Rätsel um Blog Konstantin Neven DuMont will Verlagsvorstand verlassen

Er gilt als Nachfolger in Deutschlands drittgrößtem Zeitungsverlag - doch nun hat Konstantin Neven DuMont nach SPIEGEL-Informationen seinen Rückzug angeboten. Firmenpatriarch Alfred Neven DuMont spricht von Gerüchten. Zuletzt geriet der Junior in eine Affäre um anonyme Blog-Kommentare.

Konstantin Neven DuMont: Im Vorstand den Rücktritt angeboten
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Konstantin Neven DuMont: Im Vorstand den Rücktritt angeboten


Hamburg - Der Verlagserbe und Herausgeber der "Frankfurter Rundschau" Konstantin Neven DuMont will sich beim Verlag M. DuMont Schauberg aus dem Vorstand zurückziehen. Er denke schon seit einiger Zeit darüber nach, aus dem Gremium auszuscheiden, sagte er dem SPIEGEL. Er sei letztlich "doch mehr auf der kreativen Seite" zu Hause, nicht so sehr "Verwalter". Die Idee, dass er in den Aufsichtsrat wechselt, finde er mittlerweile reizvoll. Am liebsten wäre ihm, er könne seine Energie in kleinere Eigenproduktionen etwa über Öko-Themen stecken.

Bei einer Vorstandssitzung in der vergangenen Woche habe Konstantin Neven DuMont das Thema bereits zur Sprache gebracht, heißt es in Unternehmenskreisen. Er habe den Wunsch geäußert, das operative Geschäft zu verlassen. Noch in der kommenden Woche werde sich deshalb die Familie rund um Patriarch Alfred Neven DuMont treffen, um gemeinsam zu beratschlagen.

Alt-Verleger Alfred Neven DuMont, Vorsitzender des Aufsichtsrats, wollte sich nicht äußern. Es handle sich um "Gerüchte", die ihm selbst nicht bekannt seien.

Konstantin Neven DuMont ist einer von vier Vorständen des Medienkonzerns M. DuMont Schauberg, zu dem unter anderem "Kölner Stadtanzeiger", "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" gehören. Er ist dort für Strategie und Kommunikation zuständig. Angeführt wird das Unternehmen vom 83-jährigen Familienpatriarchen Alfred Neven DuMont.

Am Montag war ein Streit um anonyme Einträge im Weblog des Medienjournalisten Stefan Niggemeier eskaliert. Bislang unbestritten ist, dass vom Internetanschluss Konstantin Neven DuMonts Hunderte Kommentare mit zum Teil wüsten Beschimpfungen und Brancheninterna gepostet wurden. Niggemeier hatte den Verdacht öffentlich gemacht, hinter den Kommentaren könnte womöglich der Verlegersohn selber stecken.

Genau das bestreitet Konstantin Neven DuMont vehement: Zwei Bekannte hätten sich einen Spaß gemacht, seine Computer genutzt und wohl auch Zugriff auf seine E-Mails gehabt - es steht Aussage gegen Aussage. Mehrere Tageszeitungen berichteten über den Fall. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, im Unternehmen sei man "hellauf entsetzt". Öffentlich ließ der Konzern hingegen mitteilen, der Vorwurf sei haltlos. Man sehe keinen Anlass, sich an Spekulationen zu beteiligen.

Der 1969 geborene Konstantin Neven DuMont gilt eigentlich als ausgemachter Kronprinz des Konzerns. Im Alter von 25 Jahren fing er im Unternehmen des Vaters an, damals hatte er gerade sein Journalistikstudium in den USA abgeschlossen. Öffentlich trat er für eine stärkere Verzahnung von Print und Online ein. Er ist aber auch für umstrittene Konzepte wie den gemeinsamen Reporterpool von "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" verantwortlich.

M. DuMont Schauberg ist, gemessen an der Auflage, nach dem Axel-Springer-Verlag ("Bild", "Welt") und der Südwestdeutschen Medienholding ("Süddeutsche Zeitung", "Stuttgarter Zeitung") der drittgrößte Zeitungsverlag in Deutschland. In den vergangenen Jahren hatte Konstantin zunehmend mehr Verantwortung übertragen bekommen, zuletzt wurde er 2009 Herausgeber der "Frankfurter Rundschau". Sein Rückzug würde die Neven DuMonts vor ein Problem stellen: Jemand anderes müsste die Familie im Unternehmen repräsentieren.

Das wiederum wäre ganz im Sinne einzelner wichtiger Entscheider innerhalb des Unternehmens. Auch wenn es öffentlich niemand äußern mag: Es gibt die Sorge, dass Konstantin seiner Rolle als künftiger Konzernchef nicht gewachsen sei. Bestärkt sehen sie sich in ihrer Annahme durch den Kommentar-Streit.

ore

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insgesamt 17 Beiträge
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overcomer 23.10.2010
1. 1001 Schnösel und ihre Luxus-Problemchen
Zitat von sysopEr gilt als Nachfolger in Deutschlands drittgrößtem Zeitungsverlag - doch nun hat Konstantin Neven DuMont nach SPIEGEL-Informationen seinen Rückzug angeboten. Firmenpatriarch Alfred Neven DuMont dementiert. Auslöser ist wohl auch eine mediale Schlammschlacht um anonyme Blog-Kommentare. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,724419,00.html
Wie gut, dass all diese VIPs ohne Bodenkontakt sonst keine Probleme haben. Wo kämen wir sonst nur hin?
urach 23.10.2010
2. Ja!
Der Junge ist wirklich "sonderbar", wie Niggemeier schrieb. Er täte sich selbst und allen anderen einen Gefallen, wenn er geht.
olicrom 23.10.2010
3. Diese gemiale Verlegerfamilie...
.... tut sich ja seit Menschengedenken schwer mit dem neumodischen Zeug Internet. Zunächst hielt man es für eine ostdeutsche Einzelhandelskette und hat es ignoriert. Dann - während andere und wachere Zeitgenossen wie etwa das Fernsehen direkt zwei Häuser weiter - längst dessen Möglichkieten erkannten, hat man es verschlafen. Als man mit mehrjähriger Verspätung bemerkte, dass das Internet wider erwarten und sogar in Köln weltweite Relevanz bekommen hatte, begannen die Neven-Dumonts und ihre gelben Freunde Zeter und Mordio gegen die Benachteiligung durch den Rundfunk zu schreien und in bester liberaler Tradition bestehende Wissensschätze vernichten zu lassen, auf dass derMarkt wieder frei sei. Diesen freien Markt sucht nun offensichtlich der geniale Verleger-Nachwuchs zu privaten Kriegsstrategien in seinem ganz eigenen Sinne zu nutzen, wo auch immer der zu verorten ist. Und holt sich prompt eine blutige Nase. Bewiesen ist natürlich gar nichts, auch wenn Junior jetzt zurücktreten will (wovon eigentlich?). Tja. Wieder ein Stück der deutsche Elite weggebrochen. Wo soll das alles nur enden?
hatem1 23.10.2010
4.
Der junge Mann (damit meine ich nicht das Alter, sondern sein Auftreten) hat so viel Unterhaltungspotential, es wäre schade um die Abwechselung und das Amüsement, die er bereitet.
stanis laus 23.10.2010
5. Dallas -Clan
Es stinkt nach Intrige.
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