Rechtsnationale Veranstaltung Baring fühlt sich hinters Licht geführt

Mit einem Vortrag wollte Arnulf Baring einen Verein zur Förderung einer Schule im ostpreußischen Trakehnen unterstützen. Was der Historiker nicht wusste: Seine Gastgeber sind ein Fall für den Verfassungsschutz.

Von Daniel Haas


"Es lebe die Republik! Es lebe Deutschland", sollte der Vortrag heißen, der Referent wird in der Einladungsbroschüre als "populärer Wissenschaftler" angepriesen, dem es "stets um die Vermittlung positiver Werte für die Deutschen" gehe.

Historiker Baring: "Hinters Licht geführt"
MARCO-URBAN.DE

Historiker Baring: "Hinters Licht geführt"

Barings Einstellung ist zurzeit allerdings höchst negativ, zumindest was seine Gastgeber für den Vortrag anbelangt. Offiziell eingeladen hatte den Publizisten und Historiker der Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e.V. Mit der Tagung, zu der weitere Referenten erwartet werden, wolle man eine Schule im ostpreußischen Städtchen Trakehnen unterstützen.

Dass der 1992 in Husum gegründete Verein von der Bundesregierung als rechtsextrem eingestuft wird, wusste Baring ebenso wenig, wie dass auch der Kieler Buchdienst "Lesen & Schenken" zu dem Vortrag einlud. "Lesen & Schenken" gehört zum Unternehmen von Dietmar Munier, dessen Verlagsgruppe ebenfalls als rechsextrem gilt. Von der politischen Gesinnung seiner Gastgeber erfuhr Baring erst von der Nachrichtenredaktion des "Stern". Das Hamburger Nachrichtenmagazin berichtet in seiner morgigen Ausgabe von Barings Verpflichtung durch die Rechtsextremen.

"Ich fühle mich hinters Licht geführt", sagte Baring heute zu SPIEGEL ONLINE. Man habe ihm nur einen Ausschnitt des Programms präsentiert. Von Co-Rednern wie dem Brigadegeneral a.D. Reinhard Günzel und "Junge Freiheit"-Autor Stefan Scheil habe er nichts gewusst.

Günzel war vor drei Jahren aus der Bundeswehr entlassen worden, weil er dem CDU-Abgeordneten Martin Hohmann zu dessen als antisemitisch kritisierten Rede gratuliert hatte. Scheil ist unter anderem Referent der im Visier des Verfassungsschutzes stehenden Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft und Buchautor des stramm rechten Leopold-Stocker-Verlages. "Hätte ich das ganze Spektrum gesehen, hätte ich nicht zugesagt", sagt Baring, der unterdessen von seinem Engagement als Redner zurückgetreten ist. "Ich habe die Veranstalter für freundlich-bemühte Leute mit gutem Herzen gehalten."

Beim Schulverein will man nichts von Täuschung wissen. Munier sei zwar ein Mitglied des Vereins, man habe aber in eigener Regie eingeladen, erklärte der Geschäftsführer des Schulvereins, der namentlich nicht genannt werden möchte. Auch für Munier sind die Verhältnisse klar: "Ich lade zusätzlich meine Leser ein, bin aber nicht der Veranstalter und nehme auch keinen Einfluss auf das Programm", erklärte der Verleger.



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