Wahl in die Chefredaktion "taz" lässt Online-Chefin durchfallen

Niederlage für die "taz"-Spitze: Die Redaktion will die Online-Chefin Frauke Böger nicht als stellvertretende Chefredakteurin. Manche vermuten, dass Angst vor dem Internet die Ursache der gescheiterten Berufung ist.

Personalpolitik bei der "taz": "Nicht nur dick & gemütlich, auch dumm & bräsig"
DPA

Personalpolitik bei der "taz": "Nicht nur dick & gemütlich, auch dumm & bräsig"


Berlin/Hamburg - Ärger bei der "taz": Die Redaktionsversammlung hat jetzt mehrheitlich gegen die geplante Berufung von Frauke Böger auf den Posten der stellvertretenden Chefredakteurin gestimmt, obwohl der Vorstand das Vorhaben unterstützt und der Redaktionsrat keine Einwände hatte. Wie das Medienportal "Newsroom.de" berichtet, votierten nur 40 Wahlberechtigte für die Aufnahme der Online-Chefin in die Chefredaktion. 49 stimmten dagegen, sieben enthielten sich.

Stimmberechtigt in der Redaktionsversammlung sind alle festangestellten Redakteure und Korrespondenten sowie die Chefredaktion. Letztere fungiert seit kurzem als Doppelspitze mit Ines Pohl und Andreas Rüttenauer. Die Personalie Böger kam auf Vorschlag des Chef-Duos auf den Tisch der Redaktion, weshalb manche Beobachter den Vorgang als Abfuhr insbesondere für Pohl werten. Von der seit 2009 amtierenden Chefredakteurin sollen manche Redaktionsmitglieder enttäuscht sein, weil unter ihre Ägide nie klar geworden sei, welche Strategie sie künftig mit dem linksalternativen Blatt verfolgen wolle.

Ob wie bei der "Süddeutschen Zeitung" der Kulturkampf zwischen altgedienten Print-Journalisten und stärker auf eine Online-Ausrichtung zielenden Kollegen schuld ist an der gescheiterten Installierung Bögers, ist nicht klar. "taz"-Autor Deniz Yücel schrieb er auf Twitter: "taz-Redaktion stimmt gegen Frauke Böger als stell. Chefredakteurin. Nicht nur dick & gemütlich, auch dumm & bräsig. Und Angst vorm Internet."

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE herrscht in der Redaktion allerdings kein Zweifel über die Wichtigkeit des "taz"-Online-Angebots, wohl aber eine gewisse Ratlosigkeit angesichts der sich schwierig gestaltenden Besetzung der Chefredaktion. Zuletzt war die Atmosphäre von einem scheidenden Mitarbeiter als "vergiftet" beschrieben worden. Nach der gescheiterten Berufung Bögers muss der Vorstand nun einen neuen Kandidaten oder eine neue Kandidatin suchen.

tha



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