Rainier-Beisetzung Monaco zum Ersten, zum Zweiten

Heute wird Fürst Rainier bestattet, sowohl ARD als auch ZDF sind live dabei. Wie schon bei der Windsor-Hochzeit drängt sich die Frage nach dem Nutzen von Parallelübertragungen bei Großereignissen auf - und ob sie überhaupt zum Profil der Öffentlich-Rechtlichen passen.


Adelt posthum die Senderlandschaft: Fürst Rainier von Monaco
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Adelt posthum die Senderlandschaft: Fürst Rainier von Monaco

Heute wird Fürst Rainier von Monaco beigesetzt, die Grimaldis stehen erneut im Rampenlicht der Weltmedien. Auch die deutschen Sender werden dabei sein: ARD und ZDF ebenso wie RTL, N24 und n-tv. Dass sowohl ARD als auch ZDF dem Aristokraten medial die letzte Ehre erweisen, hat bereits im Vorfeld für viel Unmut gesorgt.

So nannte gestern der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann die Doppelübertragung schlicht Geldverschwendung. "Hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen wirklich nichts anderes mehr zu berichten als über das Fürstenbegräbnis?", fragte der Unionspolitiker rhetorisch und verwies auf das ohnehin angespannte Verhältnis zur EU-Kommission, die von Deutschland mehr Transparenz bei der Gebührenverwendung und bei den kommerziellen Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender verlangt.

Auch Sachsens Staatsminister Hermann Winkler, CDU, ist "einigermaßen erstaunt", dass ARD und ZDF das Großereignis unabgestimmt und parallel übertragen. "Gerade in der jetzigen Zeit, in der wir in einer Debatte mit der EU-Kommission über den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stehen, halte ich diese Vorgehensweise für problematisch", so Winkler gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Rüffel aus Brüssel

Tatsächlich könnten die Brüsseler Wettbewerbshüter noch ungehaltener werden, als sie es ohnehin schon sind. Erst vor rund einem Monat hatten die EU-Beamten eine Stellungnahme zu Finanzen und Programm von ARD und ZDF abgegeben. Tenor: Die Sender missbrauchen ihre privilegierte Stellung und behindern private Konkurrenten. Der Vorwurf bezog sich vor allem auf die Sportberichterstattung.

In den Augen Brüssels nutzen ARD und ZDF ihre Gebühreneinnahmen, um Sportrechte in großem Stil aufzukaufen. Dass dieses Verfahren von den meisten Ministerpräsidenten mitgetragen wurde, weil diese in ihrer Funktion als Rundfunk- oder Fernsehräte kräftig dafür warben, die teuren Übertragungsrechte an der Bundesliga und der Fußball-WM 2006 zu kaufen, bugsiert den Ball wieder ins Spielfeld der Politik.

Dort aber fühlt man sich zunehmend machtlos. Die ARD habe auf Bundesebene keine Kontrollorgane, erklärte Hermann, der auch Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks ist, dem Branchenblatt "epd-Medien". Die immer stärkere Verlagerung von Kompetenzen auf die ARD, zum Beispiel auf die Gemeinschaftsredaktionen, entziehe die entsprechenden Bereiche der Kontrolle durch die gesellschaftlichen Gruppen. ARD-Programmbeirat oder Gremiumsvorsitzendenkonferenz hätten "nur beratende Funktion".

Für ein paar Euro mehr

Die Kontrolle und Überwachung im Sinne des Allgemeininteresses rechtfertigt jedoch erst die Finanzierung über Gebühren - eine Kontroverse, die der Fall Rainier noch verschärft. Denn, so lässt sich fragen, wer braucht eigentlich eine doppelte Berichterstattung, für die der Gebührenzahler in die Tasche greifen muss? "Die Bilder bekommen wir gratis von der European Broadcasting Union", erklärte ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Die Kosten für Kamerateams, Reporter und Sendezeit beliefen sich "auf ein paar Euro".

Ebenfalls günstig: Fürst Rainier war das Staatsoberhaupt Monacos, seine Beisetzung fällt deshalb unter die Rubrik Staatsbegräbnisse, und die fallen unter die Berichterstattungshoheit der Öffentlich-Rechtlichen. Dass die Grimaldis bislang vor allem als Lieferant für Klatsch und Skandale herhalten mussten, scheint in Vergessenheit geraten. Man darf gespannt sein, ob die Sender den Staatschef Rainier würdigen oder nicht doch wieder nur die Lebensdramen der Fürstenfamilie aufbereiten werden.

Die ARD beginnt ihr Trauerfeier-Programm morgen kurz nach 10 Uhr mit dem 27 Minuten langen Film "Die Grimaldis" von Heiko Engelke. Danach startet die Übertragung aus Monaco, vor Ort kommentiert Engelkes; im Kölner Studio sind Tina Hassel, Rolf Seelmann-Eggebert und "Gala"-Chefredakteur Peter Lewandowski zur Stelle. Das ZDF ist mit den Moderatoren Norbert Lehmann und Karen Webb vertreten.

Abwechslung unerwünscht

Die parallele Übertragung der Trauerfeier bei beiden Sendern sorgt dabei nach wie vor für Zwist. Während sich Ruprecht Polenz, Vorsitzender des ZDF-Fernsehrates, für eine abwechselnde Berichterstattung aussprach, erklärte von der Tann in der "SZ", es gebe in dieser Hinsicht kein Abkommen zwischen ARD und ZDF. "Es gibt auch keinen Streit. Wir haben nur unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema."

Unbestritten ist wenigstens das hohe Ansehen, dass der monegassische Monarch genießt: Rund 3000 Gäste aus aller Welt werden morgen an der Beisetzung teilnehmen; Delegationen aus 56 Ländern haben sich in Monaco angesagt. 1300 Polizisten sorgen für die Sicherheit, zumal der schwedische König Carl XVI. Gustaf, die norwegische Königin Sonja, die Schah-Witwe Farah Pahlewi und der französische Staatspräsident Jacques Chirac zu den Trauergästen zählen.

All dies wird man auch hierzulande mitverfolgen können - im Ersten, im Zweiten und immer so hin und her.

Daniel Haas



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