Nacktfotos von Prinz Harry: Die britische Presse zieht blank

Fotos vom nackten Harry? Und der Boulevard druckt sie nicht? Die britischen Zeitungen haben auf die Veröffentlichung des Party-Prinzen im Adamskostüm verzichtet - und zeigen sich auch sonst entspannt. Einzig die "Sun" gab sich besondere Mühe, die königliche Entblößung zu illustrieren.

Party-Prinz: Aufregung um Harry Fotos
Getty Images

London/Hamburg - Eigentlich müssten die Nacktfotos von Party-Prinz Harry, die ihn angeblich bei einer Partie Strip-Billard in einer Hotelsuite in Las Vegas zeigen, ein gefundenes Fressen für die nicht besonders zimperliche britische Boulevardpresse sein. Doch wer am Donnerstag die volle Naked-Harry-Breitseite erwartete, wurde beim Gang zum Zeitungsstand enttäuscht. Natürlich hatten alle Boulevardmedien die Geschichte vom nackten Prinzen in der Wüste von Nevada auf dem Titel. Aber der Nackedei selbst, der seine Genitalien mit den Händen verdeckt? Fehlanzeige.

Tatsächlich haben die britischen Zeitungen einhellig auf die Veröffentlichung der Bilder verzichtet. Und das, obwohl die vom Promi-Portal TMZ.com am Dienstag im Internet veröffentlichten Nacktfotos, die bei einer Party in Las Vegas entstanden, bereits millionenfach angeklickt wurden. Eigentlich ein Unding für die britischen Krawallblätter, die ansonsten noch jedes kompromittierende Promi-Foto auf die Titelseite gehoben und mit hämischen Zeilen flankiert haben.

Womöglich hat ja die Warnung des Königshauses an die Medien, die Bilder nicht abzudrucken, gefruchtet. Der Buckingham-Palast ist jedenfalls der Meinung, ein Abdruck der Fotos würde die Privatsphäre Harrys verletzten, hieß es. Bob Satchwell, Chef des britischen Verlegerverbands "Society of Editors", sagte hingegen, die britischen Medien hätten lediglich ihre freiwilligen Selbstverpflichtungen einhalten, die es ihnen verbieten, Menschen ohne ihre Einwilligung in ihrer Privatsphäre zu fotografieren.

"Harry greift nach den Kronjuwelen"

Und so war der feiernde Harry auf den Titelseiten der Boulevardblätter nur mit nacktem Oberkörper, Badehose und Filzhut zu sehen. Trotzdem schlachteten sie die Story wie gewohnt aus. "Harry Naked Romp" (Harry, nackt, Tollerei") setzte der "Daily Mirror" in dicken Lettern neben den halbnackten Harry. Die "Daily Mail" titelte "Palast-Zorn wegen Harrys Nacktfotos". Und seitenlang wurden vermeintliche Details der Hotelzimmerparty ausgepackt.

Doch so richtig krumm nehmen die britischen Medien das erneute Über-die-Stränge-Schlagen dem Thronfolger nicht. Der "Mirror" findet den Prinzen immer noch zwar "ungezogen, aber nett". Und selbst der renommierte "Independent", der das Thema wie andere seriöse Zeitungen nicht auf den Titel nahm, macht sich wenig Sorgen um den Ruf des Prinzen. Er sei halt der "aufregendste, zügelloseste Royal seit Heinrich dem VIII.", kommentierte das Blatt.

Die irische Zeitung "Evening Herald" scherte sich dagegen keinen Deut um die Zurückhaltung ihrer britischen Konkurrenten: Sie zeigte den Spross des Königshauses ungeniert splitternackt. Und auch die britische "Sun" fand einen Weg, einen nackerten Harry auf dem Titel zu präsentieren. Statt des echten Prinzen ließ sie einen Mitarbeiter namens Harry posieren, um das Nacktfoto für die Titelseite nachzustellen. Es zeigt "Harry" im Adamskostüm, der seine Genitalien mit den Händen verdeckt. Die Zeile dazu: "Harry greift nach den Kronjuwelen".

Beobachter werteten die Zurückhaltung der dafür weniger bekannten britischen Presse als Folge des jüngsten Medienskandals. Nach dem Ende des Rupert-Murdoch-Blattes "News of the World" hatte eine richterliche Untersuchung illegale Recherchemethoden wie etwa das Abhören von Telefonen sowie zu enge Beziehungen zwischen Medien, Politik und Polizei unter die Lupe genommen. Die Presse sei dadurch "kastriert" worden, sagte etwa der frühere "News of the World"-Chefredakteur Neil Wallis dem Sender BBC.

seh/dapd/AFP/dpa

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