30. Januar 2013, 16:08 Uhr

Reporter ohne Grenzen

Pressefreiheit? Deutschland nur Mittelmaß

Deutschland ist in der jährlichen Rangliste von Reporter ohne Grenzen um einen Platz abgerutscht und auf Platz 17. Hauptgründe: die abnehmende Medienvielfalt und die wachsende Macht von Unternehmen und PR-Agenturen.

Hamburg/Berlin - Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat ihr jährliches Ranking der Pressefreiheit veröffentlicht. Deutschland befindet sich mit seinem 17. Platz im europäischen Mittelmaß und liegt hinter Tschechien, Irland, der Schweiz, Jamaika und Österreich. Vor allem die abnehmende Medienvielfalt sei problematisch, so Reporter ohne Grenzen. "Aus Geldmangel arbeiten immer weniger Zeitungen mit eigener Vollredaktion, mehrere Redaktionen wurden 2012 komplett geschlossen."

Ein weiterer Grund für die Verschlechterung ist laut Analyse der Journalisten-Organisation, dass Unternehmen und PR-Agenturen verstärkt in die deutsche Berichterstattung eingreifen und mehr Geld investieren um eigene Inhalte in den Medien unterzubringen. Positiv hervorzuheben sei aber ein neues Bundesgesetz vom August 2012, das Journalisten stärker vor Durchsuchungen schützt.

Auch Griechenland stürzte ab und landet im aktuellen Ranking auf Platz 84. 2011 lag es noch auf Platz 70. Damals sahen sich Kameraleute und Fotografen gezwungen, unter kriegsähnlichen Bedingungen über die Krisenproteste zu berichten, heute leidet die Pressefreiheit hauptsächlich unter extremistischen Gruppen und der Polizei, die immer häufiger Übergriffe auf Journalisten verüben.

Am dramatischsten verschlimmerte sich die Situation laut Bericht in Mali (Platz 99): Seit den Unruhen im März 2012 stünden in dem Land, das einst als einer der Vorreiter der Pressefreiheit in Afrika galt, Zensur und gewaltsame Übergriffe auf Journalisten an der Tagesordnung. In Japan ist die restriktive Informationspolitik im Gefolge der Atomkatastrophe von Fukushima für einen Absturz um 31 Plätze verantwortlich.

Finnland führt auch in diesem Jahr die Rangliste an. Gemeinsam mit den Niederlanden und Norwegen behauptete es sich in dem weltweiten Vergleich von 179 Staaten und Regionen bis Ende November 2012. Am Schluss der Rangliste sind unverändert Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan.

jud


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