Reaktion auf Rumsfeld Europäische Denker üben Revanche

Mit seinem Vorwurf vom "alten Europa" hat Donald Rumsfeld Europas Intellektuelle auf die Barrikaden getrieben. Deutsche und französische Denker und Künstler, von Jürgen Habermas bis zum Napoleon-Darsteller Christian Clavier, antworten dem US-Verteidigungsminister auf den Feuilleton-Seiten der "FAZ". SPIEGEL ONLINE veröffentlicht Auszüge.




Jürgen Habermas: "Alt aussehende neue Welt"
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Jürgen Habermas: "Alt aussehende neue Welt"

Berlin - Nahezu einhellig verurteilen die Autoren in der Freitag-Ausgabe des Blattes die Verunglimpfung der Irak-Kriegsgegner Deutschland und Frankreich als "altes Europa".

Der Philosoph Jürgen Habermas schreibt, Rumsfeld verantworte "eine Sicherheitsdoktrin, die völkerrechtlichen Grundsätzen spottet". Dabei seien gerade aus der politischen Aufklärung "jene völkerrechtlichen Innovationen hervorgegangen, die heute in Europa eher Anhang finden zu scheinen als in der ziemlich alt aussehenden neuen Welt."

Peter Schneider: Realitätsverlust der US-Regierung
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Peter Schneider: Realitätsverlust der US-Regierung

Der Schriftsteller Peter Schneider, wirft Washington Realitätsverlust vor: "Wenn Herr Rumsfeld mit dem alten Europa alle diejenigen meint, die gegen einen amerikanischen Alleingang sind, dann darf man mehr als die Hälfte der Amerikaner zu den Alteuropäern rechnen", schreibt Schneider in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung."

Alice Schwarzer: Stolz auf den Kanzler
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Alice Schwarzer: Stolz auf den Kanzler

Die Feministin Alice Schwarzer lobt Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Er ist, was immer seine Motive sein mögen, zurzeit führend bei dem Versuch Europas, Menschen- und Völkerrechte nicht ganz zu vergessen und wenigstens diesen Krieg zu verhindern."

Régis Debray , der an der Seite von Che Guevara in Bolivien kämpfte und später außenpolitischer Berater von Frankreichs Präsident Francois Mitterrand war, begrüßt den deutsch-französischen Schulterschluß gegen den Krieg: "Das Zusammengehen von Deutschland und Frankreich gegen Amerika und ihre entschiedene Ablehnung des Kriegs erfreuen mich und erfüllen mich mit großer Hoffnung."

Jacques Derrida: Dringliche Aufgabe der europäischen Einigung
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Jacques Derrida: Dringliche Aufgabe der europäischen Einigung

Der französische Regisseur und Intendant der Wiener Festwochen Luc Bondy bekennt: "Wenn das alte Europa, das den Krieg gekannt hat, nun die Vernunft und die Raison besitzt, den Krieg nicht mehr zu wollen, dann bin ich für dieses alte Europa, das das neue Europa ist."

"Schockierend" findet der Philosoph Jacques Derrida den Ausspruch Rumsfelds. Er sei "bezeichnend für die Unkenntnis darüber, was Europa war, was es ist und sein wird."

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