Reporter-ohne-Grenzen-Bericht Zahl entführter Journalisten deutlich gestiegen

Die Angriffe auf Journalisten sind 2014 brutaler geworden: Zu diesem Schluss kommt die Organisation Reporter ohne Grenzen in ihrem Jahresbericht. Insbesondere die Zahl der Entführungen hat stark zugenommen.

Journalist Steven Sotloff (mit schwarzem Helm): Vom IS entführt und getötet
Getty Images

Journalist Steven Sotloff (mit schwarzem Helm): Vom IS entführt und getötet


Journalisten müssen nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen immer öfter damit rechnen, während ihrer Arbeit entführt zu werden. Im zu Ende gehenden Jahr hat die Organisation erneut deutlich mehr Entführungen von Journalisten weltweit gezählt als im Vorjahr. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten "Jahresbilanz der Pressefreiheit" (hier als PDF-Datei) hervor.

Mehr als verdoppelt hat sich demnach die Gesamtzahl der Journalisten (139) und Bürgerjournalisten (20), die vor Drohungen, Gewalt oder staatlichen Repressalien ins Ausland fliehen mussten. Den Angaben zufolge wurden 66 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet sowie 19 Bürgerjournalisten und elf Medienmitarbeiter - fünf weniger als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Entführungen sei dagegen um 37 Prozent auf 119 Fälle angestiegen, vor allem in der Ukraine, in Libyen und in Syrien. Demnach gab es in der Ukraine 33 Entführungen, in Libyen 29 und in Syrien 27. 40 Journalisten sind den Angaben zufolge weiter in der Gewalt ihrer Entführer.

"Barbarischer Sinn für Propaganda"

Der Bericht unterstrich, dass neun von zehn Opfern ortsansässige Journalisten sind. "Von den 22 Journalisten, die derzeit in Syrien von bewaffneten Gruppen festgehalten werden, sind 16 Syrer. Alle acht Journalisten, die derzeit im Irak als Geiseln gehalten werden, sind Iraker", erklärten die Reporter ohne Grenzen. Weltweit waren demnach am 8. Dezember 178 Journalisten in Haft - dieselbe Zahl wie im Jahr zuvor. Mit 33 inhaftierten Reportern führt China die Statistik an, gefolgt von Eritrea (29) und dem Iran (19).

"Die hohen Zahlen von Entführungen und Journalisten auf der Flucht zeigen, dass die Gefahren für Medienschaffende weltweit keineswegs geringer geworden sind", sagte Vorstandssprecherin Astrid Frohloff.

"Selten zuvor ist der Tod von Reportern mit einem so barbarischen Sinn für Propaganda inszeniert worden", heißt es in dem Bericht. Besonders die Ermordung von James Foley und Steven Sotloff vor laufender Kamera durch die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) verdeutliche die Gefahren für Journalisten in Konfliktgebieten.

Die "Reporter ohne Grenzen" hoben den Fall der 70-jährigen Chinesin Gao Yu hervor, die Ende April festgenommen wurde, weil sie angeblich ein internes Dokument der Kommunistischen Partei an eine ausländische Nachrichtenseite weitergab. Sie verwiesen auch auf den Fall des saudi-arabischen Bloggers Raef Badawi, der wegen "Beleidigung des Islam" zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt wurde. Er wurde mit dem diesjährigen Press Freedom Prize der Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet.

feb/dpa/AFP

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sick.puppet, 16.12.2014
1. rest der welt?
da fragt man sich doch was genau der rest der welt ist? warum wurden die länder die unter "rest der welt" fallen nicht namentlich genannt?
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