Rechte Presse vs. linke Presse "Ein bisschen wegvertrieben"

Die rechte Zeitung "Junge Freiheit" wollte Gratisexemplare vor dem Gebäude der linksalternativen "tageszeitung" verteilen - das endete in einer Rangelei. Nun stellt die Wochenzeitung Strafanzeige . Die "taz" hakt das Geschubse eher unter zivilgesellschaftlichem Engagement ab.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Die "Junge Freiheit" ist schwer empört: Zwei ihrer Mitarbeiter seien heute "vor dem Rudi-Dutschke-Haus der 'tageszeitung' (taz) gewalttätig angegriffen worden", teilt sie per E-Mail mit. Von "Schlägen und Fußtritten" ist die Rede. Die "Opfer" hätten bereits "Strafanzeige wegen Körperverletzung" gestellt, meldete das Blatt Vollzug. Ein "Anschlag auf die Pressefreiheit" sei das gewesen - drunter macht es Chefredakteur Dieter Stein nicht.

"taz"-Redaktion in Berlin: "Mit Wohlwollen beobachtet"
DPA

"taz"-Redaktion in Berlin: "Mit Wohlwollen beobachtet"

Was wirklich gewesen ist, muss vorerst ungeklärt bleiben. Sicher aber scheint, dass heute Morgen gegen 8:30 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen "taz"-Mitarbeitern und zwei Verteilern von Gratis-Exemplaren der "Jungen Freiheit" vor der "taz"-Zentrale stattfand. Zumindest bestreitet es niemand: "Ja, die sind da ein bisschen wegvertrieben worden", sagt etwa "taz"-Meinungsredakteur Dietmar Bartz, der das Ganze "mit Wohlwollen beobachtet" hat, wie er sagt.

"Wir lassen eben nicht zu, dass irgendjemand hier rechtskonservatives Material verteilt", erklärte Bartz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE weiter. Man habe es bei der "taz" als Provokation empfunden, dass die "Junge Freiheit" ausgerechnet direkt vor dem zur "taz" gehörigen Cafè in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin-Kreuzberg auf Abonnentensuche gegangen sei. Von Schlägen oder Tritten könne aber keine Rede sein, "Geschubse" sei das passende Wort.

Thorsten Thaler, Chef vom Dienst bei der "Jungen Freiheit", erklärte SPIEGEL ONLINE, man warte noch immer auf eine Auskunft von Seiten der "taz" darüber, ob die beiden in den Streit verwickelten Personen, die aus dem Rudi-Dutschke-Haus gekommen seien, "taz"-Mitarbeiter seien. Sei das der Fall, müsse Chefredakteurin Bascha Mika sich entschuldigen. Bislang gebe es aber noch keine Auskunft von der Chefredaktion.

Die "Junge Freiheit" hatte erst im vergangenen Jahr für öffentliches Aufsehen gesorgt. Vor dem Bundesverfassungsgericht gewann die Zeitung ein Verfahren wegen der jahrelangen Erwähnung als rechtsextremistische Publikation im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Richter in Karlsruhe hatten damals entschieden, die Pressefreiheit sei dann verletzt, wenn eine Zeitung vom Staat ohne ausreichende Begründung öffentlich als rechtsextremistisch gebrandmarkt werde.



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