Promi-Hochzeit Proteste gegen Jauchs Medien-Einschüchterung

Das Vorgehen der Anwälte Günther Jauchs gegen Medien, die über die Hochzeit des TV-Moderators berichten wollen, sorgt für heftige Kritik. Der Zeitschriftenverband VDZ wertet den Vorstoß Jauchs als Versuch, Journalisten schon im Vorwege des Events einzuschüchtern.


Berlin - Zwei Anwälte hatten am Montagabend im Namen Jauchs in einem Schreiben den Hinweis gegeben, dass Jauch keine weitere Berichterstattung über die Hochzeit wünsche. Zudem teilten sie mit, dass ihr presserechtliches Informationsschreiben auch sinngemäß nicht zitiert werden dürfe. Bereits am Wochenende und gestern waren mehrere Zeitungsberichte über die bevorstehende Eheschließung erschienen.

Moderator Jauch: Plötzlich wieder Privatmann?
AP

Moderator Jauch: Plötzlich wieder Privatmann?

Mit dem Versuch, Meldungen über die Eheschließung zu unterbinden, könne sich das Ereignis zum ersten Fall eines Prominenten entwickeln, der an den Maßstäben des so genannten Caroline-Urteils vom Juni 2004 gemessen werde, sagte der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Hendrik Zörner.

Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) übte Kritik. Medienanwalt Johannes Weberling riet Verlagen, sich gegen ein absolutes Verbot der Berichterstattung zu wehren. Weberling sagte, die Häuser sollten sich das Vorgehen der Anwälte nicht bieten lassen und dagegen vorgehen. Eine wahrheitsgetreue Berichterstattung über Ereignisse um Personen des öffentlichen Lebens müssten Prominente grundsätzlich hinnehmen.

Weberling betonte, es liege ein öffentliches Interesse an allgemeinen Meldungen über die Hochzeit von Jauch vor. Zudem habe der TV-Moderator einige Aspekte seines Privatlebens, etwa seinen Umzug nach Potsdam und sein Engagement für die brandenburgische Landeshauptstadt, selbst öffentlichkeitswirksam eingesetzt. Damit habe er einen Teil seiner Privatsphäre sozialisiert. "Bei seiner Hochzeit will er aber offenbar plötzlich wieder absoluter Privatmann sein", kritisierte Weberling.

Der DJV vertritt die Auffassung, dass über die Hochzeit, sofern sie auf einem Standesamt stattfinden sollte, durchaus berichtet werden dürfe, da dies ein öffentlicher Ort sei. Zudem sei eine Berichterstattung auch über die Hochzeitsfeier zulässig, wenn diese an einem öffentlichen Ort stattfände, betonte Zörner. Auch das Zitieren etwa eines Küsters, der Details aus der geplanten Hochzeitsfeier nennt, ist nach Einschätzung des DJV "journalistisch sauber".

Der Zeitschriftenverband VDZ wertete das Schreiben der Jauch-Anwälte als "Einschüchterungsversuch mit dem Ziel, Journalisten und Redaktionen bereits im Vorfeld von einer möglichen Berichterstattung abzuhalten". Jauch sei eine Person des öffentlichen Lebens, über die im Rahmen der vom Bundesverfassungsgericht gesteckten Grenzen wahrheitsgemäß berichtet werden dürfe, erklärte der Verband.

Der Europäische Gerichtshof hatte im Juni 2004 die Persönlichkeitsrechte Prominenter gegenüber der Presse gestärkt und die Berichterstattung über das Privatleben von Prinzessin Caroline von Monaco untersagt. Das sogenannte Caroline-Urteil hatte in der deutschen Medienbranche eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Christina Denz, ddp



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