Rechtschreibreform Werbeverbot für Manfred Krug

Fürs Telefon und für Schnäpse darf der Schauspieler werben. Gegen die Rechtschreibreform nicht.


Ein Job weniger: Manfred Krug, Schauspieler und Werbetreibender
M. Zucht/ DER SPIEGEL/ XXP

Ein Job weniger: Manfred Krug, Schauspieler und Werbetreibender

Berlin - Manfred Krug, allabendlich präsent in den Werbeblöcken der Fernsehsender, darf nicht gegen die Rechtschreibreform werben. In einem Radiospot zog er gegen die neuen Regeln zu Felde. Ingeborg Zahrnt, die Justitiarin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) begründete am Montag das Sendeverbot mit der politischen Zielrichtung des Spots, der das derzeit aktuelle Volksbegehren gegen die am 1. August 1998 eingeführte Reform unterstützt.

In vielen Schulen wird die neue Schreibweise schon seit 1996 gelehrt, die nach langem Hin und Her die Regeln aus dem Jahr 1901 ablöste. Seit dem 10. Mai dieses Jahres jedoch ruft der Berliner Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (BVR) die Haupstädter auf, gegen die Reform zu unterschreiben.

Es sieht schlecht aus für die Initiatoren, denn bis zum 9. Juli müssen 243.000 Menschen unterzeichnet haben - doch erst ein Drittel der notwendigen Unterschriften kam bisher zusammen. Krug sollte die Sache voranbringen, der BVR schaltete einen Hörfunkspot bei zwei privaten Sendern, in dem Krug sich gegen die Rechtschreibreform äußert. Doch laut Ingeborg Zahrnt untersagt der Medienstaatsvertrag politische Werbung - und so sei allen Hörfunksendern ein entsprechendes Schreiben zugegangen.

Ohne Krug werden die Reformgegner die bis zum Ende der Woche erforderlichen Unterschriften fürs Volksbegehren wohl nicht mehr erhalten. Vorbild für die Berliner Aktion ist Schleswig-Holstein, wo es im September 1998 trotz eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes, das die neuen Regeln erst drei Monate zuvor als verfassungskonform bezeichnete, zu einem Volksentscheid kam. Das Ergebnis: Die Reformgegner siegten, in dem Bundesland gelten seitdem wieder die alten Regeln. Bindend ist der Volksentscheid allerdings nur für die Schulen.

So würden auch in Berlin selbst bei einem Erfolg der Reformgegner die Zeitungen nicht an der alten Schreibweise festhalten müssen. Ab dem 1. August 1999 werden sich die meisten deutschen Zeitungen und Nachrichtenagenturen nach den neuen Regeln richten. Auch DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE werden ab diesem Tag mit neuer Rechtschreibung erscheinen.



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