vor dem Fernseher abgebildet ist. Darunter steht: "Lachen statt rumhängen". MTV will die britische Cartoonserie ab nächsten Mittwoch zeigen. 

Szene aus "Popetown": "Beschimpfung des christlichen Glaubens"
DPA/ MTV/ BBC

Szene aus "Popetown": "Beschimpfung des christlichen Glaubens"

Herrmann sagte heute, mit der Anzeige werde der christliche Glaube verhöhnt und beschimpft. Die Werbung sei "völlig indiskutabel" und zeuge von mangelndem Respekt vor religiösen Überzeugungen.

Dass sich MTV in der Woche vor Ostern über Leiden, Sterben und Auferstehung Christi lustig gemacht habe, sei eine besondere Provokation, so Herrmann. Für das friedliche Zusammenleben aller Völker sei der Respekt vor religiösen Überzeugungen und Gefühlen mitentscheidend, sagte der CSU-Politiker. Mit seiner Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin wolle er ein Zeichen setzen.

Wenn die Staatsanwaltschaft eine strafbare Religionsbeschimpfung nach Paragraph 166 Strafgesetzbuch erst dann sehen sollte, wenn sich die Empörung schon auf der Straße Luft mache, müsste das Gesetz korrigiert werden, sagte Herrmann.

"Ich bin der Überzeugung, dass hier Grenzen aufgezeigt werden müssen." Es gehe bei der MTV-Werbung nicht um die Inhalte der Zeichentrickserie, sagte Herrmann. "Wir müssen uns insgesamt wieder mehr Respekt gegenüber Religion angewöhnen", betonte der CSU-Politiker. Zugleich räumte er ein, dass die Diskussion um die Grenzen von Kunst- und Meinungsfreiheit "eine schwierige Gratwanderung" sei. Die bayerische Justizministerin Beate Merk werde bis Juli einen Vorschlag ausarbeiten, so Herrmann. 

Die MTV-Werbekampagne war auch von den Kirchen und dem Deutschen Werberat kritisiert worden. Das Erzbischöfliche Ordinariat München setzte dem Sender bis Mittwoch eine Frist, um die Ausstrahlung zu überdenken. Ansonsten erwägt die Kirche ebenfalls rechtliche Schritte gegen MTV.

MTV werde erst nach dem Ablauf des Ultimatums am Mittwoch um 18.00 Uhr Stellung nehmen, sagte Sprecher Mats Wappmann heute zu der Nachrichtenagentur ddp.

In der vergangenen Woche hatte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) eine Gesetzesinitiative angekündigt, mit der das Verhöhnen religiöser Symbole schneller als bisher unter Strafe gestellt werden soll. Auch der Bayerische Landtag wollte sich heute Nachmittag in einer Aktuellen Stunde mit dem Respekt vor religiösen Bekenntnissen befassen.

Scharfe Kritik an der TV-Serie, die ab nächsten Mittwoch ausgestrahlt werden soll, übte auch der vom Vatikan gemaßregelte brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff. "Ich denke, solche Phänomene zeigen, wie weit der Verfall der westlichen Kultur bereits fortgeschritten ist", sagte Boff in der Deutschen Welle DW-World.de. Die Gesellschaft müsse Selbstkritik üben und sich fragen, wo die Grenzen seien. "Wenn diese Grenzen überschritten werden, sind wir nah dran am Bruch des sozialen Zusammenhangs", so der Brasilianer.

anr/AP/ddp/dpa

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