Türkei Razzia bei Erdogan-kritischem Onlineportal

Die unabhängige türkische Onlinezeitung Sendika.org ist von der Istanbuler Polizei durchsucht worden. Hintergrund sind Ermittlungen gegen einen Redakteur.

Screenshot von Sendika.org
sendika.org

Screenshot von Sendika.org


Zum wiederholten Mal ist das Online-Medium Sendika.org in den Fokus türkischer Behörden geraten. Wie die Plattform mitteilte, haben Sicherheitskräfte am frühen Donnerstagmorgen die Tür zu ihrem Büro im Istanbuler Stadtteil Sisli aufgebrochen und die Redaktion durchsucht. Zu dem Zeitpunkt seien keine Journalisten anwesend gewesen.

Hintergrund der Polizeiaktion seien Ermittlungen gegen den Redakteur Ali Ergin Demirhan, teilte Sendika.org der Deutschen Presse-Agentur mit. Demirhan war im April 2017 von den Behörden verhaftet worden, weil er angeblich das Referendum über die Implementierung eines Präsidialsystems nicht anerkannte. Weitere Vorwürfe waren Volksverhetzung und der Aufruf zum Protest über soziale Medien.

2013 gehörte Sendika.org zu den wichtigsten Nachrichtenquellen über die damaligen Gezi-Proteste. Auch danach fanden sich dort kritische Berichte und Kommentare zur Politik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. In den letzten Jahren sperrten die Behörden die Seite immer wieder, meist ging sie unter neuer Adresse wieder online.

Bis zur Mittagszeit war Sendika.org erreichbar. Die Seite macht heute mit einem Kommentar von Ali Ergin Demirhan zur Präsidentschaftswahl vom Sonntag auf.

Nach dem gescheiterten Putschversuch vor zwei Jahren gingen türkische Behörden hart gegen kritische Journalisten vor. 150 sitzen noch immer im Gefängnis. Am heutigen Donnerstag beginnt in der Türkei der Prozess gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel, der bis Februar 2018 in der Türkei ein Jahr lang ohne Anklage inhaftiert war.

kae/dpa



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