Fazil Say vor Gericht Prozess gegen Starpianisten vertagt

Der Prozess gegen den türkischen Pianisten Fazil Say ist vertagt worden. Beim Gerichtstermin am Donnerstag wurde lediglich die Anklage verlesen. Fazil Say wies den Vorwurf zurück, er habe den Islam beleidigt. Die Verhandlung wird im Frühjahr 2013 wieder aufgenommen.

Türkischer Pianist Fazil Say: Verhandlung vertagt
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Türkischer Pianist Fazil Say: Verhandlung vertagt


Hamburg/Istanbul - Der Prozess gegen den türkischen Pianisten Fazil Say wurde nach einer einstündigen Verhandlung vertagt. Nachdem das Gericht am Donnerstagmorgen die Anklage verlesen hatte, wies der Angeklagte die Anschuldigungen zurück. Nach Aussagen beteiligter Anwälte wird das Verfahren erst am 18. Februar 2013 fortgesetzt.

Dem 42 Jahre alten Künstler wird zur Last gelegt, sich über den Nachrichtendienst Twitter spöttisch über den Islam geäußert zu haben: "Der Muezzin hat das Abendgebet in 22 Sekunden ausgerufen [...] Was hast es du so eilig? Eine Geliebte? Ein Raki auf dem Tisch?"

Türkische Intellektuelle hatten sich im Vorfeld kritisch über die Anklage gegen den Pianisten geäußert. Sie werten den Prozess als ein weiteres Indiz für die fortschreitende Islamisierung der Türkei durch den Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen Partei AKP. Kritische Künstler wie Fazil Say, so die Befürchtung, würden durch die Gefahr einer juristischen Verfolgung in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt.

ajz/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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axt119 18.10.2012
1. Demokratie ist kein Zug...!
Es gab mal Gerüchte die Türkei würde Mitglied der EU werden wollen. Also auf die Art und Weise bestimmt nicht! Es existiert kein Gott und deshalb ist es durchaus legitim einen Muezzin auf den Arm nehmen zu dürfen. Oder wird man in der Türkei auch verklagt, wenn man den Weihnachtsmann beleidigt?
spon-1314775687073 18.10.2012
2.
Wenn es den Türken gelingt, die Gebeine des Nikolaus von Myra aus Bari "zurück" zu bekommen, und diese Reliquien in einem Museum der lykischen Kulturen ausgestellt werden, könnte das schon passieren. Nun ist allerdings Fazıl Say kein Weihnachtsmann, sondern ein streitbarer Aufklärer, und die türkische Regierung hätte ihn wohl lieber los als im Gefängsnis. Doch der trotzige Fazıl Say lässt sich nicht einfach vertreiben und wird es erreichen, dass man ihn freispechen muss. Ich bin da zuversichtlich.
schwabensporty1 31.10.2012
3. Ein EU-Beitritt nur aus wirtschaftlichen Überlegungen ist nicht möglich. Solange die
Zitat von sysopDPADas Urteil im Verfahren gegen Fazil Say wurde aufgeschoben. Die Gerichtstagung am Donnerstag hat ergeben, dass die Verhandlung erst im Frühjahr 2013 wieder aufgenommen wird. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/prozess-gegen-fazil-say-auf-februar-2013-vertagt-a-862022.html
Ein EU-Beitritt nur aus wirtschaftlichen Überlegungen ist nicht möglich. Solange die Türkei auf den Weg in eine islamistischen Gottesstaats ist und jegliche säkulare Entwicklung ausschließt, kann nur eine Partnerschaft auf Augenhöhe erreicht werden.
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