Rechtschreibrat Zurück zur "Großen Koalition"

Im wilden Hin und Her der Rechtschreibreform schien wenigstens die Groß- und Kleinschreibung geklärt. Doch der Rat für deutsche Rechtschreibung ist unzufrieden: Feststehende Begriffe, Anredeformen in Briefen und Zahlen stehen wieder zur Debatte.


Mannheim - Die "Tendenz" im Gremium gehe dahin, feststehende Begriffe wie etwa "große Koalition" oder "schwarzes Brett" wieder "Große Koalition" und "Schwarzes Brett" zu schreiben, sagte der Ratsvorsitzende und frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) heute nach der siebten Sitzung der Runde in Mannheim. Ein geschlossener Begriff solle wieder "als Einheit gesehen werden".

Zu diesem und weiteren Punkten solle eine bereits eingesetzte Arbeitsgruppe bis Mitte Januar 2006 Vorschläge erarbeiten, die dann in der nächsten Sitzung des Rates am 3. Februar 2006 beschlossen werden könnten. Die Empfehlungen des Rates würden bis März 2006 der Kultusministerkonferenz vorgelegt.

Außerdem könnten "du" und "dein" in Briefen wieder groß geschrieben werden, wobei man hier davon ausgehe, dass auch die nach der Reform gültige Kleinschreibung erlaubt bleibe. Es solle "keine neue Fehlerquelle eröffnet werden".

Es zeichne sich ferner ab, dass "Pleite gehen" oder "Bankrott Machen" wieder klein und zusammen geschrieben werden könnten. Man wolle sich hier wieder "mehr am Sprachgebrauch" orientieren. Auch soll die Arbeitsgruppe die Schreibung von Zahlen "durchforsten". So wird laut Reform etwa "auf allen vieren daherkommen" klein geschrieben, was offenbar auf Missfallen im Rat stößt.

Zehetmair erklärte, der Rat wolle die möglichen Korrekturen an der Groß- und Kleinschreibung auf "wenige Punkte beschränken". Niemand könne dem Gremium verwehren, "Teile des Fasses wieder zu öffnen". Die Neuregelungen zur Groß- und Kleinschreibung waren am 1. August als unstrittige Teile der Refom in Kraft getreten.



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