Presserat Springer will Beschwerden von "Bildblog" stoppen

Der Axel-Springer-Verlag geht gegen die "Bild"-kritische Internetseite "Bildblog" vor. Der Medienkonzern will nach SPIEGEL-Informationen durchsetzen, dass die Betreiber grundsätzlich keine Beschwerden mehr beim Deutschen Presserat einreichen dürfen.


Hamburg - Für viele ist "Bildblog" ein mehrfach ausgezeichnetes Internetprojekt, das der "Bild"-Zeitung kritisch auf die Finger schaut. Für den Axel-Springer-Verlag ist "Bildblog" ein großes Ärgernis.

Nun versucht der Medienkonzern durchzusetzen, dass die Betreiber des Blogs grundsätzlich keine Beschwerden mehr beim Deutschen Presserat einreichen dürfen. Das Argument des Großverlags: Den Machern der Seite gehe es bei ihren Eingaben nicht darum, Missstände aufzuzeigen - sondern um Kommerz.

Laut Springer rufen die "Bildblog"-Betreiber den Presserat missbräuchlich mit einer Flut von Beschwerden an, um daraus Stoff für die eigene Berichterstattung zu gewinnen - und so die Werbeeinnahmen nach oben zu treiben. Springer fordert daher vom Presserat, diese "Arbeitsbeschaffungsaktion" grundsätzlich zu beenden.

Nach Angaben des Presserats hat "Bildblog" in den dreieinhalb Jahren seines Bestehens insgesamt zwölf Beschwerden eingereicht. Auf der Homepage werden so gut wie täglich Artikel der "Bild" kritisiert und Fehler der Redaktion dokumentiert. Die Seite finanziert sich über Werbung.

"Der Verlag stellt nicht in Abrede, dass Kritik möglich ist", sagt eine Anwältin, die den Springer-Verlag berät. Es sei jedoch grundsätzlich nicht hinnehmbar, dass Presserat und "Bild" Aufwand betreiben müssten, um die Attraktivität und mittelbar die Einnahmen von "Bildblog" zu steigern.



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