Frauen in Führungspositionen 100 Zeitungen, aber fünf Chefinnen

Der Verein ProQuote hat alle 100 Regionalzeitungen in Deutschland nach dem Frauenanteil in der Chefredaktion befragt. Das Ergebnis: Eine interaktive Deutschlandkarte mit sehr wenigen weiblichen Namen.


In deutschen Regionalzeitungen sind Frauen in den Chefredaktionen stark unterrepräsentiert. Das zeigt eine Deutschlandkarte, für die der Verein ProQuote das Datenmaterial recherchiert hat.

Der Männeranteil bei den Chefredakteuren liegt demnach bei 95 Prozent. Lediglich fünf deutsche Regionalzeitungen haben eine Frau als Chefredakteurin. ProQuote hat für die Karte bei allen 100 Regionalzeitungen angefragt, die noch einen eigenen Mantelteil produzieren.

Zu den fünf Zeitungen unter Führung einer Frau gehören die "Berliner Zeitung", der "Trierische Volksfreund", die "Kölnische Rundschau", die "Rhein-Neckar-Zeitung" und die "Ludwigsburger Kreiszeitung".

Frauenanteil bei Regionalzeitungen
Quelle: Pro Quote
Stand: 15. August 2016

Chefredakteurin

Chefredakteur mit stellvertretender Chefredakteurin

Rein männliche Chefredaktion

Blickt man weg vom Chefredakteursposten auf die Stellvertreter-Positionen, sind Frauen auch dort deutlich in der Unterzahl: Der Frauenanteil bei stellvertretenden Chefredakteuren liegt bei 18 Prozent.

"In der Regionalliga gilt allgemein noch das Motto: Spiel - Satz - Mann", sagt ProQuote-Vorstand Johanna Lemke, Redakteurin der "Sächsischen Zeitung". Der Verein versuchte auch, von allen Regionalzeitungen Statements bezüglich ihres Frauenanteils in Führungspositionen einzuholen, nur wenige antworteten. Ihre Reaktionen lassen sich auf der Webseite des Vereins nachlesen.

ProQuote fordert seit 2012, dass in deutschen Redaktionen bis 2017 mindestens 30 Prozent aller Leitungspositionen mit Frauen besetzt sind. Die Initiative erhebt dazu auch regelmäßig den Frauenanteil in überregionalen Medien. Im August 2016 hat Pro Quote etwa das Leitungspersonal in führenden Print- und Onlineredaktionen analysiert. Die Mindestanforderungen erfüllen bereits die Printredaktionen der "Bild" (38,8 Prozent) und der "Zeit" (37,9 Prozent), während die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Die Welt" beide unter 15 Prozent liegen. Online besetzen Frauen dort noch weniger Führungspositionen: 6,7 Prozent bei faz.net, bei welt.de keine einzige.

cbu

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