Quoten-Schlappe ProSiebens "Sommermädchen" gehen baden

Kein Publikum am Pool: Das schlüpfrige ProSieben-Format "Sommermädchen 2009" kommt trotz des intensiven Einsatzes von Bikinis nicht aus dem Quotenloch.


Hamburg - "Sex sells" ist die vielleicht prominenteste aller ewigen Wahrheiten unter Journalisten und Werbern: Je mehr Haut desto höher die Quote, so in etwa lautet das übertragen auf das Medium Fernsehen. Und eben dieses Gesetz der Aufmerksamkeitsökonomie beherzigte ProSieben, als der Sender eine neue Dimension des Demütigungsfernsehens betrat namens: "Sommermädchen 2009".

In der Show machen sich, man muss das so simpel sagen, ein paar Mädchen nackig und werden als Belohnung dafür von irgendwelchen No-Names erniedrigt. Schöne Sache das, dachten sich wohl die Programmmacher: 16 Mädels, eines aus jedem Bundesland, das eine zum Beispiel bisexuell, ein anderes ein vom Schönheitschirurgen aufgerüstetes Luxusluder - und fertig ist ein quotenträchtiger Bikini-Zicken-Zoten-Sommercocktail.

Doch offenbar hat da das Unterleibsgefühl getrogen, denn nach der dritten Sendung zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Einschaltquoten der neuen Casting-Show sind sogar noch niedriger als ihr Niveau.

Den ersten Teil der Fleischbeschau wollten vorvergangene Woche nur schlappe 930.000 Zuschauer ab drei Jahren sehen, ein niederschmetterndes Ergebnis. Der Marktanteil lag bei 4,4 Prozent.

Selbst das junge Publikum, für einen von Werbeeinahmen abhängigen Privatsender ja besonders wichtig, hatte wenig Lust auf die Bikini-Kämpferinnen: 8,7 Prozent betrug der Marktanteil innerhalb der jungen Zielgruppe.

Dann floppte vergangenen Samstag auch die zweite Folge des schlüpfrigen Missvergnügens: nur 9,5 Prozent Marktanteil bei den Jungen.

Und an diesem Samstagabend hieß es dann: Aller schlechten Dinge sind drei, zumindest aus Sicht der ProSieben-Macher. Der Marktanteil lag nur bei 5,1 Prozent beim Gesamtpublikum und ging auf 9,4 Prozent in der jüngeren Zielgruppe zurück.

Vielleicht sollten die Senderverantwortlichen einfach mal eine andere ewige Wahrheit bedenken: Guter Sex ist immer auch eine Kopfsache.

Und wer's so plump versucht, kriegt seine Quoten halt nie hoch.

tdo



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.