"Quartett" in der Krise Karasek knallhart

Reich-Ranicki ist in Rage, Löffler leidet, das ZDF versucht, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Nun schlägt sich Hellmuth Karasek, der dritte feste Kritiker des "Literarischen Quartetts", auf die Seite des streitbaren "Literaturpapstes".


Lautstark: Kritiker Karasek
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Lautstark: Kritiker Karasek

Halle - Hellmuth Karasek holt beim Zoff im "Literarischen Quartett" zum Schlag aus. Er unterstützt seinen Kollegen Marcel Reich-Ranicki (80), der Sigrid Löffler (57) vorgeworfen hatte, sie habe immer Probleme mit erotischen Büchern. "Das stimmt. Immer wenn es um erotische Bücher ging, hat Frau Löffler leicht gouvernantenhaft reagiert, bei Autorinnen sogar stutenbissig", so Karasek gegenüber der Zeitschrift "Stern". Der 65-Jährige gab zu, dass Löfflers Art der Wahrnehmung ihm auf die Nerven ginge. Und weiter: "Sie verachtet eben alles, was nicht schwer ist und Spaß macht. Für sie muss Kunst Nachsitzübung sein."

Dem "Literarischen Quartett" drohte das Aus, nachdem in der letzten Ausgabe am 30. Juni ein offener Streit zwischen Reich- Ranicki und Löffler ausgebrochen war. Der Konflikt hatte sich an der unterschiedlichen Bewertung des erotischen Romans "Gefährliche Geliebte" von Haruki Murakami entzündet.

Karasek, der dritte feste Kritiker des "Quartetts", geht trotz des Eklats davon aus, dass das "Literarische Quartett" fortgeführt wird. "Ich glaube, es wird weitergehen", sagte er dem Sender "MDR Kultur". Sigrid Löffler müsse ein Interesse daran haben, dass die ZDF-Sendung fortbestehe. Sie plane im Herbst die Herausgabe einer neuen Literaturzeitschrift. "Da sieht es nicht gut aus, wenn man vorher mit Ach und Krach aus einer Literatursendung ausgestiegen ist".

Sigrid Löffler zu ersetzen, etwa durch Elke Heidenreich, hält Karasek für ausgeschlossen. "Da wären Reich und ich die Schergen und Frau Löffler die Märtyrerin. Das Schlimmste, was passieren könnte: eine Jeanne d'Arc der Literaturkritik zu schaffen", wettert er im Stern. "Die ist - selbst bei Tränen - mindestens so beinhart wie wir auch." Die Zeit schutzbedürftiger schwacher Frauen sei glücklicherweise längst vorbei.

Karasek sieht die Ursache des Streits bei den Moderatoren-Kollegen. Sowohl Reich-Ranicki als auch Löffler seien bei der letzten Sendung aus der Rolle gefallen. Anfangs habe es nur so ausgesehen, als sei Löffler als Frau beleidigt worden. Doch habe die österreichische Literaturkritikerin "mit Wiener Vitriol auch ein bisschen dafür gesorgt, dass das so wird", so Karasek zum MDR. Sie habe Reich-Ranicki die Unfähigkeit vorgeworfen, Bücher auszusuchen.

Auf die Zukunft des "Literarischen Quartetts" angesprochen, erklärte Karasek gelassen: "Ich lasse mir den Schlaf nicht dadurch rauben, dass ich noch nicht weiß, ob ich am 18. August Quartett mache oder Ferien". Dem "Stern" sagte er: "Ich denke, die Sendung findet statt, weil bei Frau Löffler die Einsicht wachsen wird, dass nicht nur Reich ihr in die Weichteile gegangen ist, sondern sie auch ihm."



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