Rechtsstreit Fürstin Gloria muss ihre Memoiren umschreiben

Gloria von Thurn und Taxis wird streichen müssen: Gegen ihre vor kurzem erschienene Autobiografie wurde eine Einstweilige Verfügung erlassen. In dem Buch schimpft die Aristokratin ehemalige Angestellte des Fürstenhauses "dahergelaufene Versager" - ein Titel, den sich die Familie eines Betroffenen nicht gefallen lassen will.


 Fürstin Gloria: Erst schimpfen, dann streichen
DPA

Fürstin Gloria: Erst schimpfen, dann streichen

Berlin/München - Künftige Auflagen der erst kürzlich veröffentlichten Biografie von Gloria von Thurn und Taxis werden in der bisherigen Form nicht mehr erscheinen dürfen: Die streitbare Fürstin muss bestimmte Passagen streichen. Das Berliner Landgericht erließ eine entsprechende Einstweilige Verfügung, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten waren Angehörige eines in dem Buch erwähnten und vor kurzem gestorbenen Managers vor Gericht gezogen. Der Manager hatte zwei Jahre lang bis 1990 für das Haus Thurn und Taxis gearbeitet.

Nach der Entscheidung des Landgerichts dürfen in dem Werk "Gloria - Die Fürstin" künftig keine Stellen mehr enthalten sein, die sich auf den Manager beziehen. Bereits ausgelieferte Exemplare könnten aber noch in der ursprünglichen Fassung verkauft werden, sagte die Sprecherin.

In der Begründung hieß es, das Buch verletze die Persönlichkeitsrechte der Kläger. Unter der Kapitelüberschrift "Das Komplott der Manager" beschimpft die Fürstin vier entlassene Manager ihres Mannes unter anderem als "dahergelaufene Versager". Die Manager hätten außerdem versucht, ihren Sohn Albert durch die Gründung einer Stiftung zu enterben. Ferner sei "alles, was die Manager anpackten", "Mist" gewesen. Äußerungen dieser Art waren der Fürstin bereits 1992 unter Androhung eines Ordnungsgelds von 500.000 Mark untersagt worden.

Anwalt Alexander Graf von Kalckreuth, der die Einstweilige Verfügung für zwei Söhne des gestorbenen Managers beantragt hatte, erklärte der Nachrichtenagentur dpa: "Die Entscheidung ist ein Signal. Die Ehre von integeren Persönlichkeiten darf nicht aus profanem Profitstreben mit Füßen getreten werden."

Der Münchner Heyne Verlag, der die Memoiren der Fürstin herausgibt, hatte gegen die Verfügung Widerspruch angekündigt. Gleichzeitig wies er die Beschuldigungen zurück, da die in dem Buch beschriebenen Manager nicht namentlich genannt worden seien.

In ihrer 400 Seiten starken Autobiografie "Gloria - Die Fürstin" gibt die 44-Jährige in Form eines Interviews Auskunft über ihre Kindheit, ihr Leben mit Fürst Johannes sowie die wirtschaftliche Sanierung des nach dem Tod ihres Mannes in Misskredit geratenen Thurn-und-Taxis-Imperiums.



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