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Protest gegen Irak-Krieg: Hollywood-Prominenz fordert "Wahren Patriotismus"

Mehr als 100 amerikanische Prominente haben in einem Brief an US-Präsident George W. Bush gegen einen Irak-Krieg protestiert. Unter den Unterzeichnern fand sich neben Hollywood-Größen, Produzenten und Militärs auch ein US-Präsident – allerdings nur ein fiktionaler.

Schauspieler Sheen als Präsident in "West Wing": "Ich weigere mich verzweifelt zu sein"
AP

Schauspieler Sheen als Präsident in "West Wing": "Ich weigere mich verzweifelt zu sein"

Hollywood – Martin Sheen spielt zur Zeit in der in den USA überaus populären Polit-Serie "West Wing" den US-amerikanischen Präsidenten. Was er allerdings beim Überreichen des Protestbriefs an den tatsächlichen Amtsinhaber Bush verkündete, könnte unterschiedlicher kaum sein zu dessen Verlautbarungen in der jüngsten Zeit. "Ich war immer der Überzeugung, dass Krieg nur Verzweiflung widerspiegelt, und ich weigere mich, verzweifelt zu sein", sagte Sheen.

Der 62-jährige Schauspieler ("Apocalypse Now") gehört zu einer Gruppe von 104 Prominenten, die mit ihrem Brief gegen einen eventuellen Krieg im Irak protestieren. Namen wie Kim Basinger, Matt Damon, Helen Hunt, Samuel L. Jackson, Susan Sarandon und Ethan Hawke sind darunter, aber auch Persönlichkeiten aus Diplomatie und Militär, die ebenso hart mit der derzeitigen amerikanischen Politik ins Gericht gehen. "Kriegsvorbereitungen bekommen leicht eine eigene Dynamik", warnte der pensionierte Konteradmiral Eugene Carroll. "Wir haben die UN dazu bekommen, exakt das zu tun, was wir wollten – also lasst uns in Gottes Namen diesen Weg in den Krieg stoppen."

Die Prominenten erklären sich entschieden für die Waffenkontrolle im Irak. "Wir sind patriotische Amerikaner, die gemeinsam der Überzeugung sind, dass Saddam Hussein keine Massenvernichtungswaffen besitzen darf. Wir unterstützen die Vereinten Nationen", heißt es in dem Brief an den US-Präsidenten. "Wahren Patriotismus", nannte Sheen das. Dabei wird deutlich: Hier soll niemand auf den Gedanken kommen, amerikanische Bürger würden sich gegen die Interessen ihres eigenen Landes richten.

"Habe ich das richtig verstanden - Sie haben zuerst zurückgeschlagen?": Präsident Bush
AP

"Habe ich das richtig verstanden - Sie haben zuerst zurückgeschlagen?": Präsident Bush

Die bestünden nämlich gerade nicht in einem Krieg. "Eine Invasion im Irak wird nur das menschliche Leid vergrößern, die Feindseligkeiten gegenüber unserer Nation vergrößern und damit terroristische Angriffe wahrscheinlicher machen, außerdem unser moralisches Ansehen in der Welt schwächen", erklärte Mike Farrell, Schauspieler in der Militär-Serie "Mash" und einer der Initiatoren der Gruppe. "Wir manövrieren uns hier in eine völlig unnötige Situation hinein. Das ist wie in einem Cartoon, wo der Mann auf dem Boden liegt und der Polizist ihn fragt: ‚Habe ich das richtig verstanden, Sie haben zuerst zurückgeschlagen?’"

Anlässlich des "Internationalen Tags der Menschenrechte" am Dienstag wurde die Protestaktion der Hollywood-Prominenz begleitet von zahlreichen kleineren Demonstrationen im ganzen Land. Die Organisation "Vereint für den Frieden" sprach von über 120 Kundgebungen. Dabei wurden bei einem Protestmarsch vor der US-Botschaft an der UN-Zentrale in New York etwa hundert Menschen, darunter Vertreter der Kirche, wegen ungehörigen Benehmens verhaftet.

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