Raubkunst Sohn von Nazi-Funktionär gibt Kunst an Polen zurück

Der Sohn eines einstigen SS-Führers hat von seinem Vater geraubte Kunstwerke an Polen zurückgegeben. Eine polnische Wissenschaftlerin hatte auf die Herkunft der Gemälde aufmerksam gemacht.

Im zweiten Weltkrieg geraubtes Werk von Krakau
AP

Im zweiten Weltkrieg geraubtes Werk von Krakau


Der Sohn eines einstigen hochrangigen Nazi-Politikers Otto von Wächter hat von seiner Familie geraubte Kunst an Polen zurückgegeben. Die im Zweiten Weltkrieg entwendeten Werke würden von Experten untersucht und anschließend voraussichtlich in Krakau ausgestellt, teilte die Regionalbehörde der südpolnischen Stadt mit. Dort waren sie von der Familie des aus Österreich stammenden NS-Politikers und SS-Führers Otto von Wächter, der während des Nazi-Regimes zeitweise Gouverneur in Krakau war, mitgenommen worden.

Freiwillig hatte sein Sohn Horst von Wächter das Diebesgut am Wochenende den polnischen Behörden übergeben und an andere deutsche und österreichische Nachfahren von Nazis appelliert, seinem Beispiel zu folgen. Dass ein Nachkomme Raubkunst zurückgebe, sei in der südpolnischen Region ein Präzedenzfall, hieß es von der polnischen Behörde.

Über Horst von Wächter hatte der US-amerikanische Regisseur David Evans im Jahr 2015 die Dokumentation "My Nazi Legacy: What our Fathers Did" ("Mein Nazi-Erbe: Was unsere Väter taten") gedreht. Darin werden zwei Männer mit den Taten ihrer Väter konfrontiert, die als loyale Nazis durch ihre bürokratischen Handlungen in den Tod Tausender Menschen involviert waren. Horst von Wächter vertritt in "My Nazi Legacy" den Standpunkt, sein Vater habe einen "anständigen" Charakter gehabt, er sei ein "guter Mensch" gewesen, weil er niemals jemanden persönlich getötet habe. Das Konzept einer administrativen Verantwortlichkeit verweigert Horst von Wächter in dem Film.

Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Bei den Objekten handelt es sich den Angaben zufolge um eine Landkarte Polens aus dem 18. Jahrhundert sowie ein Aquarell des Krakauer Potocki-Palasts "Pod Baranami" aus dem 19. Jahrhundert, auf dessen Rückseite die Ehefrau Charlotte von Wächter handschriftlich vermerkt hatte: "Blick auf Potocki-Palast - mitgenommen aus Krakau 1939". Im Zuge einer Recherche über den Nazi-General war die polnische Wissenschaftlerin und Politikerin Magdalena Ogorek durch eine Fotografie auf eines der Werke aufmerksam geworden und hatte die Gespräche in Gang gebracht.

Otto von Wächter lebte von November 1939 an in Krakau und war dort Distriktstandortführer der NSDAP. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verbot er jüdischen Kindern, zur Schule zu gehen. Außerdem entwickelte er Methoden, polnische Zwangsarbeiter zu rekrutieren. 1942 wurde von Wächter nach Galizien versetzt. Er war bis zum Kriegsende hauptamtlich SS-Führer. täuschte 1945 seinen Tod vor und tauchte in Rom unter. Dort bot ihm der Bischof Alois Hudal, der den Nazis als Fluchthelfer diente, in einem Priesterkolleg Unterschlupf. Er starb 1949 in Rom.

cpa/dpa



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