Regisseur Dieter Wedel Abrechnung mit dem Urlaubs-Ärger

Nach "Semmeling“-Affäre und Hitler-Drama plant Dieter Wedel eine Mallorca-Komödie. Die privaten Ärgernisse des Erfolgsregisseurs auf der Urlaubsinsel könnten für besondere Authentizität des Drehbuchs sorgen.


Regisseur Wedel: "Seit drei Jahren lebe ich wie auf einer Großbaustelle"
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Regisseur Wedel: "Seit drei Jahren lebe ich wie auf einer Großbaustelle"

Hamburg - Die beliebte deutsche Ferieninsel wird nach unzähligen Filmen - von "Eine Liebe auf Mallorca" bis zu "Mallorca - die Suche nach dem Paradies" - wieder einmal Schauplatz von Dreharbeiten. Dennoch wolle er keine der üblichen hübschen Unterhaltungskomödie drehen, erklärt Regisseur Dieter Wedel. "Sonne, Liebe, Lust und Meer, und ein bisschen Ärger nebenher, das habe ich nicht vor", erklärte er gegenüber SPIEGEL ONLINE. Vielmehr will er den Aspekt "Ärger im Urlaub" in einer "bissig amüsanten Komödie" in den Vordergrund stellen. Was kein Wunder ist, denn zufälligerweise ist es Wedel selbst, der massive Klagen über das Leben auf der Ferieninsel vorzubringen hat.

"Seit drei Jahren lebe ich wie auf einer Großbaustelle" beschwert sich der 60-jährige Regisseur. Grund: Neben seinem schönen Anwesen auf Mallorca errichtete eine spanische Immobiliengruppe eine riesige Feriensiedlung. "Das war Nachbarschaftsterror mit massiver Luftverschmutzung und Lärmbelästigung", sagt Wedel. Ständig sei die Straße mit Bauwagen zugestellt gewesen, schon früh morgens hätten die Motorsägen gekreischt, bis spät abends die Rammböcke geknallt. Schmerzlich wurde ihm wohl bewusst, dass Mallorca eben doch im europäischen Ausland liegt. "Hier wurden so viele Bestimmungen missachtet, in Deutschland wären die Bauarbeiten untersagt worden", klagt der Wahl-Hamburger.

Irgendwann habe er dann gedacht, "das ist doch der perfekte Stoff für eine Komödie". Baulärm und andere Ferienprobleme gebe es auf der Insel schließlich genug. Sein Vorschlag kam an. Zusammen mit dem ZDF und wahrscheinlich einer englischen Produktionsfirma will er den Mallorca-Film Realität werden lassen, erklärt Wedel. Im nächsten Jahr will er das Drehbuch schreiben, 2005 sollen die Dreharbeiten beginnen. Nach seiner letzten Miniserie "Die Affäre Semmeling", die bei Kritik und Publikum durchfiel, widmete sich Wedel zunächst dem von Bernd Eichinger produzierten Hitler-Drama "Der Untergang".

Das Mallorca-Projekt hat sogar noch einen hübschen Nebeneffekt in Wedels eigener Sache: Der Anwalt des Regisseurs hat eine Schadensersatzklage gegen die spanische Immobiliengruppe eingeleitet - "wegen drei Jahren entgangenen Urlaubsgenusses." Die offensichtliche Verbindung zwischen geplantem Film-Sujet und Klage streitet Wedel nicht ab. "Natürlich ist es ganz nützlich, wenn alle Beteiligten wissen, dass es eine öffentliche Beobachtung gibt", erklärt er. Dennoch sei er sehr wohl in der Lage, die persönlichen Erfahrungen von dem späteren Film zu trennen.

Erzählen will er die Geschichte daher nicht aus der Sicht eines Immobilienbesitzers auf Mallorca. Die "Perspektive des Gastes, der nach Mallorca kommt, um einen schönen Urlaub zu erleben und sich ständig ärgert", sei wohl eher ansprechend für den Fernsehzuschauer, sagt Wedel. Und genau denen soll der Film ja auch gefallen.



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