Von Hobbykoch Peter Wagner
Fällt er schon wieder ins Wasser, der Grillsommer? Nun, so wie er mit Eisheiligen und nicht minder nassforscher Schafskälte begann, kann es kein Fehler sein, zum Einweg-Grill noch einen dicken Pullover samt Regenschirm in den Kofferraum zu legen. Immerhin bleibt durch den zähen Saisonstart genug Zeit, sich durch die aktuellen Neuerscheinungen zum Thema Nahrungszubereitung auf heißen Rosten zu lesen.
Die ganz dicken Dinger gleich zu Beginn: "Das Große Smoker-Buch" von Rudolf Jaeger und Karsten Aschenbrandt (bei dem Namen kann grilltechnisch eigentlich nichts mehr schief gehen) zeigt nicht nur Dampflokomotiv-große Riesen-Smokergeräte auf dem Cover, es erklärt auch klug Geschichte, Gegenwart und Gebrauch dieser aus den USA stammenden Mega-BBQs, bei denen aus einer seitlich montierten Feuerbox gut regelbar Heißrauch in den eigentlichen Gar-Raum zieht. Das macht Langzeit-Grillen auch von mächtigen Fleischeinheiten wie Gänsen, Schinken oder sogar Brisket möglich - die über Stunden gegarte Rinderbrust. Sonst eines der zähesten Rinderteile und eigentlich nur für die Suppe zu gebrauchen, endet es beim Smoking außen wie ein verkohlter Baumstumpf aussehend, innen aber als butterzarter Highend-Braten. Die Rezepte sind ansonsten simpel, durch die Zusammenarbeit mit dem Grillsportverein aber recht zuverlässig.
Er gründete nicht nur einen Grillerclub: Ulrich Bernold, eidgenössischer Metzgermeister, ist Killergriller der ersten Stunde. Er initiierte den Schweizer BBQ-Verband und danach die "World Barbecue Association" und gilt in seiner Heimat als ein Nationalheld an der Glut. Kein Wunder also, dass sein "Der Outdoorchef" eher ein umfassendes Koch- denn ein monothematisches Grill-Buch geworden ist, zumindest was die Auseinandersetzungstiefe mit dem Thema betrifft. Von Kürbis über Zwiebeln und Steinpilzen, Fisch und Meeresfrüchten, Desserts bis hin zu (natürlich ist das des Metzgers Schwerpunkt) Fleisch aller Art landet beim "Grill-Ueli" nichts einfach nur so auf dem Rost, sondern wird vorher mariniert, überlegt vorbereitet und kombiniert. Hier lernt auch der fortgeschrittene Hobbygriller noch Einiges dazu.
Das kann man eigentlich auch von all den anderen Büchern sagen, die der französische Starkoch und Autor Stéphane Reynaud verfasst hat - vom säuisch guten "Schwein & Sohn" (2006) bis zu den Standardwerken "Terrinen & Pasteten" (2007) und " Vive la France!" (2009). Reynaud betreibt in Montreuil sous Bois unweit von Paris das Restaurant "Villa 9 Trois" und hat nun für "BBQ & Grill" 150 interessante bis hochwertige Rostrezepte komponiert, die auch vor ausgefalleneren Aromatiken (Süßholz, Zitronengras) und großen Tieren (Spanferkel, Côte du Boeuf) nicht zurückschrecken. Besonders brauchbar: die unzähligen sehr exakt rezeptierten Beilagen von Gemüse bis zu typisch französischen Buttersaucen.
Mit der vollen Karamellwucht
Ganz ohne tierische Zutaten haben immer mehr Genießer ihre Freude an der heißen Glut, was man nicht nur daran ablesen kann, dass der US-Grillbuchgott Jamie Purviance im nett fotografierten, inhaltlich aber eher flachen "Weber's Veggie: Die besten Grillrezepte" der Fleischeslust entsagt, sondern das Thema generell auf dem Buchmarkt ein stetig größer werdendes Rad dreht. Weil in diesen Werken aber meist nur halbverkohltes Gemüse auf den Fotos zu sehen ist, wollen wir an dieser Stelle auf zwei Werke hinweisen, die komplett ohne Lichtbilder auskommen: "Vegan grillen" von Heike Kügler-Anger und Jutta Grimms "Vegetarisch grillen" passen als kleine Bändchen mühelos in die Bauchtasche der Jutelatzhose, sind mit gekonntem Strich illustriert und von den Rezepten her auch nicht schlechter als die kunterbunten Großverlags-Veggiegriller.
In die Kategorie "Vegetarisch" gehört auch unser heutiges Rezept für "Ananas & Bounty vom Grill mit Dulce de Coco", zugleich aber auch in die Ecke "für fortgeschrittene Griller". Dieser komplexe Nachtisch kann an einem gut ausgestatteten mehrflammigen Gasgrill mit seitlichem Extra-Brenner (für Pfanne & Topf) komplett auf der Terrasse oder im Garten realisiert werden. Genau so gut geht das im Wechsel von Küche und Außengrill, auf dem neben den in Rum marinierten Ananasscheiben auch die Kokos-Schoko-Röllchen gegrillt werden, aus denen wir anschließend verführerische Karamellriegel herstellen. Mit kleinen Änderungen bei Teig und Schokolade kann dieses Rezept sogar von Veganern umgesetzt werden.
Die Röstnoten der schwarz karamellisierten Grillroststreifen auf Ananas und den Teigröllchen, sowie der ohne Fett in der Pfanne gerösteten Erdnuss-Stückchen finden hier einen spannenden Kontrast in der Säure der Frucht, die in zwei weiteren Ananas-Komponenten (Tatar und Gelee) mittels Chilischoten und einem milden Curry um scharfe Noten ergänzt wird.
Abgerundet wird das Aromenspiel durch die tiefgründige Karamellwucht einer Abart von Dulce de leche, jenem von Chile bis Costa Rica beliebten Brotaufstrich, der in unserer Variante ohne Vanille und Zimt, dafür aber mit Kokosmilch, indonesischem Palmzucker (Goela Djawa) und schwarzbraunem, stark Melasse-lastigem Muscovadozucker einreduziert wird. Dabei bleiben zwei Einmachgläser als Rest übrig, deren Inhalt man sich wochenlang aufs Brötchen schmieren kann.
Denn wer weiß schon wirklich, wie der Grillsommer wettermäßig so weitergeht?
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