Neuer Kodex Presserat erhält weniger Beschwerden

Vor einem Jahr hat der Presserat seine Richtlinie zur Nennung der Herkunft von Straftätern neu geregelt. Das hat nicht nur Begeisterung ausgelöst - aber zu weniger Beschwerden geführt.

Zeitungsschnipsel
imago/Future Image

Zeitungsschnipsel


Angeprangert werden in der Regel sensationsheischende Berichterstattung und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Auch der SPIEGEL sieht sich manchmal mit derartigen Beschwerden konfrontiert - etwa bei dem Titelbild von Februar 2017, das Donald Trump mit dem abgeschnittene Kopf der Freiheitsstatue zeigt. Der Presserat stufte die Einsprüche damals als unbegründet ein.

Nun legte der Presserat seine Bilanz für 2017 vor. Danach haben Zeitungs- und Zeitschriftenleser weniger Beschwerden eingereicht. Insgesamt gingen bei der freiwilligen Selbstkontrolle der Printmedien 1788 Beschwerden ein, im Vorjahr waren es noch 1851, wie der Presserat mitteilte. In 21 Fällen wurden Rügen verhängt, die schärfste Sanktion gegen die betroffenen Medien. Im Vorjahr hatte der Rat noch 33 Rügen ausgesprochen.

Viele Beschwerden richteten sich gegen Berichte über Krisen und Konflikte, etwa gegen die Veröffentlichung von Fotos angeblich straffälliger Demonstranten beim G20-Gipfel in Hamburg. Der Presserat sieht dabei keinen Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz, kritisiert aber, dass die abgebildeten Demonstranten damit an den Medienpranger gestellt würden. Nahezu die Hälfte der Rügen (9) wurden wegen Schleichwerbung etwa auf Onlineseiten verhängt.

Neuer Kodex zeigt Wirkung

Bewährt haben sich laut Presserat die neuen Regeln und Leitsätze zur Nennung der Herkunft von Straftätern und Verdächtigen. Seit März 2017 habe sich die Zahl der Beschwerden dazu deutlich verringert. Bis Dezember waren es 23 Beschwerden, im Vorjahreszeitraum noch 42.

Nach der neu formulierten Richtlinie 12.1 sollten Medien die Zugehörigkeit potenzieller Täter etwa zu ethnischen oder religiösen Minderheiten nur bei "begründetem öffentlichen Interesse" nennen. Bis dahin war von einem "begründeten Sachbezug" die Rede. Zuvor hatten die Beschwerden gegen genau diese Richtlinie deutlich zugenommen.

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) hält allerdings den "begründeten Sachbezug" für das sinnvollere Kriterium. "Er ist besser, er ist präziser", sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall in einem Interview. Er halte die neue Formulierung aber auch nicht für wirklich schädlich.

brs/dpa



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