Rezept aus Costa Rica Erst Nationalgericht, dann Nationalmannschaft

Bevor im Viertelfinale der Fußball-WM die Kicker Costa Ricas gegen die Niederlande antreten, gibt es hier das Rezept für das Nationalgericht der Mittelamerikaner: Gallo Pinto mit Bohnen und Reis - auch für Veganer köstlich.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Wenn es an die Töpfe geht, sind sich Costa Rica und die Niederlande ähnlicher als die Mannschaften das vielleicht wahrhaben wollen: Beide Länder haben kaum eine wirklich eigene Küche entwickelt; das Essen ist stärker von externen Einflüssen geprägt. Sind es in den Niederlanden neben den autochtonen Poffertjes, den eher deutsch geprägten Kohl-Eintöpfen (Stamppot Boerenkool) oder den cross-nordischen Matjes eher die Prägungen ehemaliger Kolonien in Indonesien, West- und vor allem Südafrika, die für kulinarische Spannung sorgen, vereint das Alltagsessen in Costa Rica gustatorische Traditionen der nahen Karibikinseln, Afrikas, Südamerikas und der spanischen Halbinsel.

Gemüse findet in dem Land zwischen den großen Weltmeeren, in dem mehr überirdisch leckeres Obst vor sich hinreift, als wahrscheinlich ganz Mittel- und Lateinamerika zusammen verputzen könnte, erst in den letzten Jahren Einzug, vor allem, weil Touristen mit Gemüse versorgt werden wollen. Basis der costa-ricanischen Kalorienzufuhr aber bildet seit eh und je "Gallo Pinto", die Kombination aus Reis und schwarzen Bohnen, die in ihrer Frühstücksvariante auch auf unserer heutigen "Tageskarte" steht.

Diese Nationalspeise wird deutlich milder gewürzt als bei den Chili-versessenen Nord-Nachbarn in Mexiko und mit dem ergänzt, was es gerade gibt: an guten Tagen mit Fisch oder Meeresfrüchten, die trotz der mehr als tausend Kilometer Küstenlinie des Staates für die Einheimischen sehr teuer sind, weil das meiste davon exportiert wird; Fleisch von Huhn, Schwein oder Ziege an fast so guten Tagen, frittierte Bananenscheiben an den restlichen. Und wer keine Scheu vor Rindermagen hat, findet im Kutteleintopf "Mondongo" eine schmackhafte Entsprechung zu der französischen Spezialität "Tripes à la mode de Caen", bei der die Kaldaunen stundenlang in Calvados, Brühe und Cidre geschmort werden.

Pikant bis herzhaft vorbereitet und besoßt

Und dann wird in Costa Rica natürlich wie überall auf der Welt, wo es draußen wärmer als 20 Grad ist, gegrillt bis der Arzt kommt. Diese BBQ-Obsession findet man in der gesamten Karibik, mit der sich Costa Rica auch kulinarisch mehr teilt als nur das warme West-Atlantikwasser. Das wird zum Beispiel beim Blättern durch das farbenfrohe Buch des britisch-jamaicanischen Sängers und Hobbygrillers Levi Roots sofort klar, bei dem der Titel Programm ist: "Karibik-Küche: Grill it · Bake it · Shake it"* zeigt, was man in karibischen Gestaden so alles auf den Rost hauen kann (alles), wie man das herzhaft bis pikant vorbereitet und besoßt (Solomon-Gundy-Dip, Erdnuss-Chili-Dip, Mango Pickles, Bananenketchup und gefühlte hundert Sorten Jerk-Marinaden) und womit man das am Ende runterspült (jamaikanischer Daiquiri; Colada-Smoothie).

Sehr fein und auch jedes heimische Sommergrillfest nicht nur mit der beigelegten Reggae-CD von Levi bereichernd, sind dazu die wunderbar frischen Dessertideen (teilweise ebenfalls vom BBQ-Rost) sowie die knackig-karibischen Beilagen mit Gemüsen und süß-scharfen Salaten. Ein Reisgericht mit Bohnen ist natürlich mit dabei, wie beim "Gallo Pinto" mit Zwiebeln, Knoblauch und frischem Koriander, allerdings angereichert mit Mango und Cashewkernen.

Auch die costa-ricanische Reis-Bohnen-Tradition erträgt allerlei Abwandlungen, wesensbildend ist eigentlich nur der namensgebende Farbkontrast der schwarzen Bohnen auf dem weißen Reis - "Gefleckter Hahn". Der muss - vor allem, wenn man am Nachmittag noch ein hammerhartes Fußballspiel zu bestreiten hat - gar nicht unbedingt mit fettem Fleisch gegessen werden, schließlich bringt auch die vegetarische Variante ausreichend wertvolles pflanzliches Eiweiß in den Kickerkörper.

Vielleicht lassen sich die Costas am Morgen noch ein paar Eier dazu braten, in der "Tageskarte"-Version aber werden Hühner und Gockel weder ihrer Eier noch ihres Lebens beraubt. Im Gegenteil: unser geflecktes Federvieh ist sogar für Veganer eine sättigende leckere und wertvolle Mahrzeit.

Fast so wertvoll also wie die Rindermagensuppe.


Buchhinweis:
Levi Roots: Karibik-Küche: Grill it· Bake it · Shake it. Aus dem Englischen von Helmut Ertl. Dorling Kindersley, München; 208 Seiten; 19,95 Euro.



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Seite 1
eaglereno 05.07.2014
1.
Seit wann gibt es eine spanische Halbinsel? Wird den Portugiesen kaum gefallen.
Layer_8 05.07.2014
2. Schönes Rezept
Zitat von sysopPeter WagnerBevor im Viertelfinale der Fußball-WM die Kicker Costa Ricas gegen die Niederlande antreten, gibt es hier das Rezept für das Nationalgericht der Mittelamerikaner: Gallo Pinto mit Bohnen und Reis - auch für Veganer köstlich. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/rezept-aus-costa-rica-veganes-bohnen-reis-gericht-gallo-pinto-a-979092.html
und ich persönlich würde in den Reis noch frische Kokosraspeln zugeben. Und immer süße Bananen statt dröge Kochbananen (mit etwas Chili gewürzt). Ist halt auch ein sehr variables Rezept :-)
FrieFie 05.07.2014
3.
Zitat von sysopPeter WagnerBevor im Viertelfinale der Fußball-WM die Kicker Costa Ricas gegen die Niederlande antreten, gibt es hier das Rezept für das Nationalgericht der Mittelamerikaner: Gallo Pinto mit Bohnen und Reis - auch für Veganer köstlich. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/rezept-aus-costa-rica-veganes-bohnen-reis-gericht-gallo-pinto-a-979092.html
Da heisst es noch im Text, dass der Costa Ricaner dazu natürlich Eier, Fisch oder Fleisch isst, und in jedem auffindbaren Rezept wird darauf hingewiesen, dass man gerne noch ein paar Gemüse verwenden kann ... und dann bekommt man eine Rezept-Variante, die 1. nicht stimmt (der Reis sollte vom Vortag sein, damit er nicht zu feucht ist) und 2. alles weglässt, was daraus ein originelles Rezept machen würde. Einzig "originell" ist das vollkommen untypische getrennte Servieren von Bohnen und Reis: im Original wird beides im Topf vermischt. Immer. 3. Sonst gart Wagner auch das Gemüse gerne in Fleischbrühe - hier auf einmal eine vegane Variante zu präsentieren, macht umso weniger Sinn. 4. Sollten die Rezepte doch extra am Sonnabend präsentiert werden, damit man sie gleich nachkochen kann. Nun muss man aber Bohnen und Reis am Vorabend vorbereiten, wenn man halbwegs am Original bleiben möchte. Sicher gäbe es originelle Varianten eines so einfachen Nationalgerichtes ... diese ist aber weder Nationalgericht, noch originell.
PriseSalz 05.07.2014
4. Guaro
heißt das Zeugs, nicht Guero. Ist eigentlich ein allgemeiner Begriff wie 'Schnaps', wird aber meist auf einen klaren Zuckerrohrschnaps (Hausmarke: Cacique) bezogen.
soeller@norak.com 05.07.2014
5.
Netter Artikel aber die "costas" nennen sich "ticos"
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