Rezensionen im Internet Gericht entscheidet für Perlentaucher

Unsere Rezensionen gehören uns! So hatten zwei große deutsche Tageszeitungen argumentiert und das Online-Kulturmagazin Perlentaucher verklagt. Ein Gericht wies ihre Klage jetzt ab - und stärkt damit das Zitatrecht im Internet.


Frankfurt am Main - Der Perlentaucher, der auch Kooperationspartner von SPIEGEL ONLINE ist, wird auch weiterhin verkürzte Buchrezensionen wiedergeben dürfen. Mit dieser Entscheidung hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Dienstag eine Berufung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" gegen ein Urteil des Frankfurter Landgerichts zurückgewiesen.

Das Kulturmagazin Perlentaucher, seit 2000 online, erstellt neben eigenen Artikeln eine tägliche Presseschau, die einen Überblick über die wesentlichen Inhalte der Zeitungsfeuilletons verschafft. Auch die Buchkritiken werden zu Abstracts zusammengefasst - und an Internetbuchhändler wie buecher.de verkauft. Die beiden Zeitungsverlage hatten sich gegen diese Praxis gewehrt, waren aber bereits in einem ersten Urteil unterlegen.

Das Gericht entschied nun, dass "ein generelles Verbot von Abstracts" schon deshalb nicht ausgesprochen werden könne, "weil die öffentliche Beschreibung des Inhalts eines Werkes nach dessen Veröffentlichung grundsätzlich jedermann zustehe", sofern die Originalrezension nicht unzulässig bearbeitet werde. Dagegen liege in der Komprimierung der Rezensionen seitens der Perlentaucher-Redaktion sogar eine "schöpferische Leistung", wie das Gericht hervorhob.

Thierry Chervel, Herausgeber des Perlentauchers, fühlt sich nun in seiner Rechtsauffassung bestätigt. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte er: "Ich glaube, dass das Urteil für die Internetöffentlichkeit von großer Bedeutung ist, denn es bestätigt, dass man etwas, das veröffentlicht wurde, auch öffentlich resümieren darf."

Die Gegenseite zeigte sich dagegen enttäuscht. "Nach dem Verlauf des Berufungsverfahrens und insbesondere der mündlichen Verhandlung vor dem OLG Frankfurt ist das Urteil für uns überraschend", sagte "FAZ"-Justitiar Claas-Hendrik Soehring auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp. Das Urteil stelle "eine Niederlage für alle Urheber" dar. Der Senat des Frankfurter OLG hat allerdings eine Revision zugelassen, bis dahin ist die Entscheidung nicht rechtskräftig.

tdo/dpa/ddp



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