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16. November 2012, 16:54 Uhr

Pro Quote gestaltet "taz"

"Die Quote ist das Miststück, das wir brauchen"

Von Karoline Kuhla

Der Berliner "tageszeitung" steht schon seit Jahren eine Chefredakteurin vor. Wohl der beste Ort also, an dem sich für mehr Frauen in den oberen Etagen der Medien demonstrieren lässt. Am Freitag gestalteten prominente Journalistinnen von Pro Quote eine "taz"-Wochenendausgabe.

"Liebe Gästinnen und Gäste, ich möchte Sie herzlich willkommen heißen." Gleichberechtigt begrüßt "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl am Freitag in Berlin weibliche und männliche Besucher einer Diskussionsrunde. Gekommen sind allerdings hauptsächlich Frauen.

Für eine Wochenendausgabe hat die Initiative "Pro Quote" die "tageszeitung" übernommen und sich dabei vor allem auf das Thema konzentriert, das die Frauen verbindet: Anfang des Jahres hatten sich rund 350 Journalistinnen zusammengeschlossen, um für einen Frauenanteil von 30 Prozent auf den Führungspositionen in der Medienbranche zu kämpfen. In einem Brief an Chefredakteure, Intendanten und Verleger forderten sie diese dazu auf, die Quote auf allen Hierarchieebenen bis 2017 zu erfüllen.

Zum Thema "Warum mehr Frauen in den Führungsetagen der Medien wichtig sind und wie das zu schaffen ist" haben hauptsächlich Journalistinnen, aber auch einige männliche Unterstützer - etwa Ranga Yogeshwar - die Sonderausgabe gefüllt. Vorgestellt werden darin Kriegsreporterinnen und internationale Chefredakteurinnen, außerdem geht es um Bier trinkende Volontäre und mutige Reporterinnen. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist mit einem Interview vertreten, genauso wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der sich für eine 40-Prozent-Frauenquote in den Aufsichtsräten und Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen ausspricht.

Auf dem Titelblatt der Wochenendausgabe wird in Erpresserbrief-Ästhetik die Forderung "Hosen runter" stehen. Noch expliziter geht es im "Live-Ticker" zu, der auf der Homepage der "taz" die Entwicklung der Pro-Quoten-Ausgabe begleitet. "Die Vulva wandert nach innen", heißt es da in Anspielung auf einen ersten Titelentwurf. An anderer Stelle im Ticker steht: "Kleines Highlight im Layout: 'Hier ist der USB-Stick mit dem Pimmel für Seite 16.'" Klingt so, als ob auch Frauen sich aufs Aufsexen journalistischer Inhalte verstehen.

"Die vierte Gewalt darf keine Männergewalt sein"

Wo man sich am Freitagvormittag in der "taz"-Redaktion auch umschaut, sieht man prominente Gesichter: die Fernsehmoderatorinnen Anne Will, Dunja Hayali und Lisa Ortgies, die Politikerinnen Monika Grütters (CDU), Doris Schröder-Köpf (SPD) und Krista Sager (Grüne), sowie unter anderem die Journalistinnen Annette Bruhns (DER SPIEGEL), Dagmar Engels (Deutsche Welle) und Ines Pohl ("taz").

Quote - ja oder nein? Darüber wird hier gar nicht mehr diskutiert. Auf die Frage der Moderatorin Dagmar Engels, ob jemand da sei, der gegen die Quote sei, meldet sich niemand. Die meisten hier, so der Tenor, wünschten sich, es ginge ohne, aber die Erfahrung habe anderes gelehrt: "Es ist ein Armutszeugnis für ein Land wie Deutschland", fasst Hayali zusammen, "aber die Quote ist das Miststück, das wir brauchen".

Für alle Anwesenden sind die Fakten klar: 98 Prozent der Tageszeitungen in Deutschland werden von männlichen Chefredakteuren geleitet - das muss sich ändern. "Die vierte Gewalt darf keine Männergewalt sein", lautet die Parole.

Niemand im Raum behauptet, dass Frauen die besseren Journalistinnen seien, aber würde es vielleicht anders werden, mit mehr Frauen in der Spitze? Das ist die Frage, die Anne Will interessiert: "Wird es eine andere Berichterstattung geben, wenn mehr Frauen das Sagen haben? Einen anderen Blick auf die Welt? Oder bleibt alles beim Alten?" Über diesen Einfluss gibt es in Europa bisher keine Erkenntnisse. Auch Schröder-Köpf, Ehefrau des Altbundeskanzlers Gerhard Schröder, meint: "Erst muss die Quote eingeführt werden, dann wird sich der Rest von selbst entwickeln."

Dass die "taz" sich für die Initiative zur Verfügung stellt, überrascht nicht. Auch wenn das Thema Quote für das alternativ-ökonomische Flaggschiff ein alter Hut ist. Seit 1999 wird das Blatt mit Hauptsitz in Berlin von Frauen geführt, für zehn Jahre von Bascha Mika, nun von Pohl.

Ein wenig erinnert die Aktion am Freitag auch an den 8. März dieses Jahres in der "Bild"-Redaktion nur wenige Meter entfernt: Dort wurde die Ausgabe am Weltfrauentag von Männern gestaltet, während die Frauen an dem Tag freimachten. Bekanntestes Ergebnis dieser Männerrunde war die Verschiebung des nackten "Bild-Girls" von Seite 1 in den Innenteil.

Was wird nun von der "taz"-Sonderausgabe in Erinnerung bleiben? "Ziel der Quote ist es", meint Pro-Quote-Vorsitzende Annette Bruhns während der Diskussion, "dass sie sich eines Tages selbst überflüssig machen wird".

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