Reaktionen auf Hermans Entlassung Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag

Bettina Tietjen watscht ihre Ex-Kollegin Eva Herman für ihren Nazi-Vergleich ab. Der Pendo-Verlag nimmt seine Skandal-Autorin derweil in Schutz: Autorin wie Verleger verurteilten Rechtsradikalismus entschieden.


Hamburg/München - "Enttäuscht" und "traurig" ist Moderatorin Bettina Tietjen, 47, laut "Hamburger Morgenpost" über die Nazi-Vergleiche ihrer Talk-Kollegin Eva Herman, 48. Tietjen kritisierte zudem Hermans Mangel an medialem Taktgefühl: "Wir hatten Eva schon mehrfach gewarnt, dass sie sich solche Äußerungen als gesellschaftspolitisch ausgewogene Moderatorin nicht erlauben darf."

Seit 1997 moderierten die beiden Journalistinnen zusammen die NDR-Sendung "Herman und Tietjen". Am vergangenen Donnerstag hatte sich Herman über die Wertschätzung der Mütter und Familien auch im Nationalsozialismus und über die Abschaffung solcher Werte in der 68er Bewegung ausgelassen; am Sonntag wurde sie vom NDR dafür gefeuert.

Tietjen will Eva Herman jedoch nicht die Freundschaft kündigen. "Eva ist ja kein Neo-Nazi. Einige ihrer Äußerungen sind aber völlig inakzeptabel, das habe ich ihr schon immer gesagt." Zur Zukunft der gemeinsamen Talk-Show erklärte sie: "Ich habe auch schon andere Shows allein moderiert." Wie die "Süddeutsche Zeitung" heute berichtete, werde womöglich Steffen Hallaschka Herman kurzfristig vertreten.

Pendo-Verlag bedauert "Missverständnisse"

Wesentlich entspannter reagierte der Pendo-Verlag. Man bedaure die "Missverständnisse"; es sei nie die Absicht des Verlages oder der Autorin gewesen, "in irgendeiner Weise die Ideologie des Nazi-Regimes zu verharmlosen oder sogar gutzuheißen", hieß es in einer Stellungnahme. "Wir fordern eindringlich dazu auf, sich mit den Inhalten des Buchs differenziert auseinanderzusetzen, statt bei Vorverurteilungen stehenzubleiben", hieß es.

Der Verlag betonte, Autorin und Verlag lehnten Rassismus, Rechtsradikalismus und jede Art der Diskriminierung ab. Hermans neues Buch sei ein "leidenschaftliches Plädoyer für die dringend notwendige Rückbesinnung auf Werte, wie sie in der Familie gelebt werden: Liebe, Verantwortung, Gemeinsinn".

Wer Hermans Wertvorstellungen anziehend findet, ist allerdings nicht ganz unbedenklich: Im März dieses Jahres ließ sich die selbsternannte Tabubrecherin vom Freiheitlichen Parlamentsklub aus Österreich für einen Vortrag einladen, der Club ist die Nationalfraktion der rechtsnationalen FPÖ. Damals hatte Herman erklärt, hinters Licht geführt und von einem ihr nicht bekannten Veranstalter eingeladen worden zu sein. Ein Zusammenhang mit einer politischen Partei sei nicht zur Sprache gekommen.

ssu/AP/ddp



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