Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Hat Gott als System versagt?

Eine Kolumne von

Wallbergkapelle in Bayern: Gott könnte vom Konsum verdrängt werden Zur Großansicht
REUTERS

Wallbergkapelle in Bayern: Gott könnte vom Konsum verdrängt werden

Religion wurde lange missbraucht, um zu unterdrücken. Dabei ist Gott doch einfach das Gute, das in unserem Inneren mit dem Bösen kämpft. Oder?

Heute möchte ich mit Ihnen über Gott reden. Also ich rede. Sie machen sich so Ihre Gedanken, wie immer.

Es gibt neben Teilchenphysik nur wenige Fachbereiche, die mich weniger interessieren und über die ich weniger weiß, als über die Religion. Jede.

Was ich mir, aufgrund meiner Faulheit mich zu informieren, immer unter Religion vorgestellt habe, ist, dass sie irgendwann nötig war, um die Menschen zu kontrollieren, zu regulieren, sie von Mord und Drogen abzuhalten. Eine Art Selbstregulativ. Durchaus sinnvoll in einer Zeit, in der es noch keine vernünftigen Gymnasien gab.

Später wurde die Religion immer wieder wunderbar missbraucht, von einer Art Gesetz und Philosophie wandelte sie sich zum Mittel der Unterdrückung, der Geschlechtertrennung. Heute beschreiben einfache Gemüter Gott gerne als: den Herrscher. Etwas wildere Geister erklären vage: Ich glaube an eine übergeordnete Kraft, die unsere Erde lenkt. Ich meine, sie erschaffen hat, ich meine... Damit meinen sie meist, dass es unerträglich wäre, wenn der Mensch so wäre wie die Tiere, die er in sich schiebt. Geboren, um zu sterben und dazwischen ein paar Würste verputzen.

Ein System von Gut und Böse

Das waren die low- und mittelprächtigen Ansätze, es muss aber noch philosophische Metaebenen geben, denn es gibt zu viele hochintelligente Theologen, Rabbis, Imame - und dass alle dasselbe meinen, wenn sie Gott meinen, liegt nahe. Vermutlich dasselbe wie ich, ich würde gerne mit Ihnen über Gott reden.

Ich stelle mir darunter die Metapher für das Gute vor. Die Moral in jedem Menschen. Die unter einem Haufen schlechter Eigenschaften begraben liegt, bei sehr vielen Menschen. Gott, das ist das Bewusstsein ein Teil zu sein, der ohne die anderen Teile unbedeutend ist. Gott ist das, was einen einhalten lässt, wenn man jemandem ins Gesicht schlagen will. Wenn man das Geld, das einem an der Kasse falsch herausgegeben wurde, einstecken möchte. Ist, was einen umkehren lässt, wenn man sieht, dass jemand auf der Straße hinfällt, oder einen nicht fremdgehen lässt, weil es einfach scheiße ist. Er ist Xavier Naid... kleiner Scherz.

Es ist der gute Teil, der mit dem Bösen kämpft und früher, als es kein Google gab, mussten eben einfache Gesetze her, um eine Ahnung von Gut und Böse zu geben. Heute ist es ein wenig unübersichtlicher geworden. Nein, ihr Pappnasen vom IS - der ab heute "Die mit dem kleinen Pimmel" heißt - töten ist nicht gut. Es ist das Böse gewinnen lassen. Elend bringen ist das Böse. Ihr werdet in der Hölle schmoren, in der Unendlichkeit, die ihr mit den größten Schmerzen eures vergangenen Lebens verbringen werdet.

Schnell Schaum vom Mund wischen und weiter in meinem rührend naiven, fast wagneresken Aufsatz der Suche. Das Beten schien mir immer sinnvoll als eine Art Meditation der Menschen, die an einen Gott glauben. Kirchen, Synagogen, Moscheen als Tempel der kurzfristigen Analyse des eigenen Standpunktes. Die großen Bücher der Weltreligionen irrelevant, weil sie unter Ausschluss der Hälfte der Menschheit entstanden sind.

Ja. So erkläre ich mir das mit dem Gott, und frage mich, bei ein paar Milliarden, die an das Gute in sich glauben, beten, um es zu festigen: Warum gibt es so viel Mist auf der Welt? Hat das System Gott versagt und ist Konsum nicht vielleicht doch der bessere Weg? Wie immer freue ich mich auf Ihre zahlreichen Anregungen, um die Welt besser zu verstehen.

Newsletter
Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle
Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 654 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Attila2009 26.12.2015
Gott ist eine Einbildung in unseren innersten Geflecht aus Neuronen die ständig mit der Realität von außen kämpft, sonst nichts. Man sollte die Ressourchen die dafür verschwendet werden anderweitig nutzen.
2. Schwierige Menschheit
stefan.mahrdt 26.12.2015
Eine schwindend geringe Minderheit glaubt in der Rückbesinnung, 500 Millionen Menschen sind in Reinkarnationen gefangen, 1,5 Milliarden Menschen leben dem nächsten Leben entgegen, 2,5 Milliarden Menschen gehören der größten Religion vor 2000 Jahren mit der Hinrichtung des Namensgebers entstanden. Viele Menschen leben mit dem Gott in sich ruhend. Schwierig.
3. Für mich als Christen...
griever 26.12.2015
eine sehr interessante und lesenswerte Betrachtung. Vielen Dank dafür. Frohes restliches Weihnachtsfest, Frau Berg
4. Falsche Frage!
ThomasGB 26.12.2015
Egal als was man sich Gott definiert, als mathematisches Abstraktum, als Gesamtheit von allem oder als alten Mann mit einem langen grauen Bart, die Frage ist und bleibt daran gemessen dennoch unsinnig. Warum? Ganz einfach: Versagen ist immer in Relation zu einem Anspruch zu verstehen. Es ist aber Ihr Anspruch den Sie an Ihren Gott stellen. Deshalb machen Sie den Fehler. Hat die Natur versagt, weil sie den Menschen hervorgebracht hat? So'n Kork.
5. Atheist bin ich schon immer
wo_st 26.12.2015
Frau Berg, wenn man nicht glaubt, dann hat man auch keine Hölle. Damit verschwinden die IS im Nichts, egal was sie angestellt haben. Natürlich ohne jegliche Jungfrau, die einer der IS im Jenseits erwartet. Natürlich gibt es auch kein Jenseits, das ist einfach logisch.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Sibylle Berg

Anzeige
  • Bei Amazon auf der Autorenseite von Sibylle Berg finden Sie eine Übersicht über die Bücher der Autorin.
  • Hier geht es zu Amazon.

Facebook

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: