Neapel/Berlin - Die spektakulären Bilderverbrennungen eines privaten Museums bei Neapel aus Protest gegen finanzielle Not haben Nachahmer gefunden - unter anderem in Deutschland. Vor dem Berliner "Kunsthaus Tacheles" beteiligten sich am Donnerstagabend etwa ein Dutzend Künstler an der Zerstörung von Bildern.
Das Tacheles steht seit Jahren vor der Räumung, seine verbliebenen Bewohner versuchen immer wieder, mit mehr oder weniger gelungenen, mehr oder weniger spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Mit mäßigem Erfolg: Zwar wird die Ruine in Berlin-Mitte nach wie vor von zahlreichen Touristen besucht, allerdings spielen die dort residierenden Künstler abgesehen vom an die wilde Wendezeit erinnernden Flair des Hauses keine große Rolle in der Berliner Kunstszene. Der Senat ist nicht an einer Förderung interessiert - und die Bereitschaft, Geld in den selbstverwalteten Touristenmagneten zu stecken, wird mit der jüngsten Aktion nicht gerade gestiegen sein. Man darf ja zumindest bezweifeln, ob es eine besonders gute Idee ist, ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt Kunstwerke zu verbrennen.
Im nordostitalienischen Triest hatten am selben Tag italienische und kroatische Künstler eigene Werke aus Solidarität verbrannt, teilte das Museum für zeitgenössische Kunst (CAM) im kampanischen Casoria am Freitag mit. Dort hatte Museumsleiter Antonio Manfredi am 17. April damit begonnen, aus Protest Bilder aus den Beständen zu verbrennen.
Unterstützung für die Aktionen des süditalienischen Museums habe es auch aus Großbritannien und Griechenland gegeben, berichtete die Pressesprecherin des CAM-Museums, Graziella Melania Geraci. Seit dem Start der Aktion wurden ihren Angaben zufolge fünf Bilder verbrannt, am Freitagabend sollten zwei weitere Werke folgen. "Gemeinsam mit diesen Werken geht die Kultur unseres Landes in Flammen auf", meint das Museum zu seinem "Kunstkrieg", der in Italien bisher nur begrenzt Aufmerksamkeit erhalten hat. Museumsleiter Manfredi sieht sich als Vorreiter in der Krise, auch andere Museen stecken in Finanznöten.
Wöchentlich sollen mehrere Werke verbrannt werden. Das Museum der 80.000-Einwohner-Stadt hat dafür ein Dutzend Bilder internationaler Künstler ausgesucht, darunter eines der Deutschen Astrid Stöfhas. Alle Künstler seien während der Aktion anwesend oder via Internet dabei. Man mache weiter, bis Hilfe komme, hatte Manfredi erklärt. Denn ohne Investitionen sei es besser, diese Werke zu zerstören.
Das vor sieben Jahren gegründete, nicht subventionierte Museum ist nach den Angaben auf einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern in einer ehemaligen Schule entstanden. Rund 1000 Kunstwerke seien dort zu sehen. Sie stammten von Künstlern aus mehr als 60 Nationen.
kuz/dpa
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