Hamburg/Berlin - Als der iranische Filmemacher Daryush Shokof im Mai für einige Zeit spurlos verschwand, hörte sich das an wie eine bizarre Agentengeschichte aus dem Kalten Krieg. Er sei entführt worden, berichtete der iranische Exil-Regisseur. Die Polizei dagegen teilte mit, es werde in alle Richtungen ermittelt. Die "Kölnische Rundschau" zitierte einen Ermittler, der es gar für möglich hielt, dass Shokof sein Verschwinden inszeniert hat: "Er hat große finanzielle Probleme". Shokof forderte daraufhin, die Untersuchung "in die richtige Richtung" zu führen.
Nun hat der Regisseur angekündigt, seinen regimekritischen Spielfilm "Iran Zendan" im Internet zu veröffentlichen. Die 70-minütige Produktion könne demnächst gegen einen geringen Betrag angesehen werden, sagte der 57-Jährige am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Berlin. "Iran Zendan" handelt von Misshandlungen politischer Gefangener in iranischen Gefängnissen. Ursprünglich hatte Shokof den Film in die Kinos bringen wollen.
Er wolle sich dem Mullah-Regime nicht beugen, erklärte Shokof. Der Regisseur, der in Berlin lebt, vermutet, von Anhängern des iranischen Regimes gekidnappt worden zu sein. Bereits vorher habe es einige außergewöhnliche Vorkommnisse gegeben. So sei in die Wohnung eines Freundes eingebrochen worden, der im selben Haus wie Shokof gewohnt habe, Shokofs Pass sei gestohlen worden und jemand habe ihm gesagt, dass sein Leben in Gefahr sei.
Am Abend des 24. Mai sei er dann von mehreren arabisch sprechenden Männern in ein Auto gezwungen, in eine Wohnung gefahren und dort mehrere Tage festgehalten worden. Laut Shokof warfen ihm seine Entführer vor, er beleidige mit seinen Filmen das islamische Regime und forderten ihn auf dafür zu sorgen, dass seine Filme nicht aufgeführt werden. Knapp zwei Wochen später tauchte Shokof wieder auf. Er vermutet, dass die große öffentliche Aufmerksamkeit zu seiner Freilassung führte.
sha/ddp
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