Porträtfotos von Angelika Platen Abtauchen, Auftauchen, Klick

Sie porträtierte bildende Künstler wie Günther Uecker oder Hanne Darboven, analog, schwarz-weiß, mit einem warmen Blick für das Besondere. Ein Bildband zeigt nun das Werk von Angelika Platen - die mit ihren Fotografien selbst zur Künstlerin wurde.

Angelika Platen/ Hatje Cantz

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Zuerst verschwindet ihr Gesicht hinter der Kamera. Das war damals so, und das ist noch immer so. Andere Fotografen sehen vielleicht mit dem rechten Auge durch die Kamera, mag sein, aber die fotografieren schließlich auch digital und in Farbe.

Angelika Platen hingegen fotografiert seit Jahren so: Zuerst blickt sie mit dem linken Auge durch das Objektiv. Die Kamera verdeckt ihr ganzes Gesicht. Dann fokussiert sie ihr Gegenüber, hält die Kamera mit beiden Händen fest. Dann taucht sie wieder auf, über der Kamera. Sie schaut ihr Gegenüber an. Drückt ab. Schwarz-weiß, analog, ohne Blitz. Und vor der Kamera liegt Walter De Maria auf einer Flughafen-Landebahn. Klick. John Bock rinnt Blut über das Gesicht. Klick. Hanne Darboven streichelt eine Ziege. Klick. Günther Uecker steht zwischen Steinen. Klick.

Der Band "Angelika Platen - Künstler" versammelt ihre Porträts bildender Künstler aus den Sechzigern und Siebzigern, und ihre neuen Bilder wie zum Beispiel von Jeff Koons. Während ihre Art der Fotografie über die Jahrzehnte fast demonstrativ gleich geblieben ist - Abtauchen, Fokussieren, Auftauchen, Abdrücken -, hat sich die Welt vor der Kamera gewandelt und mit ihr die Fotografin. Aus Freunden sind Fremde geworden, und aus der Fotojournalistin Platen eine Künstlerin, auch wenn sie nicht so recht weiß, ob sie sich selbst so nennen soll.

Sigmar Polke, Blinky Palermo, Gerhard Richter, Joseph Beuys, Walter de Maria, Richard Hamilton, Robert Rauschenberg, Günther Uecker - das war nicht nur ihre Generation, es war auch ihre Peer-Group. Davon zeugen die Anekdoten: wie eines Tages Beuys zum Abendessen vorbei kam und Platen keine seiner Zeichnungen mehr kaufen konnte, weil sie schon fünfzig Mark für den Rehrücken ausgegeben hatte.

Ein warmer Kamerablick, konzentriert auf das Schöne

Bis 1976 ging das so, und dann brach eine Zeit in Platens Leben an, von der man nur weiß, was sie nicht tat: fotografieren. Mehr als zwanzig Jahre vergingen, bis sie nach Deutschland zurückkehrte und wieder zu fotografieren begann, das war Ende der Neunziger. Die Künstler von damals waren älter geworden, Platen ebenso, und die Jungen kannte sie nicht mehr. Die Arbeit sei schwieriger geworden, sagt Platen.

Der Bildband stellt Platens Fotografien von damals neben jene von heute. Und das wirklich Faszinierende daran ist, dass man den Bildern den Bruch nicht wirklich ansieht. Die Nähe ist dennoch da, auch wenn es keine unwillkürliche, sondern eine hart erarbeitete Nähe sein mag.

Denn Platens Blick auf die Künstler ist beständig geblieben. Es ist ein warmer Blick, voll Sympathie, konzentriert auf das Schöne und das Besondere, der in einem einzigen Bild eine Ahnung vermittelt von Künstler und Werk zugleich.

Momentaufnahmen wie jene von Richard Tuttle aus dem Jahr 2001: Einen ganzen Film habe sie damals verschossen, sagt Platen. Tuttle auf einer Parkbank sitzend, lachend, kein gutes Bild war dabei. Dann stand er plötzlich auf, ging zum Spielplatz gegenüber, setzte sich auf die Wippe. Es interessiere sie, sagt Platen, wie sich der Künstler zu seiner Kunst verhält. Tuttle, dessen Kunst ja auch aus kleinen Bewegungsstücken besteht, setzte sich mitten auf dem Spielplatz auf ein Wackelpferd, also tauchte Platen hinter ihrer Kamera ab, fokussierte, tauchte auf, drückte ab. Sie sagt, in diesem Augenblick schon habe sie gewusst: Das ist es.



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Ronald Dae 14.09.2010
1. "Jeder ist ein Künstler"
Die Portraits sind angenehm direkt und unmaniriert. Besonders gefällt mir die Härte des Monochromen, das Spiel mit Licht und der z.T. drastische Anschnitt. In meinen eigenen Arbeiten als Portrait-Fotograf (vgl. http://www.daedalus-v.de) versuche ich Mittelachsigkeit und Beliebigkeit zu vermeiden, ebenso, wie ich es hier bei Angela Platen sehe (vgl. http://www.angelikaplaten.com). Die Aussage "(...) die mit ihren Fotografien selbst zur Künstlerin wurde" verstehe ich allerdings nicht. Ob sie mir jemand erklärt?
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