Trotz Rückgabeabkommen Bundesregierung besitzt noch immer Raubkunst

Vor 20 Jahren wurde das Washingtoner Abkommen geschlossen, das vorsieht, Raubkunst zurückzugeben. Aber noch immer befinden sich 2500 Werke in den Beständen der Regierung, die vermutlich vor 1945 gestohlen wurden.

Rückgabe eines Raubkunst-Werkes
AP

Rückgabe eines Raubkunst-Werkes


Auch 73 Jahre nach Kriegsende gehören zur Kunstsammlung der Bundesregierung noch 2500 Werke, die im Verdacht stehen, während der Zeit des Nationalsozialismus größtenteils jüdischen Besitzern geraubt worden zu sein. Diese Zahl, die zunächst die "Bild"-Zeitung meldete, bestätigte eine Sprecherin des Finanzministeriums gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Ein großer Teil dieser Werke befindet sich in Museen, einiges aber auch in Bundesbehörden oder im Kunstdepot in Berlin-Weißensee. Insgesamt umfassen die Bestände der Bundesregierung etwa 48.000 Kunstwerke, darunter neben Gemälden und Skulpturen auch Instrumente, Möbel, Porzellan, antike Bücher, alte Münzen und Briefmarken.

Derzeit, so die "Bild", würden Verhandlungen über die Rückgabe von zwölf während des Krieges erbeuteten Kunstobjekten laufen. Am vergangenen Montag hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters öffentlich ein Bild an seine rechtmäßigen Erben zurückgegeben. Das Gemälde "Portrait de jeune femme assise" des französischen Künstlers Thomas Couture stammte aus der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt.

Rückgabe von Raubkunst verläuft schleppend

Erst im vergangenen August hatte sich die Bundesregierung auf einer internationalen Konferenz in Berlin der rückhaltlosen Aufklärung des NS-Kunstraubs verpflichtet und damit zum "Washingtoner Abkommen" bekannt. 1998 hatten sich mehr als 40 Staaten erstmals verpflichtet, die Verbrechen der Nazis gegenüber Kunstsammlern und -händlern aufzuklären und eine Einigung mit den Nachfahren der Opfer zu suchen.

Dabei handelt es sich aber um kein juristisch belastbares Regelwerk, sondern lediglich um eine Absichtserklärung. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist die Herausgabe der Werke nicht mehr verpflichtend, weil die Taten mehr als 30 Jahre zurückliegen, also verjährt sind.

Historiker schätzen, dass während es Zweiten Weltkrieges über fünf Millionen Kunstwerke den Besitzern entrissen wurden. Jahrzehntelang war Beutekunst aber ein Tabuthema, Museen und Aktionshäuser interessierten sich nicht dafür, woher Kunstwerke stammten. In Deutschland kam erst mit dem sensationellen Fall Gurlitt neue Fahrt in die Provinienzforschung. Ein Restitutionsgesetz wie in Österreich gibt es hierzulande aber nicht.

kae/dpa



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