Porno-Boom in Hollywood Teil 2 Immer nackter, immer frivoler

Im "Silicone Valley" betreibt Porno-Produzent Jim South seine Agentur. Hier werden Models gecastet: "Linkes Bein hoch." Klick. Rechtes Bein hoch. Klick. Anhand der fertigen Bilder suchen die Porno-Produktionsfirmen ihre Darsteller aus.

Von Helmut Sorge


Jim South hat diesen Abend nicht genossen. Ihm war die Rock'n'Roll-Musik zu laut. South ist einer der Pioniere der Branche. Die Büros seiner "World Modeling Agency" hat er vor mehr als 25 Jahren im Valley untergebracht, "Silicone Valley", wie es in Hollywood verächtlich heißt. Die "Explosion" im Porno-Business ist für ihn "einfach phänomenal", und er glaubt, dass das Nischendasein bald beendet ist: "Hollywood kommt mit gigantischen Schritten auf uns zu ­ die werden immer nackter und frivoler." Und das Valley, so hofft er, wird dann beinahe wie Hollywood, oder so ähnlich zumindest.

Vorerst allerdings muss South weiterhin über Anzeigen nach Porno-Darstellern suchen und zahlt jedem, der ihm eine Darstellerin vermittelt, 100 Dollar in bar. Vor ihm am Schreibtisch sitzt eine Bewerberin, blond und üppig. Drei Dutzend sprechen pro Woche in seinem mit vielen Frauen-Postern dekorierten Büro vor. Er fordert: "HIV-Test, I. D." Ungebeten hebt sie die Bluse und zeigt ihre Brüste.

Der Agent führt sie in eine kleine Kammer, in der lediglich ein abgesessenes Sofa steht. Sie zieht sich aus. South fordert: "Linkes Bein hoch." Klick. Rechtes Bein hoch. Klick. Frontal. Hintern und fertig. "Done." South wird die Polaroids an 30 Porno-Produktionen schicken ­ er hat sogar eine Eartha Quake dreimal vermittelt, und das, obwohl die 400 Pfund wog. "Machen Sie anal?", fragt er die Bewerberin, die Badesandalen trägt. "Nein", antwortet sie, "erst mal nicht."

Sabrina Johnson, groß, schlank, schwarze Haare, hat damit keine Probleme. Ihr Mann Graham ebenfalls nicht. Er ist 39, sie 25. Seit sechs Jahren sind sie verheiratet. South hat auch ihr einen Job vermittelt: 4000 Dollar Ausnahme-Gage. Sex mit zehn Männern. Sabrina liebt das. "Ich bin Exhibitionistin", sagt sie: "Mich macht das ganz geil, wenn die Kamera auf mich gerichtet ist und viele Menschen zusehen." Nach mehreren Stunden Aktivität ist sie schon mal "unten wund", schweißüberströmt und "erschöpft wie ein Langstreckenläufer".

Produziert wird so etwas von Männern wie Steven Hirsch, 40. Die Wände seines Büros sind schwarz tapeziert, im T-Shirt sitzt er an einem massiven, ebenfalls schwarz lackierten Schreibtisch. Er ist Präsident einer der erfolgreichsten Porno-Produktionen Amerikas, seine Firma nennt sich Vivid.

Vor 17 Jahren startete Hirsch, dessen Vater bereits im "Adult movie business" aktiv war, das Unternehmen. Aus den 20 000 Dollar Startkapital sind inzwischen mehr als 100 Millionen Jahresumsatz geworden. Kürzlich hat Vivid, in Van Nuys zu Hause, Vivid TV, Hot Network und Hot Zone für 70 Millionen Dollar an die Playboy Enterprises verkauft. Der Häschen-Konzern will offenbar den Trend in Richtung "hard porn" nicht verpassen.

"Selten, sehr, sehr selten", behauptet Hirsch, sehe er sich seine eigenen Produktionen daheim an. Er lebt zusammen mit einer Frau, die wie er im "adult business" als Managerin tätig ist, und gemeinsam haben sie eine drei Monate alte Tochter. Der Rolls-Royce-Fahrer ist, anders als sein "Playboy"-Partner Hugh Hefner, kein Party-Typ, sieht sich eher als "Steuermann, der das Schiff lenkt", beispielsweise in Richtung Internet. Unten, im Maschinenraum, machen andere die schmutzigen Arbeiten, "Experten, denen ich vertraue".

Einen gewissen Bereich lässt sich der Porno-Schiffer freilich nicht nehmen: Über das Engagement der so genannten Vivid-Girls, attraktive Frauen, entscheidet er persönlich. Derzeit hat Vivid neun Mädchen unter Vertrag. Exklusiv treten sie pro Jahr in sechs bis acht Filmen auf ­ von denen Vivid im Jahr insgesamt 72 produziert. Die Kosten für die Streifen: 40 000 bis 250 000 Dollar. Drehzeit: 3 bis 15 Tage.

Erst kürzlich arbeitete eine Vivid-Crew unten im Malibu-Valley. Gedreht wurde in einem modernen 700-Quadratmeter-Haus. Vor dem Gebäude parkte ein mit Filmkulissen, Scheinwerfern, Reflektoren und Kabeln beladener Lkw. Der Regisseur war zugleich Kameramann, insgesamt arbeiteten in seinem Team ein halbes Dutzend Leute. Der Hausbesitzer, ein Architekt, hatte seine Villa für 1500 Dollar Tagesgage vermietet ­ wie so mancher Immobilienbesitzer in L. A., der mit solchen Vermietungen die monatlichen Kosten deckt.

In drei Tagen drehte die Vivid-Crew zwei Porno-Streifen ab: "Zwei Verführerinnen" sowie "Chelsea, ergebe Dich" hießen die beiden Primitivfilme. Zehn Sexszenen insgesamt, das Drehbuch umfasste ­ immerhin ­ ganze 15 Seiten. Die Verführerinnen: Chelsea Sinclair, 22, schwarz, bei Vivid unter Vertrag, sowie Monica Mendez, 26, eine Latina-Schönheit, auch im "Playboy" entblößt. Beide trugen Plateau-Schuhe und sonst beinahe nichts, nur die Höschen konnten sie noch ausziehen. Sie waren ­ für einige Stunden ­ auf lesbische Szenen eingestellt, und wie in der Pantomime glitten sie aufeinander zu, streichelten einander Hals und Po.

Robby, der Regisseur, stellte die graue Sony-Kamera auf "automatisch" und holte sich eine Cola. Die beiden Frauen machten ohne Regisseur weiter und streiften sich am Ende natürlich die Höschen vom Leib. "Cut", sagte Robby, und ein Lob für Monica hielt er auch bereit: "Du bist ein echtes Luder."



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