Regional-Presse Springer verkauft Zeitungen an Madsack

Käufer gefunden: Der Axel-Springer-Verlag verkauft seine Beteiligungen an mehreren norddeutschen Regionalzeitungen an die Hannoversche Verlagsgruppe Madsack - und sorgt damit für ein weiteres großes Beben im deutschen Pressemarkt.


Berlin/Hamburg - Weitere Flurbereinigung im deutschen Pressemarkt: Das Verlagshaus Axel Springer ("Bild", "Welt", "Berliner Morgenpost") verkauft seine Beteiligungen an verschiedenen Regionalzeitungen in Nord- und Ostdeutschland an die Verlagsgruppe Madsack.

Springer-Chef Döpfner: Trennt sich von Regionalblättern des Konzerns
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Springer-Chef Döpfner: Trennt sich von Regionalblättern des Konzerns

Wie der Konzern am Mittwoch in Berlin mitteilte, gingen die Springer-Anteile an den "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent), den "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), der "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent) und der norddeutschen Verlagsholding Hanseatische Verlags-Beteiligungs AG (23 Prozent) an die Verlagsgruppe aus Hannover.

Gleichzeitig übernehmen die "Lübecker Nachrichten" den Springer-Anteil an der "Ostsee-Zeitung" in Rostock (50 Prozent). Das Gesamtvolumen der Transaktionen betrage 310 Millionen Euro. Der Verkauf stehe allerdings noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden.

Dessen ungeachtet freut man sich bei Springer jetzt schon über den Deal. "Mit dem Verkauf der Minderheitsbeteiligungen konzentrieren wir uns noch konsequenter auf Investitionen in unsere eigenen Zeitungen, den multimedialen Ausbau unserer Marken und Akquisitionen neuer Online-Wachstumsgeschäfte", gab der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, den Kurs in Richtung Zukunft vor - und die soll offenbar, folgt man seinen Worten, vorrangig im Internet liegen.

Herbert Flecken, Vorsitzender der Geschäftsführung von Madsack, sagte laut Springer-Mitteilung wiederum, seine Verlagsgruppe stärke damit ihr Kerngeschäft im Tageszeitungs- und Anzeigenblattsektor "und auch die Position des Medienhauses Madsack im Norden".

Das ist treffend formuliert, denn Madsack ist im Norden der Republik breit aufgestellt. Das Haus verlegt bereits die "Hannoversche Allgemeine", die ebenfalls in der niedersächsischen Hauptstadt erscheinende "Neue Presse" und ist an einer Vielzahl von Regional- und Lokalblättern beteiligt, etwa in Celle, Göttingen und Hameln. Hinzu kommen diverse Beteiligungen an Rundfunksendern (Antenne Niedersachsen) sowie an TV-Unternehmungen (TIMM TV, AZ Media).

Mit dem Deal bewahrheiten sich Spekulationen vom Oktober vergangenen Jahres. Damals hatte das Branchenblatt "Kontakter" von entsprechenden Springer-Plänen berichtet. Als möglicher Abnehmer war damals allerdings auch noch die Essener WAZ-Gruppe genannt worden.

Der Verkauf der Springer-Zeitungen an Madsack ist bereits das zweite große Beben dieses Jahres im deutschen Regionalzeitungsmarkt. Erst vor wenigen Wochen hatte der umstrittene britische Medieninvestor David Montgomery seine deutschen Objekte ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", "Hamburger Morgenpost") an den Kölner Regionalzeitungsfürsten Alfred Neven DuMont verkauft.

tdo/ddp/dpa



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