Posse um Nazi-Gartenzwerg Heil Heinzelmann!

Aufregung in Nürnberg: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Akademie-Präsidenten. Der hat einen Gartenzwerg mit Hitler-Gruß geschaffen und zeigt sich jetzt überrascht - das Werk sei doch kritisch gemeint.


Nürnberg/Hamburg - Was ist provinzieller? Die Reaktion auf das Kunstwerk oder das Kunstwerk selbst?

Antifaschistisches Kunsthandwerk: Hitler-Gruß-Gartenzwerg
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Antifaschistisches Kunsthandwerk: Hitler-Gruß-Gartenzwerg

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt wegen eines von einem Künstler geschaffenen Gartenzwerges, der einen Arm zum Hitler-Gruß ausstreckt.

Es werde geprüft, ob die Ausstellung dieses Zwerges im Schaufenster einer Galerie den Straftatbestand der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole erfülle, sagte ein Behördensprecher am Donnerstag.

Demgegenüber steht die Frage, ob die Darstellung durch die Freiheit der Kunst abgedeckt ist oder es sich dabei um eine Kritik an verbotenen Organisationen handelt. Ein Beispiel dafür sei etwa ein Hakenkreuz, das von einer Faust zerschmettert werde.

Der Zwerg wurde von dem Künstler Ottmar Hörl geschaffen, der seit 2005 Präsident der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ist. Hörl zeigte sich überrascht von den Ermittlungen. Bislang habe jeder das Werk als Kritik verstanden, sagte Hörl der Nachrichtenagentur AFP. Er zeige dabei die "deutsche Herrenrasse" als Gartenzwerg.

Auf eine derart unsubtile Darstellung muss man erst einmal kommen: Antifaschistisches Kunsthandwerk auf dem stilistischen Niveau der in deutschen Fußgängerzonen weit verbreiteten Stadtmöblierungsfiguren.

Der letzte größere Nürnberger Kunstskandal war im Jahr 2006 wenigstens von einem etwas abstrakteren Kunstwerk ausgelöst worden. Für seine Arbeit "Auf Wiedersehen" hatte der bekannte Münchner Künstler Olaf Metzel auf dem Hauptmarkt der Stadt eine 17 Meter hohe Stuhlpyramide errichtet und war daraufhin von empörten Bürgern unter anderem als "Judensau" beschimpft worden.

sha/AFP



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