Pulitzer-Preisträger David Halberstam tödlich verunglückt

Was in Vietnam wirklich geschah? David Halberstam berichtete in den sechziger Jahren aus dem kriegsversehrten Land und öffnete den Amerikanern die Augen. Die Welt verliert einen herausragenden politischen Journalisten.


San Francisco - Der 73-jährige Pulitzer-Preistäger saß als Beifahrer in dem Wagen eines Journalistik-Studenten der Berkeley-Universität. Halberstam war in Berkeley als Gastredner aufgetreten und war anschließend auf dem Weg zu einem Interviewtermin mit dem American-Football-Star Y. A. Tittle. Der Autor recherchierte für ein neues Buch über die NFL Meisterschaften von 1958.

Pulitzer-Preisträger David Halberstam: Die Wahrheit über Vietnam
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Pulitzer-Preisträger David Halberstam: Die Wahrheit über Vietnam

In Menlo Park, südlich von San Francisco wurde der Wagen mit Halberstam auf dem Beifahrersitz von einem anderem Auto abgedrängt und stieß dann mit einem anderen Fahrzeug zusammen. Halberstam verstarb noch an der Unfallstelle an schweren inneren Blutungen, wie die Polizei mitteilte. Die anderen Insassen der beiden Unfallwagen wurden leicht verletzt.

Halberstam hatte ab 1962 für die "New York Times" als Kriegsberichterstatter aus Vietnam berichtet. 1964 gewann er im Alter von 30 Jahren den Pulitzer-Preis für seine Berichte aus dem kriegsgebeutelten Land.

In seinem Bestseller "The Best and the Brightest" ("Die Besten und die Begabtesten") von 1972 rechnete Halberstam mit der Kriegspolitik Amerikas ab und analysierte die Unfähigkeit der damaligen Regierung, dem Drama ein Ende zu setzen. Vom aktuellen Nachrichtenjournalismus verabschiedete sich Halberstam 1967. Seitdem schrieb er über den Vietnamkrieg, Bürgerrechte, die Auto-Industrie und Baseball. Insgesamt veröffentlichte er 21 Bücher. Sein Bestseller "War in a Time of Peace" gewann 2002 den zweiten Platz in der Kategorie Sachbücher des Pulitzer-Preises. Im Herbst sollte sein jüngstes Werk "The Coldest Winner" erscheinen, in dem er sich mit dem Korea-Krieg auseinandersetzte.

"Das besondere an David Halberstam war, dass er nie aufgab und daran glaubte, dass die Menschen eine Recht darauf haben, alles zu wissen", sagte George Esper, der zehn Jahren lang Büroleiter in Saigon für die Nachrichtenagentur AP war und dort auch Halberstam kennenlernte. "Am Ende können wir alle sehr stolz darauf sein, dass er Recht hatte. David war ehrlicher zu den Amerikanern als ihre eigene Regierung."

Auch der Vietnamveteran und Senator John Kerry kannte Halberstam: "Er war ein brillanter Journalist, der hohe Standards während des Vietnamkriegs für eine mutige und genaue Berichterstattung setzte", sagte Kerry, der George Bush als Präsidentschaftskandidat herausgefordert hatte. "Ich habe immer etwas dazugelernt, wenn wir miteinander gesprochen haben. Es macht mich sehr traurig, dass wir ihn verloren haben."

Halberstam wurde am 10. April 1934 in New York als Sohn eines Chirurgen und einer Lehrerin geboren. Sein Vater war beim Militär, die Familie zog während Halberstams Kindheit des öfteren um. Halberstam ging später nach Harvard, wo er mit dem Schreiben begann und 1955 seinen Abschluss machte. Er startete seine Karriere bei einer kleinen Zeitung in West Point im Staat Mississippi. Dann wechselte er nach Nashville zum "Tennesean", bis er seine für politische Journalisten stilprägende Arbeit bei der "New York Times" begann.

"Für jemanden, der so ehrgeizig war wie er, war seine Großzügigkeit gegenüber jungen Schreibern unglaublich", sagte seine Ehefrau Jean. Das werde eine der herausragenden Erinnerungen an ihren Mann bleiben.

mzs/AFP/AP



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