Reporter ohne Grenzen Kuba ist "größtes Journalistengefängnis"

In Nordkorea und Kuba wird die Freiheit der Medien stärker unterdrückt als in allen anderen Ländern der Welt. Nach Angaben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" werden in beiden Ländern unabhängige Journalisten systematisch verfolgt und eingesperrt.


Kubanischer Präsident Fidel Castro (bei einer Rede in Havana): Größtes Journalisten-Gefängnis der Welt
AP

Kubanischer Präsident Fidel Castro (bei einer Rede in Havana): Größtes Journalisten-Gefängnis der Welt

Berlin - Kuba sei mit 26 inhaftierten Reportern das weltweit "größte Gefängnis für Journalisten". Dies ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Studie über die Medienfreiheit in 164 Staaten, die von der Organisation "Reporter ohne Grenzen" durchgeführt wurde. An oberster Stelle der Rangliste stehen skandinavische Länder, Deutschland kommt auf Platz acht.

Allein acht der zehn untersten Plätze belegten asiatische Staaten. In Laos, China, Vietnam, Iran und Turkmenistan seien die Medien strenger staatlicher Kontrolle ausgesetzt. Journalisten, die sich nicht an die Vorgaben der Behörden hielten, riskierten Verhaftung, Gefängnisstrafe oder müssten ins Ausland flüchten, heißt es in der zum zweiten Mal veröffentlichten Bilanz.

Mit Platz 31 für die USA und 45 für Israel schneiden beide Länder relativ gut ab. Wegen der Einschränkung der Pressefreiheit bei militärischen Einsätzen außerhalb der Landesgrenzen rutschen beide Länder aber auf die Plätze 135 (USA) und 146 (Israel), wenn nur die Situation der Medien im Irak beziehungsweise in den besetzten Palästinenser-Gebieten berücksichtigt wird.

Grund seien Übergriffe auf Journalisten durch die israelische Armee in den besetzten Gebieten und die Verantwortung des amerikanischen Militärs für den Tod mehrerer Reporter im Irak. Mit der zweifachen Nennung der beiden Länder solle exemplarisch gezeigt werden, wie unterschiedlich sich die Pressefreiheit in den besetzten Gebieten im Vergleich zu der Situation in den Besatzungsländern Israel und USA entwickle.

Ganz oben auf der Liste stehen wie im Vorjahr vier europäische Länder. Finnland, Island, Norwegen und die Niederlande teilen sich den ersten Rang. Wegen des Interessenkonflikts mit dem Regierungschef und Medienunternehmer Silvio Berlusconi belegt Italien Platz 53. Spanien steht wegen der schlechten Arbeitsbedingungen für Journalisten im Baskenland auf Platz 43. Auf Grund des veralteten Verleumdungsgesetzes kommt Frankreich in der Rangliste nur auf Platz 26.

Für die Studie wurden Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Verteidiger der Menschenrechte über die Lage der Medien zwischen September 2002 und September 2003 befragt. Insgesamt wurden 164 Länder in der Liste berücksichtigt.



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