Super-Steak aus den USA: So werden Sie zum Flankengott

Von Hobbykoch

2. Teil: Rezept für Flank-Steak mit Ofenkartoffelsalat und Mixed Pickles (Hauptgericht für 4 Personen)

Flank-Rezept: Bauchlappen zum Verputzen Fotos
Peter Wagner

Vorbereitungszeit: 30 Minuten

Zubereitungszeit: 2,5 Stunden

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Zutaten

Flank-Steak
1 Stück chinesische Knoblauchzehe
3 Zweige frischer Rosmarin
75 ml Olivenöl
800 g Flank-Steak (aus dem Rinderbauchlappen; franz.: Bavette de flanchet)*
1 TL schwarzer Pfeffer aus der Mühle
4 EL Erdnussöl (oder Rinderfett)
1 EL Maldon Sea Salt (Salzflakes aus England; alternativ: fleur de sel)

Ofenkartoffelsalat
600 g kleine Ofenkartoffeln
3 EL Butterschmalz
1 Prise Salz und Pfeffer aus der Mühle
1 EL Puderzucker

3 EL Bio-Rapsöl
2 EL Kräuteressig
1 EL Mirin (japanische Reis-Süße)
1 Prise Salz und Pfeffer aus der Mühle

Mixed-Pickles-Texturen
200 ml Einlegeflüssigkeit von Mixed Pickles (aus dem Glas)
300 ml trockener Weißwein
50 ml Weißweinessig (kein Balsamico)
100 ml Geflügelfond

5 Stück flache Zwiebeln (süßliche Sorte wie z.B. Piatta di Bergamo, Borretana oder Bianca Precoce Marzatica)
1 Stange Bleichsellerie
1 Stück sehr dicke Karotte
3 Stück große Blumenkohl-Röschen
1 Stück Maiskolben (vorgegart)
1 Scheibe rote Paprikaschote aus dem Mixed-Pickles-Glas
5 Stück Radieschen

300 g Mayonnaise (z.B. aus dem Ei-frei-Rezept)
1 EL kalt gepresstes Haselnussöl

Zubereitung

Flank-Steak
Am Vortag das Gewürzöl vorbereiten, die Kartoffeln backen und die Pickles einlegen. Alles über Nacht im Kühlschrank lassen.

Für das Gewürzöl den Knoblauch häuten und in Scheiben schneiden. Rosmarinzweige mit Schere klein schneiden. Olivenöl in Topf leicht erhitzen, Knoblauch und Rosmarin darin 3 Minuten dünsten. Darauf achten, dass die Knoblauchscheiben nicht aneinander kleben. Gewürzöl abkühlen lassen.

Das Steak 2 Stunden vor Kochbeginn aus der Vakuumverpackung nehmen, unter fließendem Wasser abwaschen, mit Krepp trockentupfen und auf Teller Zimmertemperatur annehmen lassen.

Flank-Steak parieren (sichtbares Fett entfernen), gut einpfeffern und ringsherum mit dem Knoblauch belegen. In große Vakuumiertüte geben, Öl mit dem Rosmarin einfüllen und fest vakuumieren. Im Wasserbad 2,5 Stunden Sous Vide garen: Wenn ein Thermalizer zur Verfügung steht, bei 58,5 Grad Wassertemperatur. Im Backofen in großem Topf bei circa 60 Grad Wasser- und Ofentemperatur. Beutel beschweren, er muss unter Wasser bleiben. (Alternativ kann das Flank in einem exakten Wasserbad auch 12 Stunden bei 58 Grad gegart werden.)

Nach der Garzeit Fleisch aus Beutel nehmen, alle Gewürze abstreifen, Fleisch mit Krepp trocknen. Erdnussöl (noch besser: Rinderfett) in unbeschichteter Pfanne bis zum Rauchpunkt erhitzen, Fleisch von beiden Seiten je 40 Sekunden darin braten (evtl. Fleisch gegen die Faser mittig teilen, wenn es nicht in die Pfanne passt). Fleisch sofort herausnehmen, in Alufolie einwickeln und 5 Minuten im 60 Grad warmen Ofen ruhen lassen. Tipp: Das Fleisch kann im Beutel auch bei maximal 60 Grad im Wasserbad weitere 2-3 Stunden auf Stand-by gehalten werden

Ofenkartoffelsalat
Die Kartoffeln sorgfältig waschen und trockentupfen. In ofenfester Pfanne das Fett stark erhitzen, Kartoffeln 5 Minuten anbraten. Mit Salz, Pfeffer und gesiebtem Puderzucker würzen und bei 180 Grad (keine Umluft) im Backofen gar backen (circa 30 Minuten). Herausnehmen und abkühlen lassen. (Tipp: Es eignen sich auch Backkartoffeln vom Vortag, zum Beispiel als übrig gebliebene Beilage zu Grünkohl.)

Vor dem Servieren Kartoffeln mittig teilen. Öl, Essig, Mirin, Salz & Pfeffer und den reduzierten Mixed-Pickles-Sud (bis auf 5 EL, die für die Creme gebraucht werden) gut mischen, Kartoffeln darin 30 Minuten marinieren.

Mixed-Pickles-Texturen
Am Vortag oder am Vormittag Pickles-Flüssigkeit, Wein, Essig und Fond zusammen aufkochen, heiß halten.

Zwiebeln häuten und horizontal in 5-6 mm dicke Ringe schneiden. Sellerie schälen und in 2 cm dicke Diagonalstreifen schneiden. Karotte putzen, quer halbieren und mit Buntschneidemesser (Zickzack-Messer) in dünne geriffelte Halbmonde schneiden. Aus den Blumenkohlröschen von der Mitte aus dünne Scheiben schneiden. Maiskolben auf der Aufschnittmaschine in 1 cm dünne Scheiben schneiden. Pickles-Paprika in hauchdünne Streifen schneiden. Radieschen dünn hobeln.

Zunächst die Zwiebeln im Pickles-Sud 8 Minuten kochen, mit Schaumlöffel entnehmen. Sellerie 12 Minuten kochen, entnehmen. Karotte und Blumenkohl gemeinsam 10 Minuten im Sud kochen, entnehmen. Maiskolben 6 Minuten im Sud kochen, entnehmen. Alles in der Hälfte des Suds (z.B. über Nacht) auskühlen lassen.

Den Rest des Pickles-Fond bei mittlerer Hitze auf 100 ml reduzieren. Für die Creme die Mayonnaise mit dem Haselnussöl und 5 EL der reduzierten Mixed-Pickles-Flüssigkeit mit Schneebesen aufschlagen. Rest der Sudreduktion für die Kartoffeln aufheben.

Anrichten

Pickles-Mayo in vier kleine Schüsselchen verteilen und mit ein paar klein geschnittenen Pickles dekorieren. Kartoffeln aus der Marinade nehmen und dekorativ auf den Tellern mit den Pickles und den Radieschenscheiben anrichten. Maisscheiben halbieren und senkrecht auf die Teller stellen.

Alternativ können Salat und Creme auch in Schüsseln zum Selbstbedienen serviert werden.

Erst wenn alles fertig angerichtet ist, das Fleisch aus der Folie nehmen, mit sehr scharfem Messer (oder Elektromesser) quer zur Faser in dünne Streifen schneiden, auf Teller drapieren, mit den Maldon Flakes bestreuen und möglichst rasch servieren.

Küchen-Klang

Nein, die "Stille Nacht" blasende Blockflötengruppe darf trotz Heiligabend nicht in die Küche, dort hören wir zum Pickles-Marinieren spannendere Weihnachtsmusik: Schon im dritten Jahr hat der schwedische Posaunist Nils Landgren diverse Jazz-Freunde um sich geschart, um festliche Lieder aus ganz Europa zu verjazzen - in diesem Jahr interpretieren auf "Christmas With My Friends III" (ACT) Ida Sand am Klavier, die Bassistin Eva Kruse, der Saxer Jonas Knutson und einige andere aus dem Landgren-Umfeld Eigenkompositionen und Traditionelles bis hin zu Händels "Tochter Zion".

Getränketipp

Zu Steak passt generell jeder trockene und nicht zu leichte Rotwein - allerdings hätten viele Tropfen erhebliche Probleme mit der straffen Säure unserer Pickles-Begleitung. Doppelt gut harmoniert deshalb der 2010 Panamera Fine Wine Cuvée California*: Als US-Gewächs auch räumlich dem Land, aus dem unser Fleisch-Cut stammt, nahestehend, bringt dieser auf schöne Art modern-gefällig vinifizierte Sonnenschein-Merlot (mit knapp 10 Prozent Cabernet Sauvignon) genügend Gaumengeschmeichel, Weichheit und Himbeerigkeit ins Glas, um gegen den Essensessig anstinken zu können.


*Bezugsquellen:
Flank-Steak;
2010 Panamera Fine Wine Cuvée California.

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Aus den USA?
Klothilde Stubenrein 23.12.2012
Flank steak ist - wie vieles - keine Erfindung aus den USA. In England gibt es das schon seit Menschengedenken. Woher haben Journalisten ihr oftmals dürftiges Wissen?
2. Tipp
taubenvergifter 23.12.2012
Heißer Tipp. Einfach mal Balsamico beim Salat weglassen und das Gänseblut stattdessen nehmen. Ein Hit. Gerade zu Weihnachten.
3. Preiswert?
stevowitsch 23.12.2012
Zitat: "...Teil des Rinderbauchlappens, kostet nicht die Welt (unter 20 Euro das Kilo)...". Und dann klickt man auf den link zur Bezugsquelle, und findet da einen Kilopreis von 38,.Euro.
4. fresst noch mehr Fleisch!
inecht 23.12.2012
am besten welches, das erst um den halben Planeten gekarrt werden muss. wie doof dürfen Menschen sein?
5. Mein Gott...
buzzaway 23.12.2012
...klingt das alles göttlich lecker! Aber selbst wenn ich es mir zutraue, diese Speise auch ohne Therminator, oder wie das Ding heißt, zuzubereiten, wie, um alles in der Welt, soll ich denn noch einen Tag vor Heiligabend ein Stück Flank auftreiben?? An der Fleischtheke im Supermarkt würde ich verständnislose Blicke ernten und auf dem Wochenmarkt am Fleischstand genauso! Und für den beworbenen Otto-Versand reicht die Zeit ja auch nicht mehr. Also bitte solche Sachen etwas früher! Frohe Weihnachten!
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Zum Autor
Foto: Gunter Glücklich
Der in Hamburg lebende Autor Peter Wagner, Jahrgang 1960, kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnibbeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der hauptberufliche Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Weitere Wagner-Rezepte finden Sie auf seiner Männerkochseite www.kochmonster.de

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