Prêt-à-Porter Modeschöpfer Kenzo geht in den Ruhestand

Ungewöhnlich für einen Kreativen der Modebranche: Während Karl Lagerfeld (61) und Giorgio Armani (65) munter ihre neuen Kollektionen entwerfen, kündigt Kollege Kenzo aus Paris nach 30-jähriger Schaffensperiode seinen Ruhestand an. Seine letzte Schau will er Anfang Oktober in Paris zeigen.


Kenzo bei der Modenschau zu seiner aktuellen Herbst-/Winterkollektion
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Kenzo bei der Modenschau zu seiner aktuellen Herbst-/Winterkollektion

Paris - Bei Modemachern ist es so ungewöhnlich wie bei Dirigenten, dass sie freiwillig ihr Handwerkszeug beseite legen. Doch der aus Japan stammende renommierte Modeschöpfer Kenzo gibt das Schneidern auf. "Ich bin 60 Jahre alt und habe 30 Jahre Karriere hinter mir. Ich wollte schon seit langem was vom Leben haben, reisen, meine Freunde sehen", begründete Kenzo seinen Entschluss. Seine letzte Kollektion - für die Frühjahrs- und Sommerkollektion 2000 - will er am 7. Oktober in Paris präsentieren.

Das von ihm gegründete gleichnamige Modehaus gab bekannt, dass Kenzo im Bereich des weiblichen Pret-a-Porter durch den Designer Gilles Rosier (38) ersetzt wird. Der Däne Roy Krejberg (38) soll künftig für die Herrenlinie des heute zum LVMH-Konzern gehörenden Hauses verantwortlich sein.

Der zierliche und noch immer jung wirkende Japaner mit dem schulterlangen Haar war 1939 im japanischen Ort Himeji geboren worden. Nach Frankreich war er 1965 als 24-jähriger gekommen, nach andert halbmonatiger Schiffspassage bis Marseille. Schon fünf Jahre später präsentierte Kenzo seine erste eigene Kollektion - mit Stoffen, die er fast umsonst auf einem benachbarten Markt erstanden hatte. Seine farbenfrohe Mode bescherte ihm schnell Erfolg.

Er selbst bezeichnete seinen Stil als "destrukturierte Couture". Kenzo verbindet fernöstliche Einflüsse mit Pariser Chic - kreiert Männern und Frauen so elegante wie bequeme Kleidung mit folkloristisch inspirierter Ästhetik, einem Rausch schöner Farben und subtil zusammengestellten Musterungen. "Ich inspiriere mich an Kunst und Filmen, liebe die Bilder von Gaugain und Matisse, aber auch Botticellis Renaissance-Werke und romantische Kinostreifen", kommentierte er die eigene Kreativität.

Sein Hang zum Reisen half ihm bei seinen Entwürfen. "Ich bin ein sehr visueller Mensch, reise viel und gerne. Reisen bringen wunderbare Einflüsse, ich liebe alle Kulturen. Später schwelge ich in Erinnerungen. Dann zeichne ich."

Vor fünf Jahren ließ Kenzo die Pariser Brücke Pont Neuf mit 40 000 Begonientöpfen schmücken, um den Sommeranfang zu feiern - Ausdruck seines Sinns für Farbenpracht und das Schöne. 1983 hatte er sein Modeimperium um die Sparte Herrenmode ausgebaut, der dann 1988 das erste Parfüm ("Kenzo") folgte. 1993 war das Unternehmen vom Luxus- Konzern Louis Vuitton Moet Hennessy aufgekauft worden. Kenzo stellt heute ein Unternehmen mit 37 Läden unter eigenem Namen, 124 Verkaufsstellen, 52 Lizenzen sowie 500 Mitarbeitern dar.

Erst vor kurzem war dem Couturier, der in einem Haus mit japanischen Garten im Pariser Bastille-Viertel wohnt, der von den UN- Botschaftern erstmals vergebene "Time for peace fashion award" verliehen worden.



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