Audible-Podcast "Im Untergrund " Auf den Spuren der RAF

Eine Journalistin begibt sich mit ihrem Vater, einem Ex-Polizisten, auf die Suche nach drei untergetauchten mutmaßlichen RAF-Mitgliedern. Hören Sie hier die erste Folge des Podcasts "Im Untergrund".

Bilder aus früheren Jahren: Ex-RAF-Terroristen Garweg, Staub und Klette (v. l. n. r.)
DPA/ BKA

Bilder aus früheren Jahren: Ex-RAF-Terroristen Garweg, Staub und Klette (v. l. n. r.)

Ein Gastbeitrag von Patrizia Schlosser


Zur Person
  • Jens Oellermann
    Patrizia Schlosser ist Journalistin. Für eine Webserie über einen syrischen Flüchtling erhielt sie den Civis Medien Preis. Als Teil eines Rechercheteams des NDR und der "Zeit" wurde sie mit dem Helmut-Schmidt-Preis ausgezeichnet und war bereits für dpa, SPIEGEL ONLINE, Deutschlandfunk und den BR tätig.

Bevor ich auf Terroristen umschwenkte, hatte ich es bei meinem Vater mit einem Hund versucht. Ich schenkte ihm letztes Jahr einen Labradormischling zu Weihnachten, damit er, der bayerische Grantler und Polizist im Ruhestand, endlich was zu tun hatte. Nun... meine Mutter geht jetzt mit dem Tier in die Hundeschule.

Von der Couch habe ich meinen Vater erst herunterbekommen, als ich beschloss, drei mutmaßliche Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) zu finden.

Mein Vater und ich haben uns für den Podcast "Im Untergrund" auf die Suche gemacht nach Daniela Klette, Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub. Sie sollen sich Ende der achtziger Jahre der RAF angeschlossen haben und sind seitdem wie vom Erdboden verschluckt. Bis sie sich vor zwei Jahren durch Raubüberfälle mit Schnellfeuergewehren und einer Panzerfaust wieder ins Bewusstsein der Deutschen zurückgeschossen haben.

Wohin diese Suche meinen Vater und mich führen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Nicht nur an welche Orte sie uns bringt - unter anderem in ein schäbiges Hotelzimmer in Jordanien - sondern auch, was sie mit uns privat anstellt.

Anders gesagt: Ich habe schon ein paar Reportagen in schwierigen Gegenden wie Israel, Palästina und Iran recherchiert, aber nichts davon hat mich auf "Im Untergrund" vorbereitet. Und ich meine damit eben nicht nur die aufwendige, über ein Jahr lang andauernde Recherche, sondern die Tatsache, dass mein Vater und ich bei dieser Geschichte so intensiv miteinander zu tun hatten wie nie zuvor. Ich schätze, mein Vater wird mir beipflichten: Ein Jahr Familientherapie ist nichts dagegen.

Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub (Alterssimulation des BKA)
DPA/ BKA

Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub (Alterssimulation des BKA)

Mein Vater ist 67 Jahre alt. Ich bin 31 und so was wie das schwarze Schaf meiner sehr handfesten Bullen-Familie: Meine Mutter ist gelernte Krankenschwester, mein Vater Polizist in Rente und mein Bruder ist ebenfalls Polizist geworden. Ich dagegen habe Iranistik studiert und führe das ungeregelte Arbeitsleben einer freien Journalistin.

Ich kann mich noch erinnern, wie mich als Kind eine diffuse Angst umwaberte: Mein Vater - zu Hoch-Zeiten der RAF ein junger Streifenpolizist in München - könne von der Arbeit nicht nach Hause kommen, erschossen bei einer Verkehrskontrolle.

Als ich erfuhr, dass die Polizei 2015 DNA der untergetauchten Daniela Klette, Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub am Tatort eines schweren Raubüberfalls in Niedersachsen sichergestellt hatte, war ich wie elektrisiert. Die Gespenster der Vergangenheit meines Vaters waren plötzlich wieder da.

Diese drei, die ich jetzt suche, hätten meinen Vater damals wahrscheinlich gerne tot gesehen. Für die RAF war er ja ein "Bullenschwein".

"Ja Himmelherrgott, Pati, i bin doch ned verrückt!", plus einem deftigen bayerischen Fluch ist dann auch die Reaktion meines Vaters als ich ihm von der Idee erzähle, die drei zu suchen und die ganze Sache mit einem Aufnahmegerät zu dokumentieren.

Wer sind die drei? Wie leben sie? Und vor allem: Warum haben sie sich überhaupt für die RAF und damit für Gewalt und Terror entschieden? Das sind die Fragen, die meine Suche vorantreiben.

Ein Podcast voller Irrungen und Wirrungen, Zweifel, Hass und Liebe

Je länger ich recherchiere, desto tiefer treibe ich meinen Vater in eine Sache hinein, die ihn an Dinge erinnert, die er lieber vergessen wollte. Und mir wird klar: Die RAF mag sich 1998 aufgelöst und wir mögen sie inzwischen als Kapitel der deutschen Geschichte abgehakt haben. Aufgearbeitet ist das, was damals passiert ist, deswegen aber noch lange nicht.

Je länger ich mich mit der RAF-Geschichte auseinandersetze, je mehr frühere Bekannte der drei Gesuchten ich kennenlerne, desto heftiger streiten mein Vater und ich uns darüber, was politisch richtig ist, wer Gewalt anwenden darf und wie viel Schuld der Staat an der Auseinandersetzung mit der RAF trägt.

All das, inklusive der bayerischen Flüche meines Vaters, habe ich aufgenommen. Herausgekommen ist ein sechsteiliger, sehr persönlicher Podcast voller Irrungen und Wirrungen, Zweifel, Hass und Liebe.

Hören Sie hier exklusiv die erste Folge von "Im Untergrund":


"Im Untergrund", ab 15.12. wöchentlich jeden Freitag eine neue Folge auf Audible.

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