Rechte Medien in Österreich Ungefiltert FPÖ 

Wie in den USA ist auch in Österreich eine parallele Medienwelt entstanden: Fernab der "Systempresse" kann die rechtspopulistische FPÖ über Social Media und parteinahe Zeitungen und Sender ihre Botschaften in die Welt setzen.

FPÖ-Politiker Norbert Hofer (l.) und Heinz-Christian Strache
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FPÖ-Politiker Norbert Hofer (l.) und Heinz-Christian Strache

Von , Wien


Wenn Heinz-Christian Strache, Chef der rechtspopulistischen Partei FPÖ, über Journalisten spricht, nimmt seine Stimme gern einen höhnischen Ton an. Von "Systempresse" spricht er dann, und seit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA folgt dahinter immer ein gekünsteltes "hehe". Denn die "Systempresse, hehe", habe ja mit aller Macht versucht, Trump zu verhindern und sei damit "gnadenlos gescheitert", sagt er in einer Rede vor seinen Fans.

Es geht um Macht: Am 4. Dezember wählt Österreich in einer Stichwahl einen neuen Bundespräsidenten. Zur Abstimmung stehen der von den Grünen unterstützte Kandidat Alexander Van der Bellen und FPÖ-Mann Norbert Hofer. In Umfragen liegt Hofer mit etwas mehr als 50 Prozent knapp vorn. Zwar haben solche Erhebungen seit der US-Wahl erheblich an Glaubwürdigkeit verloren, aber selbst im linken Lager räumen manche ein, die FPÖ sei "in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter" und bestimme in den letzten Tagen vor der Wahl den Ton.

Und das, obwohl es die FPÖ in den traditionellen Medien tatsächlich schwer hat: Zappt man durch Österreichs Fernsehsender oder blättert Zeitungen und Zeitschriften durch, wird nahezu einhellig kritisch, häufig auch ablehnend über die Rechten berichtet. "Das ist wie bei Trump", sagt Strache. Damit will er sagen: Was schert uns, was die über uns schreiben?

Vorbild "Breitbart News"

Denn wie Trump umgeht die FPÖ geschickt die Redaktionen, indem sie virtuos das Internet nutzt und auf Strukturen rechter Netzwerke setzt. Wie der künftige US-Präsident haben die Rechtspopulisten in Österreich begriffen, dass sie auch ohne Journalisten eine große Öffentlichkeit erreichen können.

Parteichef Strache verbreitet seine Ansichten am liebsten über Facebook, wo er bald eine halbe Million Follower hat. Die Plattform ist in Österreich längst ein Massenmedium, etwa 3,5 Millionen Menschen nutzen sie - dabei hat das Land gerade mal 8,7 Millionen Einwohner. Twitter hingegen sieht man in der FPÖ eher als "Spielwiese für die linke Journaille", wie ein Abgeordneter es nennt, nutzt aber auch dieses Medium.

Vor allem aber setzen die Rechtspopulisten auf alternative Medien nach dem Vorbild der Seite "Breitbart News", die in den USA unter ihrem Gründer Andrew Breitbart angetreten war, die Macht traditioneller Medien mit rechtspopulistischen, oft rechtsextremen Inhalten zu brechen. Nach Breitbarts Tod 2012 wurde sie von Stephen Bannon nach und nach zu einem Verlautbarungsorgan für Trump ausgebaut. Trump belohnte Bannon nach dem Wahlsieg, indem er ihn zu seinem Chefstrategen ernannte und damit zum ranghöchsten Berater machte.

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"Breitbart"-Portal: Die Seite, auf die Trump-Fans hören

"Breitbart News" berichtet auch ausführlich über die Rechten in Österreich, über die sogenannten Identitären und ihre öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie das Stürmen einer Aufführung des Theaterstückes "Die Schutzbefohlenen" von Elfriede Jelinek an der Uni Wien. Breitbart suche zudem den Kontakt zu rechten Medien in Österreich, um auch hier Fuß zu fassen und möglicherweise eine deutschsprachige Seite zu eröffnen, erzählen sich Journalisten in Wien.

Die Auswahl für Breitbart ist groß, die Zahl der FPÖ-nahen Webseiten wächst. Das bekannteste Portal, das für die FPÖ trommelt, ist Unzensuriert.at, das mit Schlagzeilen wie "Rekord-Ansturm von illegalen Flüchtlingen", "Linksextremist prügelt AfD-Politiker spitalsreif" und "Tausende Asylbewerber untergetaucht" aufmacht. Bemerkenswerterweise steht im Impressum ein Absatz mit der Überschrift "Nein zu politischem Extremismus im Internet": Man distanziere sich "von sämtlichen Seiten, die extremistisches oder verhetzendes Gedankengut transportieren", heißt es dort. Das gelte "für extreme Ausprägungen auf beiden Seiten des politischen Spektrums, getreu dem demokratischen Grundkonsens, auf dem unsere Republik Österreich errichtet wurde".

"Mithelfen, Gott in Österreich abzuschaffen"

Distanz zur Politik wahrt Unzensuriert.at aber kaum: Geschäftsführer der Seite ist Walter Asperl, der gleichzeitig Referent der FPÖ-Fraktion ist. Für das Portal, das der FPÖ-Politiker Martin Graf gegründet hat, arbeiten mehrere Parteimitglieder. Ihren Sitz hat die Redaktion in Wien im Haus der deutschnationalen Burschenschaft Gothia und des Korporationsrings, der auch den Burschenschafterball in der Hofburg organisiert.

Seit bald 20 Jahren verbreitet das Wochenblatt "Zur Zeit" und die Webseite "zurzeit.eu" die Sicht der FPÖ. Gründer ist der langjährige FPÖ-Politiker Andreas Mölzer, Chefredakteur sein Sohn, der FPÖ-Parlamentarier Wendelin Mölzer. "Wir sind eine Richtungszeitung", sagt Mölzer junior. Die Zeitung mit einer Auflage von 10.000 lebe von den Abonnenten. "Auf Anzeigen sind wir nicht angewiesen", sagt er. Einziger Anzeigenkunde: die FPÖ. Im Präsidentenwahlkampf bezieht das Blatt klar Position: Es wirft dem Hofer-Herausforderer, einem bekennenden Atheisten, vor, Politiker wie er würden "mithelfen, Gott in Österreich abzuschaffen". Im katholisch geprägten Österreich ist das als Kritik zu verstehen.

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Österreich: Rechts gegen Links im Fernsehduell

Mit FPÖ-TV betreibt die Partei aber auch einen eigenen kleinen Sender, der derzeit ausschließlich Filme ihres Präsidentschaftskandidaten Hofer zeigt: Besuch im Tierheim, eine Werbebotschaft, eine Analyse eines TV-Duells mit dem Herausforderer Van der Bellen, bei der Letzterer natürlich schlecht aussieht, dazwischen ein paar Rap-Einlagen von Parteichef Strache. So einfach geht Fernsehen heutzutage.

Auch Wochenzeitungen und Nachrichtenseiten wie die oberösterreichische "Wochenblick" (Themenschwerpunkt: "Heimat-Themen") und ihr Internetauftritt Wochenblick.at ("Zum Glück gibt es nicht nur Multikulti-Merkel in Europa: Orbán, Zeman, Sulik und Klaus - geht politisch im Osten die Sonne auf?"), im Frühjahr gegründet, werden von vielen Lesern und Zuschauern ernst genommen. Ein paar Meldungen von Nachrichtenagenturen, zwischen all die Weltuntergangsmeldungen - "drohende Überfremdung durch illegale Massenimmigration", "Dramatischer Zuwachs an Ausländerkriminalität!" - gestreut, genügen, um von vielen als seriös wahrgenommen zu werden.

Lob nur von der "Kronen Zeitung"

Und so bekümmert es die FPÖ nicht, dass von den etablierten Medien vielleicht nur noch das Boulevardblatt "Kronen Zeitung" ihr die Stange hält, zumindest gelegentlich. Denn längst verfügt die FPÖ über eine alternative Medienpalette, die ihre Wählerschaft vom Neonazi über den Rechtsextremen bis hin zum einfachen Konservativen alle erreicht.

Bestärkt fühlen sich die Rechtspopulisten durch eine Umfrage, die der ORF gemeinsam mit 14 weiteren öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten durchgeführt hat. Dabei wurden allein in Österreich knapp 90.000 Menschen zwischen 18 und 34 Jahren befragt, die größte Umfrage unter jungen Erwachsenen in der Geschichte Österreichs. Erschütterndes Ergebnis: 85 Prozent misstrauen den herkömmlichen Medien.

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kuac 30.11.2016
1. Neue Demokratie
Das ist neue Demokratie. Jeder hat nicht nur das Recht auf eigene Meinung, sondern auch das Recht auf eigene Fakten !
eikefechter 30.11.2016
2. Haben doch alle
Jedes Medium ist irgendeiner Partei nah und sendet deren Botschaften in die Welt. Warum ist das plötzich bei der FPÖ ein Problem?
wpeitze 30.11.2016
3. Hauptsache
der Herr Hofer bleibt In Österreich!!
scratchpatch 30.11.2016
4. Liebesgrüße nach Moskau
Unzensiert.at trumpft gerade mit der Schlagzeile auf "Aleppo vor vollständiger Befreiung" (durch die Truppen Assads). Es gibt nicht zufällig russische Sponsoren?
lisaspiong 30.11.2016
5. Fakten
Natürlich sieht jeder die Welt anders, aber das heißt noch lange nicht, das man ein Recht auf "Eigene Fakten" hat. Oder was würden sie sagen, wenn man in der Schule beigebracht bekommt: 1+1=5. Es gibt Fakten und wenn wir zusammenleben wollen müssen wir bestimmte Fakten akzeptieren. Ich werde zum Beispiel nicht nach Allepo fliegen um zu sehen, ob da Krieg herscht. Ich werde auch nicht ins All fliegen, um zu sehen, ob die Erde Rund ist. Ich glaube es einfach. Es hört sich wirklich gut an, das jeder das Recht auf eigene Fakten hat, aber so funktioniert unsere geselschaft nicht. Sie könnten sich jetzt natürlich irgendwo hinstellen und sagen: "Ich bin der König der Welt ihr müsst machen, was ich will". Das mag vieleicht für sie ein Fakt sein, aber andere werden sie nur belecheln. Fakten sind Fakten und unumstöslich. Meinermeinung ist die wichtige Frage, wie man einen Fakt interpretiert, und was die Geselschaft als Fakt anerkennt. ( Stichwort Religion) Ich hoffe, das sie mir ihre Meinung noch einmal genauer erklären könnten, den so macht es für mich keinen Sinn.
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