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ProSieben: Geschäftsführer Dejan Jocic geht

Kaum mehr als ein halbes Jahr war Dejan Jocic als Chef bei ProSieben im Amt. Glück hatte der Jungmanager allerdings wenig: Anders als bei seinen Kollegen der ProSiebenSat.1-Gruppe gingen bei ihm die Quoten zurück. Heute gab man in München die Ablösung Jocics bekannt.

"Wir liefern einen positiven Gemütszustand, ProSieben ist ein Lebensgefühl", hatte Dejan Jocic bei einer Tagung von Mediaplanern noch im September erklärt. Jetzt muss sich der Gemütszustand des ProSieben-Geschäftsführers stark verdunkelt haben. Wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Ausrichtung des Senders" verlässt er das Unternehmen, wie ProSiebenSat.1 heute mitteilte. Ein Nachfolger steht bereits fest: Andreas Bartl, bisher Leiter des ebenfalls zur Gruppe gehörenden Senders Kabel 1, wird den Posten übernehmen.

Jocic war als Geschäftsführer bei ProSieben erst seit Mai vergangenen Jahres im Amt; im Gegensatz zu seinen Kollegen von Sat.1, Kabel 1 und N24 entwickelte sich der Marktanteil des Spielfilmsenders jedoch rückläufig. Mit Reality-Formaten wie "Die Burg" oder "Hire or Fire - Der beste Job der Welt" hatte der 33-Jährige wenig Glück. Sie brachten - wie die gerade lancierte eigenproduzierte Serie "Alles außer Sex" - nicht die erhoffte Quote oder wurden wie "Hire or Fire" sogar nach der ersten Ausstrahlung gekippt.

Der Abgang Jocics fällt in eine für die Sendergruppe schwierige Zeit: Das Fernsehunternehmen steht vor der Übernahme durch den Axel Springer Verlag; zur Zeit prüfen das Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) die Fusion. Am 13. Dezember, so die Planung bisher, will die KEK ihr Urteil bekannt geben.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatte erst Anfang des Monats bei den Senderchefs der Gruppe einen unabhängigen Programmbereit ins Spiel gebracht, der bei Bedenken anlässlich bestimmter Formate ein Vetorecht erhalten und im Ernstfall zu Streichungen befugt sein soll. Das Kontrollkonzept wird als Geste des Entgegenkommens gegenüber der KEK gedeutet, die bislang eine fragwürdige Konzentration von Meinungsmacht bei Springer befürchtet. Dass die Senderchefs der ProSieben-Gruppe wenig erfreut über eine mögliche Einschränkung der Programm-Autonomie gewesen sein dürften, liegt nahe.

ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch kommentierte Jocics Ablösung zuversichtlich: "Ich freue ich, dass mit Andreas Bartl einer der anerkanntesten TV-Manager des deutschen Fernsehmarkts den Sender übernimmt", zitiert ihn die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

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