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Reform der GEZ Neue deutsche Gebührenwelle

Massenmarkt Fernsehen: Künftig sollen alle Bürger für TV und Radio zahlenZur Großansicht
Corbis

Massenmarkt Fernsehen: Künftig sollen alle Bürger für TV und Radio zahlen

4. Teil: Was bedeutet die Neuregelung für die Sender?

Die Politik stärkt mit der Umstellung des Gebührensystems die Rolle von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Insgesamt verbergen sich dahinter elf Rundfunkanstalten mit weit mehr als einem Dutzend Haupt- und Spartensendern im Fernsehen sowie gut 70 Radiowellen.

Dass für sie nun auch diejenigen bezahlen sollen, die gar nicht am Rundfunk teilnehmen, ist ein weiterer Schlag für Verleger und Privatsender. Sie hätten sich vielmehr eine Schwächung der knapp 60-jährigen Tradition gewünscht. Zudem legt die Reform den Sendern keine inhaltliche Beschränkung auf. Dabei haben die Öffentlich-Rechtlichen ihre Aktivitäten zuletzt stark ausgeweitet - wie der Boom vieler Digitalkanäle von ARD und ZDF beweist. Hier fehlt der Politik offensichtlich der Mut, um richtig aufzuräumen.

Wie geht es weiter mit der GEZ?

Mutig sind die für das Medienrecht zuständigen Bundesländer an ganz anderer, recht zweifelhafter Stelle. Denn mit diesem Schritt zur Quasi-Rundfunksteuer avanciert der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Grunde zum Staatsfunk. Dennoch wird das System aber weiter mit dem Etikett der - qua Verfassung vorgeschriebenen - Staatsferne betrieben.

Auf diesem Kurs dürfte es sogar hilfreich sein, die GEZ als Institution zu halten - so unbeliebt sie sich bei der Bevölkerung auch gemacht haben mag. Sie zieht seit 1976 als Gemeinschaftseinrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender die Rundfunkgebühren ein, davor übernahm diesen Job die Deutsche Bundespost.

Für eine externe Einrichtung gibt es seit jeher gute Gründe: Wenn die Programme vom Grundsatz her keine Staatsbetriebe sein sollen, dann darf weder ein Einwohnermeldeamt noch ein Finanzamt oder irgendeine andere öffentliche Verwaltung das Geld der Allgemeinheit für sie einsammeln.

Schmaler Grat der Staatsferne

Viel wichtiger ist ohnehin eine ganz andere Frage: die nach der Unabhängigkeit der Aufsichtsgremien. Dass der etablierte Chefredakteur Nikolaus Brender auf Betreiben des Unions-dominierten ZDF-Verwaltungsrats im Frühjahr seinen Posten räumte, stellte die politische Objektivität der Gremien jüngst massiv in Frage. Damit wird sich bald auf Antrag der Grünen das Bundesverfassungsgericht befassen.

Die von CDU und SPD geführten Länder, die in den Gremien stark vertreten sind, haben das Problem nicht zufriedenstellend lösen können. Auch das zeigt, wie schmal der Grat der Staatsferne ist, auf dem die Länder wandeln, die mit ihren Staatsverträgen gleichzeitig die Existenzgrundlagen für ARD und ZDF in ihren Händen halten.

Einen anderen wichtigen Aspekt berücksichtigt die Medienpolitik hingegen mit der angedachten Umstellung des Gebührensystems gar nicht: Ein absolutes Werbe- und Sponsoringverbot für ARD und ZDF. Allein das Deutschlandradio ist bereits frei von Reklame. Doch eine Ausweitung wird es hier wohl nicht geben.

In den Staatskanzleien greift die Sorge um sich, bei einem Ausstieg aus der ohnehin schon reglementierten Werbung müsste die Gebühr um diese Einbußen erhöht werden - der Aufschlag könnte bis zu 1,40 Euro betragen. Der Systemwechsel soll aber auf keinen Fall teurer werden, die neue Haushaltsabgabe darf also die aktuellen 17,98 Euro nicht übersteigen.

Mit Material von apn

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insgesamt 1354 Beiträge
jj2005 09.06.2010
Eigentlich ist die Kopfsteuer unter Oekonomen so was von out. Aber die paläoliberale Koalition schreckt wirklich vor nix zurück... Abschaffung der GEZ ja, Finanzierung durch Steuern meinetwegen, aber Kopfsteuern sind seit einem [...]
Eigentlich ist die Kopfsteuer unter Oekonomen so was von out. Aber die paläoliberale Koalition schreckt wirklich vor nix zurück... Abschaffung der GEZ ja, Finanzierung durch Steuern meinetwegen, aber Kopfsteuern sind seit einem Jahrhundert als unsozial geächtet, und das zu Recht. Schickt die Mövenpick-Partei in die Wüste!!
DJ Doena 09.06.2010
Eindeutige Antwort: jein. Ja, weil letztendlich jeder irgendwo ein Empfangsgerät hat und es unfair erscheint, dass man sich drücken kann, wenn man nur dreist genug ist. Nein, weil einfach angenommen wird, dass die Leistungen [...]
Eindeutige Antwort: jein. Ja, weil letztendlich jeder irgendwo ein Empfangsgerät hat und es unfair erscheint, dass man sich drücken kann, wenn man nur dreist genug ist. Nein, weil einfach angenommen wird, dass die Leistungen des ÖRs tatsächlich so unverzichtbar sind, dass man sie jedem aufs Auge drücken muss, ob man das nun will oder nicht. Das Problem mit der GEZ ist das Gleiche wie mit allen Soldaritätsabgaben. In der Theorie muss man die Sinnhaftigkeit der Sache einer Mehrheit der Bevölkerung verständlich machen. In der Praxis ist die GEZ-Gebühr kein wirkliches Argument, um danach eine Wahl zu entscheiden. Also wird sie ohne wirkliche Diskussion einfach durchgedrückt. Ich persönlich finde den ÖR annähernd genauso schlecht wie die Privaten - und gucke keines von beiden. Mit der neuen Gebühr soll ich aber wieder zwangssolidarisch werden.
wika 09.06.2010
Daran hätte doch der Propagandist der ersten Stunde seine helle Freude gehabt. Wer hätte das gedacht, dass wir das noch erleben dürfen. Heute gibt es die Volksmeinung auf 200 Kanälen, alles mit demselben Nukleus und wer sonst als [...]
Daran hätte doch der Propagandist der ersten Stunde seine helle Freude gehabt. Wer hätte das gedacht, dass wir das noch erleben dürfen. Heute gibt es die Volksmeinung auf 200 Kanälen, alles mit demselben Nukleus und wer sonst als der dumme Bürger soll den Mist bezahlen? Ok, der Volksempfänger 1.0 hatte nur einen Kanal und nach der immer noch freiwilligen Anschaffung damals war keine weitere Zwangsgebühr fällig. Aber wir sind da natürlich, als aufgeklärte Gesellschaft einen Schritt weiter (am Abgrund). Vielleicht sollte man die GEZ-Kosten von der Krankenkasse im Rahmen „Gehirnwäsche“ voll, wenigstens aber anteilig übernehmen lassen. Oder doch besser die Abgabenquote gleich auf 100% erhöhen und dann all inclusive, nebst Hartz-IV?
Wizzoe 09.06.2010
Jetzt soll ich also wenigstens für die Verblödung meiner Mitmenschen bezahlen, wenn ich mich schon selbst nicht medial verblöden lasse. Tolle Sache, muss ich schon sagen. Was zu großen Teilen in den durch Gebühren finanzierten [...]
Jetzt soll ich also wenigstens für die Verblödung meiner Mitmenschen bezahlen, wenn ich mich schon selbst nicht medial verblöden lasse. Tolle Sache, muss ich schon sagen. Was zu großen Teilen in den durch Gebühren finanzierten Sendeanstalten gesendet wird, ist nunmal wirklich unter aller Sau. Von "Bildungsauftrag etc." keine Spur. Die wirklich guten Sendungen, die es nach wie vor gibt, wenn auch leider in viel zu geringer Zahl, laufen immer erst zu äußerst später Stunde. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Da soll doch nicht etwa die Verdummung der Gesellschaft vorangetrieben werden?!
albert schulz 09.06.2010
Politiker können nur Geld ausgeben, das sie nicht haben, und sie suchen Ausflüchte. Es kann kein gleichgeschaltetes staatliches Medienimperium geben. Mit ihrem Kopfgeld könnten sie das Öffentlch - Rechtliche hinrichten, weil es [...]
Politiker können nur Geld ausgeben, das sie nicht haben, und sie suchen Ausflüchte. Es kann kein gleichgeschaltetes staatliches Medienimperium geben. Mit ihrem Kopfgeld könnten sie das Öffentlch - Rechtliche hinrichten, weil es schlicht nicht verfassungskonform ist.
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Das Milliardenspiel der GEZ

Die GEZ führte zuletzt rund 42,5 Millionen Teilnehmerkonten mit 43 Millionen Radios, 37 Millionen Fernsehgeräten und 192.000 "neuartigen Rundfunkgeräten". Insgesamt verteilte sie 7,26 Milliarden Euro an die Sender. Davon erhielten die neun ARD-Anstalten insgesamt rund 5,35 Milliarden, das ZDF knapp 1,73 Milliarden und das Deutschlandradio circa 183 Millionen Euro. Für die GEZ, die in Köln sitzt, arbeiten derzeit etwa 1.100 Mitarbeiter. Hinzu kommen die "Gebührenbeauftragten", die im Auftrag der ARD-Sender im jeweiligen Sendegebiet nach Schwarzsehern fahnden und Fragen zur Gebührenpflicht beantworten.

Immer mehr Bürger lassen sich von der Gebührenpflicht befreien, weil sie arm sind und etwa Hartz-IV beziehen. Derzeit sind im Schnitt aller ARD-Anstalten zehn Prozent aller Gebührenzahler von der Fernsehgebühr befreit. In Berlin und Brandenburg, dem RBB-Sendegebiet, waren es jedoch fast 16 Prozent, gefolgt von Radio Bremen mit gut 15 Prozent. Vor allem im Südwesten Deutschlands lag die Befreiungsquote deutlich darunter: Am geringsten fiel sie mit 6,66 Prozent im Gebiet des Bayerischen Rundfunks (BR) aus, gefolgt vom Südwestrundfunk (SWR) mit 6,80 Prozent.







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