Raabs WM-Show: Wenn Calli in den Wok gewuchtet wird

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Flop im Wok: Stefan Raab holte gestern beim von ihm erdachten Blödelrodeln keine Medaille. Dafür wuchteten sich neben Ex-Fußball-Manager Reiner Calmund allerlei B-Promis in die zweckentfremdete asiatische Bratpfanne - und kachelten als wandelnde Werbeträger talwärts.

Nach drei Stunden "Wok-WM" setzt die Paranoia ein. Waren da nicht eben auf den Zähnen von Stefan Raab Firmenlogos zu sehen, als er so auffällig breit und lange grinste? Woanders war ja für die Werbebotschaften kein Platz mehr: Helme, Schutzkleidung, Banden, Eiskanal und alle anderen Dinge, die auch nur in den Randbereich einer Kamera kamen, wurden schon zugepflastert, die Teams und Kurven kamen auch nicht ohne Sponsor aus. Da entlockt es dem Zuschauer doch ein leichtes Lächeln, wenn Moderator Oliver Welke eine Werbepause ankündigt. Schön wäre es gewesen.

Immerhin hatten die Landesmedienanstalten nach der Ausgabe 2007 eine Überprüfung angekündigt, als ein Schleichwerbungsverdacht aufgekommen war. Das ist natürlich völliger Quatsch. Erstens wird in der Sendung offen geworben, zudem handelt es sich um eine Sportveranstaltung. Damit beim zweiten Punkt auch keine Zweifel aufkommen, ließ der Wok-WM-Erfinder Stefan Raab wieder Sportler sowie eine Reihe von B- und C-Promis in das Kochgerät steigen und die Bobbahn in Altenberg herunterschlittern. Georg Hackl gewann zum vierten Mal den Titel im Einerwok, im Vierer setzten sich Christoph Langen, Susi Erdmann, Silke Kraushaar und der aktuelle Rodel-Weltmeister Felix Loch durch.

Wer in den vergangenen zehn Jahren nicht mindestens an vier Abenden pro Woche auch die Kanäle auf den hinteren Programmplätzen durchgezappt hatte, kam bei der Zuordnung der Teilnehmer leicht ins Schleudern. Alida Lauenstein? Rodel-Olympiasiegerin oder doch ehemalige Gewinnerin aus der Big-Brother-Steinzeit? Hieß die Ex von Dieter Bohlen nun Christina Surer oder Estefania Küster? Und wenn eine Ex von Dieter, warum nicht Verona? Für sie hätten sich sicherlich noch Werbepartner gefunden.

Aber das ist schon ein wenig unfair Raab gegenüber. Immerhin hat er mit der Einführung der Wok-WM im Jahr 2003 zwei Dinge geschafft: Es interessieren sich endlich die jungen Zuschauer für Leute, die sich einen Eiskanal herunterstürzen. Leider beschränkt sich das auf den Woksport - Rodeln und Bobfahren rangieren in der Liste der beliebtesten TV-Wintersportarten immer noch irgendwo zwischen Curling und Hundeschlittenrennen.

Vitale Doppel-Whopper im Einsatz

Noch etwas muss man Raab zugute halten: Die umfangreiche Schutzkleidung inklusive Helm und die Konzentration auf die sportliche Herausforderung verhindern, dass einige der Teilnehmer in der Show das machen, was sie sonst machen. Man stelle sich vor, Joey Kelly würde singen statt im Wok zu sitzen, Ralf Zacherl stünde mit Kochlöffel am Herd und Tom Gerhardt gäbe den Hausmeister Krause. Viereinhalb Stunden lang. Nicht auszudenken. Wobei sich die Frage stellt: Was würde Estefania Küster die ganze Zeit tun?

Vielleicht dasselbe wie Sonya Kraus. Die interviewte die Wokfahrer direkt nach ihrer Ankunft im Ziel, nannte jeden "süß" und forderte die Leute auf, sie sollten mal "hergekuschelt" kommen. Man kennt dieses Familiensyndrom von anderen Sportarten, wahrscheinlich ist das auch nur die Sprache der werberelevanten Zielgruppe. Wobei wir wieder bei den Paranoia wären: Warum nennt Kraus Elton den "Doppel-Whopper" und bescheinigt einem Team, es sehe doch so "vital" aus? Zufall, Absicht oder doch nur ein Hörfehler, nachdem die Streckenkommentatoren jede gesponserte Kurve bei wirklich jedem Lauf mit Namen ansagten?

Wie gut, dass noch Matthias Opdenhövel mit von der Partie war, der sich von seiner Formkrise bei der letzten "Schlag den Raab"-Austragung erholt hatte und einen gut gelaunten Startmoderator mit süffisanten Kommentaren abgab. Den größten Spaß hatte er bei Reiner Calmund, der nach einer verlorenen Wette im vergangenen Jahr diesmal selbst in den Wok stieg, allerdings außer Konkurrenz fuhr, weil er das Einerwok-Gewichtslimit von 130 Kilo überschritt.

Was bei der Ankündigung noch lustig klang, entpuppte sich jedoch als Peinlichkeit erster Güte. Es brauchte mehrere Versuche, ehe einige Helfer "Calli" in den Wok wuchten konnten, nach Hälfte der Strecke blieb er stecken. Der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen lässt nach dem Ausscheiden aus dem Fußball kein Fettnäpfchen aus.

Das dürfte den Plänen für die nächste Wok-WM im Jahr 2009 keinen Abbruch tun. Übrigens blieb Initiator Raab erstmals ohne Medaille. Der selbsternannte Präsident der World Wok Union kündigte daraufhin für die nächste Austragung einige Regeländerungen zu seinen Gunsten an und drohte damit, Seriensieger Georg Hackl auszuladen.

Das war natürlich nicht ernst gemeint. Er grinste dabei, lang und breit. Ohne Logos auf den Zähnen.

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