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Post an den Zwiebelfisch: Ich brauch 'nen Bio-Break!

Mathematiker nennen es "3,14 machen". Chemiker gehen "das Stickstoffproblem lösen". Steuerberater setzen "die Mehrwertsteuer ab" und Geschäftsleute machen einen "Bio-Break". Wenn es ums Müssen-Müssen geht, sind dem Erfindungsreichtum keine Grenzen gesetzt.

Toilettenwerbung in Brandenburg: Na dann gut Wasser! Zur Großansicht
Fotografiert in Brandenburg, eingeschickt von Ulrich Schmidt

Toilettenwerbung in Brandenburg: Na dann gut Wasser!

In der vergangenen Woche fragte der Zwiebelfisch seine Leser, mit welchen Worten sie zur Toilette gehen, und bekam nicht weniger als 230 Antworten. Darunter Klassisches wie "den letzten Tee wegbringen" und "die Keramikabteilung aufsuchen" bis zur modernen "Getränkerückgabe". Aber auch viel Schönes mit regionalem Bezug, zum Beispiel eine Erklärung des Unterschieds zwischen zieseln, pieseln und brunzen. Und die Feststellung, dass örtlich zwischen männlichem und weiblichem Wasserlassen unterschieden wird. Amüsant war auch die Erkenntnis, dass die Abkürzung AB schon lange vor der Erfindung des Anrufbeantworters existierte, und zwar für den Abort. Und dass die Abkürzung WC ja auch für Winston Churchill steht. Was dem einen das "Rappelle machen", ist dem anderen das "Prunz'n". Dann lassen wir mal die Ente schnattern! Viel Vergnügen beim Gang durch die Keramikabteilung!


Gern verwende ich die folgenden Umschreibungen:
- Ich muss mal für kleine Plüschtiger
- Ich bin mal kurz auf der 17
- Ich bring mal eben das Wasser weg (in der Kneipe durch "Bier" zu ersetzen)
- I muaß bronza (sagt mein Opa immer, der ist Schwabe)

Gregor Dahlmann


Mit den Worten "Ich werde mal kurz dem weißen Porzellangott die Ehre erweisen" schleiche ich mich des Öfteren aufs stille Örtchen, was jedoch meist erstaunte Blicke hervorruft, sodass ich ein derb fränkisches "Ich mo amool" nachliefern muss.

Jacobs, Nürnberg


In Tanzclubs oder Bars sage ich gern: "Ich geh' mal kontrollieren, ob die Fluchtwege frei sind!" Das hat bisher jeder richtig verstanden!

Ralf Böpple, Stuttgart


Schon häufiger habe ich im US-amerikanischen Raum (hauptsächlich in Kalifornien, denn dort sitzt mein Arbeitgeber) in Meetings (Sitzungen) den Ausdruck "bio break" gehört: "I need to have a bio break", "Let's have a bio break!"

Matthias


In meiner Schülerzeit in den 40er- und 50er-Jahren war "schiffen" beliebt, in der Studentenzeit "die Ente schnattern lassen". Na dann gut Wasser!

H.K. - ein engagierter Genießer Ihrer Zwiebelfische


Unter guten Bekannten wird gern die Formulierung "Ich geh mal eben Jürgen würgen " oder "einem guten Freund die Hand geben" gebraucht.

Ralph Dickhaut


"Ich gehe an die Kacheln" ist auch ziemlich eindeutig, und bei Männern finde ich außerdem die Wendung "Ich gehe dann mal den Kürzeren ziehen" witzig.

Norbert Juhnke


Das Kürzel "WC" steht ja für einen berühmten Mann: Winston Churchill. Demnach muss man ganz einfach nur fragen: "Wo finde ich die Kammer von Winston Churchill?" oder "Ich muss mal eben kurz Winston Churchill treffen". Wenn das nicht verstanden wird und man die fragenden Gesichter aufklärt, hat man auch gleich noch die Lacher auf seiner Seite.

Olaf Schilgen


Ich lese immer wieder gerne Ihre kulturhistorischen Erläuterungen, die sich eben nicht nur auf die sprachlichen Aspekte beschränken, und selten oder vielleicht noch nie blieb eine Frage meinerseits dabei offen. So auch diesmal nicht, allerdings kenne ich eine sehr gepflegte Formulierung für die Örtchenfrage, die in Ihrer Aufzählung nicht dabei war: "Wo finde ich bitteschön die Bequemlichkeiten".

Martin Wächter


In unserer Familie gibt es hierfür auch den Insider "Musik hören gehen". Dabei geht es aber nicht um "Körpermusik" beim Wasserlassen, sondern um unser Radio im Bad, das an den Lichtschalter gekoppelt ist: Sobald der Lichtschalter im Bad betätigt wird, erhält das Radio Strom und fängt an zu spielen.

Solveig Poser, Berlin


Bei uns hat sich als Student eingebürgert, man geht 3,14. Das ist die Zahl Pi, und "pee" ist das englische Wort für das, was in der Generation meiner Eltern noch "ein Bächlein machen" hieß.

A. Ramstöck

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