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Problem-Baustelle Elbphilharmonie: Frust hoch sieben in Hamburg

Der Streit um die Fertigstellung des monumentalen Hamburger Konzertgebäudes Elbphilharmonie geht in die nächste Runde. Stadt und Generalunternehmer treffen sich vor Gericht, die Baustelle liegt nahezu brach. Die Eröffnung 2014 verschiebt sich nun erneut  - um sieben Monate.

Alles hat ein Ende, nur die Elbphilharmonie nicht: Die Baustelle im Dezember 2011 Zur Großansicht
DPA

Alles hat ein Ende, nur die Elbphilharmonie nicht: Die Baustelle im Dezember 2011

Hamburg - Die Fertigstellung der umstrittenen Hamburger Elbphilharmonie wird sich weiter verzögern. Der Baukonzern Hochtief habe der städtischen Realisierungsgesellschaft ReGe mitgeteilt, dass das Vorhaben nicht vor November 2014 übergeben werden könne, sagte Elbphilharmonie-Sprecher Karl Olaf Petters am Dienstag. Hochtief-Sprecher Bernd Pütter bestätigte dies. Damit droht dem Konzerthaus in der HafenCity abermals ein späterer Eröffnungstermin. Zuletzt galt April 2014 als geplantes Übergabedatum.

Die Elbphilharmonie ist seit Jahren Streitobjekt in Hamburg. Als das Großprojekt 2005 auf den Weg gebracht wurde, hatte der Hamburger Senat einen öffentlichen Kostenanteil von 77 Millionen Euro festgelegt. 2006 dann machte die ReGe Bauverträge mit Hochtief und vereinbarte einen "Pauschal-Festpreis" von 114 Millionen Euro. Zuletzt nannte die Stadt Hamburg die Zahl von 323,5 Millionen Euro, die der Bau den Steuerzahler koste. Doch auch dieser Betrag ist bereits zwei Jahre alt - hinter vorgehaltener Hand sprechen Hamburgs Politiker bereits von Kosten bis zu einer halben Milliarde Euro.

Die Architekten der Elbphilharmonie, Herzog & de Meuron, wollen seinerzeit vor dem Vertragsabschluss gewarnt haben, da das Bausoll zum damaligen Zeitpunkt noch nicht exakt definiert gewesen war. Mehrere Zeugen vor dem vor zwei Jahren eingesetzten parlamentarischen Untersuchungsausschuss haben darauf verwiesen, dass die Verträge auf Druck der Senatskanzlei unter dem damaligen CDU-Bürgermeister Ole von Beust verfrüht abgeschlossen worden seien.

Statik nicht ausgereift?

Mittlerweile kommunizieren Hochtief, ReGe und die Architekten vornehmlich per Anwalt miteinander. Die städtische Realisierungsgesellschaft will über 9000 Mängel am Bau festgestellt haben, der Baukonzern wiederum hat in 350 Fällen Bedenken gegenüber den Plänen angemeldet. So argumentiert Hochtief etwa, die Statik des Tragwerks für den großen Konzertsaal sei nicht ausgereift - und hat die Arbeiten am Saaldach daher bereits im Oktober eingestellt. Im November berichtete das "Hamburger Abendblatt", dass die Elbphilharmonie-Baustelle nahezu stillstehe.

Nach Angaben von Elbphilharmonie-Sprecher Petters hat die Stadt dem Baukonzern Ende dieses Monats mitgeteilt, dass sie eine Pönale, also eine Strafzahlung, in Höhe von 40 Millionen Euro wegen Verzögerungen beim Bau noch in diesem Jahr in Rechnung stelle. Daraufhin habe Hochtief am 22. Dezember den neuen Übergabetermin im November 2014 gegenüber der Stadt genannt, sagte Petters. Die Kulturbehörde gehe weiter davon aus, dass die Elbphilharmonie früher fertig werden könnte. Den neuen Übergabetermin nehme die Stadt erst einmal zur Kenntnis.

Hochtief-Sprecher Pütter zufolge handelt es sich dabei um einen vorläufigen Terminplan, der derzeit nicht belastbar ist. Das Unternehmen informiere die Stadt regelmäßig detailliert über den Fortschritt auf der Baustelle. Weil es jedoch an der nötigen Beteiligung seitens der Stadt mangele, könne Hochtief bei dem aus 15.000 Einzelpunkten bestehenden Projekt lediglich Annahmen treffen.

Parallel streiten sich die Stadt und Hochtief vor Gericht, nachdem die Stadt von einem vor mehr als fünf Wochen erzielten Vergleich zurückgetreten war. Mit der Klage will Hamburg gerichtlich feststellen lassen, dass das Konsortium keinen Anspruch auf eine Bauzeitverlängerung über Februar 2012 hinaus habe. Am 20. Januar wird das Hamburger Landgericht über das weitere Vorgehen entscheiden.

twi/dapd

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1. Elbbeton
henderson2 27.12.2011
Zitat von sysopDer Streit um die Fertigstellung des monumentalen Hamburger Konzertgebäudes Elbphilharmonie*geht in die nächste Runde. Stadt und Generalunternehmer treffen sich vor Gericht, die Baustelle liegt nahezu brach. Die Eröffnung 2014 verschiebt sich erneut* - um sieben Monate. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,805923,00.html
Manchmal frage ich mich , ob es nicht preiswerter wäre, das Teil wieder abzureißen. Jetzt redet man von 2014 und einer knappen halben Milliarde. Für wen ? Setzt sich da jemand ein Denkmal ?
2. Elbphilharmonie
Inuk 27.12.2011
Zitat von sysopDer Streit um die Fertigstellung des monumentalen Hamburger Konzertgebäudes Elbphilharmonie*geht in die nächste Runde. Stadt und Generalunternehmer treffen sich vor Gericht, die Baustelle liegt nahezu brach. Die Eröffnung 2014 verschiebt sich erneut* - um sieben Monate. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,805923,00.html
Hätten die Hamburger doch lieber die Millionen in die sozialen Brennpunkte investiert. Das wäre eine Investition in die Zukunft gewesen.
3. Kein Zweifel
LJA 27.12.2011
Die neue Elbphilharmonie in Hamburg wird ein Jahrhundertbauwerk. Allerdings nicht unbedingt wegen der Bedeutung, sondern eher wegen der Bauzeit.
4.
TangoGolf 27.12.2011
Zitat von sysopDer Streit um die Fertigstellung des monumentalen Hamburger Konzertgebäudes Elbphilharmonie*geht in die nächste Runde. Stadt und Generalunternehmer treffen sich vor Gericht, die Baustelle liegt nahezu brach. Die Eröffnung 2014 verschiebt sich erneut* - um sieben Monate. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,805923,00.html
Das ironische daran ist noch, wenn das Ding 2023 oder so mal fertig ist, wird es ob der immer weiter verlängerten Bauzeit und der immer neuen Probleme des Baus, letztlich nur als das "absolute Jahrhundertprojekt" hochgejazzt. Kosten? Dann egal...
5. Anfang
moistvonlipwik 27.12.2011
Zitat von sysopDer Streit um die Fertigstellung des monumentalen Hamburger Konzertgebäudes Elbphilharmonie*geht in die nächste Runde. Stadt und Generalunternehmer treffen sich vor Gericht, die Baustelle liegt nahezu brach. Die Eröffnung 2014 verschiebt sich erneut* - um sieben Monate. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,805923,00.html
Wir erinnern uns: ursprünglich sollte der Bau ganz ohne öffentliche Gelder auskommen (nur das Grundstück sollte die Stadt stellen); private Zuwendungen sollten reichen. Laut ward landauf, landab dieser Bürgersinn gepriesen (auch vom Spiegel): die Bürger holen sich die Stadt zurück. Offensichtlich ist es damit vorbei. Jetzt geht dieses Projekt den Weg aller Großprojekte, ob Bahnhof oder Jagdflugzeug: Bauzeitverlängerung und Kostensteigerung, und Bürger und Politik stehen vor der ständigen Alternative, die bisherigen Gelder wegzuwerfen oder frisches Geld nachzuschießen. Ach ja: die urprünglich Verantwortlichen machten schon längst einen schlanken Fuß
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